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Wirtschaft Lucke ein Nazi? Viele haben wie er gedacht
Nachrichten Wirtschaft Lucke ein Nazi? Viele haben wie er gedacht
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14:48 18.10.2019
Bernd Lucke, Wirtschaftswissenschaftler und AfD-Mitbegründer, verlässt nach seiner verhinderten Antrittsvorlesung den Hörsaal der Universität Hamburg. Mehrere Hundert Demonstranten haben an der Universität Hamburg die erste Vorlesung von AfD-Mitbegründer Bernd Lucke seit dessen Rückkehr an die Uni verhindert. Quelle: Markus Scholz/dpa

Da steht er nun im Hörsaal, der einstige Gründer der Alternative für Deutschland – und muss sich heftigste Beleidigungen bieten lassen. Ein „Nazi-Schwein“ sei er, werfen Bernd Lucke Studierende in Hamburg vor, sprengen seine Vorlesung, beschmeißen ihn mit Papierkügelchen. Und auf einmal gilt es, den Wirtschaftswissenschaftler zu schützen. Er habe schließlich nur eine Euro-skeptische Partei gegründet, der Rechtsruck der AfD kam später, so der Tonfall vieler Kommentatoren.

Doch so einfach ist es nicht. Ja, in der AfD haben nach Luckes Abgang extrem rechte Positionen Auftrieb bekommen. Längst gehört Björn Höckes „Flügel“ zu den einflussreichsten Kräften. Es hat keine zwei Jahre gedauert, bis aus der rechten, Euro-kritischen Professorenpartei ein Sammelbecken für waschechte Rechtspopulisten wurde.

Dafür hat allerdings Lucke das Fundament gelegt. 2013, bei der Gründung der AfD, war es vor allem die Finanzkrise, die die Rechtspopulisten umtrieb. Und es war der Ökonom Lucke, der die Griechenland-Rettung zum Argument für wirtschaftspolitischen Nationalismus und gegen Südeuropäer, Euro und Europäische Zentralbank machte. Dass seit 2008 vor allem die Griechenland-Kredite deutscher Banken geschützt wurden, interessierte Lucke wenig – womit er, wie ein Blick auf damalige Schlagzeilen offenbart, nicht alleine war.

Lucke ist kein Nazi

Die Gründung der AfD macht Lucke nicht zum Nazi. Sie rechtfertigt auch nicht, ihn auf Lebensdauer vom Universitätsbetrieb auszuschließen. Das ist allerdings gar nicht absehbar. Denn längst hat Lucke auch ungestört eine Veranstaltung an der Universität abhalten können. Weder Luckes Meinungsfreiheit noch die Freiheit der akademischen Lehre sind also in Gefahr.

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Dass nun viele so heftig auf die Attacken gegen Lucke reagieren, könnte aber einen anderen Hintergrund haben: Die Kritik an Lucke zielt auch auf diejenigen ab, die zur Zeit der AfD-Gründung gar nicht so anders als der Wirtschaftswissenschaftler getickt haben. Wie Lucke muss sich ein Teil der Deutschen fragen, welche Geister sie mit dem Gerede von „Pleite-Griechen“ und ihrer Skepsis gegenüber der EZB und Euro gerufen haben. Auch wenn sie sich heute sehr klar von der AfD abgrenzen.

Deshalb ist der Protest gegen Lucke – so überzogen er in seiner Form ist – eine Gelegenheit, innezuhalten und einige Denkmuster der Vergangenheit zu revidieren. Denn sechs Jahre nach Gründung der AfD und einige europäische Krisen später sollte eines klar sein: Wirtschaftspolitischer Nationalismus hat Europa nicht vorangebracht.

Von Christoph Höland/RND

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