Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Der lange Weg zur Frauenquote
Nachrichten Wirtschaft Der lange Weg zur Frauenquote
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:40 25.03.2014
Foto: Laut Koalitionsvertrag soll es künftig mehr weibliche Führungskräfte geben.
Laut Koalitionsvertrag soll es künftig mehr weibliche Führungskräfte geben. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Mehr Frauen in den Führungsetagen von Wirtschaft und den großen Bundeseinrichtungen: Mit Änderungen des Aktien- und diverser Mitbestimmungsgesetze, aber auch des Bundesgleichstellungsgesetzes, will die Koalition Ernst machen mit einer besseren Frauenförderung in den Leitungsetagen. Frauenministerin Manuela Schwesig und Justizminister Heiko Maas (beide SPD) legten am Dienstag Leitlinien für das komplexe Gesetzgebungsverfahren vor.

Für welche Unternehmen gilt künftig die 30-Prozent-Quote?
Aufsichtsräte von voll mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten Unternehmen, die ab 2016 neu besetzt werden, sollen künftig einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent aufweisen. Wird die Quote nicht erreicht, blieben die Stühle frei. Betroffen sind nach aktuellen Zahlen derzeit 108 Spitzenunternehmen. Die Mindestquote für jedes Geschlecht von 30 Prozent ist von jeder Gruppe - also von den Vertretern der Anteilseigner wie der Arbeitnehmer - gesondert einzuhalten.

Was ist mit den anderen großen Unternehmen?
Weitere rund 3500 börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Unternehmen müssen sich ab 2015 selbst verbindliche Zielgrößen für die Erhöhung des Frauenanteils im Aufsichtsrat, Vorstand und in den oberen Management-Etagen geben. Zielgrößen und Fristen sind öffentlich zu machen, ebenso auch Erfolg oder Nicht-Erfolg.

Was gilt für große Bundesunternehmen?
Die Deutsche Bahn AG und andere größere Bundesunternehmen sollen mit gutem Beispiel vorangehen, ebenso auch Bundesministerien und andere Einrichtungen des öffentlichen Dienstes. Dazu wird das Bundesgleichstellungsgesetz novelliert. Dabei kann differenziert werden. So könnten die Wasser- und Schifffahrtsdirektionen für ihre Führungsebenen einen Frauenanteil von 20 Prozent vorgeben, dass Familienministerium hingegen 40 Prozent. Entsendet der Bund künftig Vertreter in Gremien, wie etwa den Nationalen Normenkontrollrat oder den Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, dann soll eine Quote von 50:50 gelten.

Wie sieht es bei den großen Dax-Unternehmen aus?
Zwar stieg in den vergangenen drei Jahren die Zahl der Frauen in Aufsichtsräten der 160 DAX-Unternehmen von 10 Prozent auf inzwischen 17,2 Prozent, doch lag der Zuwachs 2013 deutlich unter den Vorjahren. In den Vorständen ist danach der Frauenanteil sogar rückläufig und liegt aktuell bei 6 Prozent, ermittelte die Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (FidAR).

Bringt das Gesetz wirklich Verbesserungen?
Die SPD hatte im Wahlkampf weitergehende Vorstellungen, vor allem bei den börsennotierten Unternehmen. Bereits im Koalitionsvertrag mussten jedoch Kompromisse gemacht werden. Gleichwohl wird das Erscheinungsbild in den deutschen Topetagen weiblicher werden.
 Warum kommt die Frauenquote erst jetzt?

Eine gesetzliche Quote für Frauen in Aufsichtsräten ist seit vielen Jahren im Gespräch. Ein erster Anlauf von SPD und Grünen scheiterte Anfang 2000, weil sich Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) mit der Wirtschaft über eine freiwillige Lösung verständigte - die aber nichts brachte. Schwarz-Gelb war in der Frage völlig zerstritten. Ex-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen war für eine feste, gesetzliche Quote, Ex-Frauenministerin Kristina Schröder (beide CDU) favorisierte eine „Flexi-Qoute“. Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) wollte gar keine Quote.

Sind Widerstände zu erwarten?
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) haben angeblich die Leitlinien gebilligt. Gleichwohl rumort es im CDU-Wirtschaftsflügel. Möglich ist auch, dass große Unternehmen vor dem Verfassungsgericht gegen eine Quotenregelung klagen werden.

27.03.2014
25.03.2014
Wirtschaft Ifo-Geschäftsklimaindex - Deutsche Wirtschaft bricht ein
25.03.2014