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Wirtschaft Lokführergewerkschaft kündigt weitere Streiks an
Nachrichten Wirtschaft Lokführergewerkschaft kündigt weitere Streiks an
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15:09 23.02.2011
Im Kieler Hauptbahnhof standen die Züge für zwei Stunden still.
Im Kieler Hauptbahnhof standen die Züge für zwei Stunden still. Quelle: dpa
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Bahnfahrer müssen in den nächsten Wochen mit weiteren Behinderungen rechnen. Die Lokführergewerkschaft will ihre Warnstreiks im Schienenverkehr fortsetzen. Mit der Einleitung der Urabstimmung bereitet sich die GDL zudem auf einen bundesweiten Arbeitskampf vor. Zehntausende Bahnfahrer waren am Dienstag von Zugausfällen und Verspätungen genervt.

„Unsere Mitglieder haben bewiesen, wie sehr sie kämpfen können“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky nach der Streikaktion. Bundesweit legten die Lokführer den Angaben zufolge zwischen 6 und 8 Uhr rund 80 Prozent der Züge der Deutschen Bahn (DB) und ihrer sechs großen Konkurrenten im Nahverkehr lahm. Betroffen waren neben der DB die Anbieter Abellio, Arriva Deutschland, Benex, Keolis Deutschland, Veolia Verkehr und die Unternehmen der Hessischen Landesbahnen.

Der größte Teil der Züge sei ausgefallen oder habe sich deutlich verspätet, teilte die GDL mit. In Stuttgart habe die S-Bahn „komplett stillgestanden“. Auch Berlin, wo die S-Bahn mangels Fahrzeugen ohnehin im Notbetrieb fährt, München, Nürnberg, die Rhein-Main-Region, das Ruhrgebiet und Dresden waren Schwerpunkte. Ostdeutschland war besonders stark betroffen. Dort sind die Lokführer nicht beamtet. Im Westen dagegen sind noch 40 Prozent verbeamtet.

Die Gewerkschaft will eine einheitliche Mindestbezahlung aller 26 000 Lokführer in Deutschland durchsetzen. Bisher verdienen die Mitarbeiter von Konkurrenten des Marktführers DB teils deutlich weniger. Mit einem Flächentarifvertrag für Lokführer soll unter anderem auch eine Absicherung bei unverschuldetem Verlust der Fahrdiensttauglichkeit durchgesetzt werden.

Die GDL fordert ein „verhandlungsfähiges Angebot“. Andernfalls gebe es weitere Streiks. Nach sieben Monaten Verhandlungen ohne Abschluss werde man nun den Druck weiter erhöhen und die Urabstimmung einleiten, kündigte Weselsky an. Bis Anfang März soll das Ergebnis feststehen. Bis dahin könne es weitere Warnstreiks geben. Im März wären auch flächendeckende längere Streiks möglich, sofern die Mitglieder dem Arbeitskampf – wie erwartet – zustimmen.

Die GDL will weitere Warnstreiks rechtzeitig ankündigen. Der jüngste Warnstreik war am Vorabend angekündigt worden. Die DB setzte Hunderte zusätzliche Mitarbeiter ein und informierte Fahrgäste über die kostenlose Servicenummer (08 00) 0 99 66 33. Fahrgästen, die wegen streikbedingter Zugausfälle oder Verspätungen ihre Reise nicht antreten konnten, bietet der Konzern an, die Fahrkarte und Reservierung im Reisezentrum oder in DB-Agenturen kostenlos zu erstatten.

Die DB warf der GDL vor, anders als angekündigt nicht mit Augenmaß zu streiken. „Wir haben eine bundesweite Aktion erleben müssen, mit extrem kurzer Vorankündigung“, sagte DB-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg in Berlin. „Davon waren am Ende Millionen unserer Kunden betroffen.“ Der DB sei jede Chance genommen worden, Vorkehrungen zu treffen.

Etwa ein Drittel der Fernverkehrszüge sei von den Streikaktionen betroffen gewesen, berichtete Homburg. Verspätungen und Zugausfälle würden sich im Fernverkehr noch „den ganzen Tag hinziehen“, weil Züge und Personal erst wieder zu den richtigen Einsatzorten gelangen müssten. Im Regionalverkehr seien die Züge um die Mittagszeit wieder weitgehend nach Plan gefahren.

Thomas Wüpper/dpa