Lichttechnik: Continental und Osram gehen getrennte Wege
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Lichttechnik: Continental und Osram gehen getrennte Wege

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19:04 23.09.2020
Eine Frau läuft in der Zentrale der Firma Osram an einem Osram-Firmenlogo und dem Logo des Joint Venture Osram Continental entlang.
Eine Frau läuft in der Zentrale der Firma Osram an einem Osram-Firmenlogo und dem Logo des Joint Venture Osram Continental entlang. Quelle: Matthias Balk/dpa
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Hannover

Continental und Osram wollen ihre vor zwei Jahren mit großen Erwartungen begonnene Zusammenarbeit zur Entwicklung intelligenter Lichtsysteme für Autos wieder beenden. Das Joint-Venture, an dem beide Konzerne je zur Hälfte beteiligt sind, solle bis zum Jahresende aufgelöst werden, teilten Conti und Osram am Mittwoch mit. Weil auf absehbare Zeit weltweit weniger Fahrzeuge produziert würden als bei der Gründung erhofft, ließen sich die „Erwartungen an das profitable Wachstum des Gemeinschaftsunternehmens nicht mehr realisieren“.

Die Osram Continental GmbH ist Anfang Juli 2018 an den Start gegangen. Man wolle ein „neues Unternehmen schaffen, das die Zukunft automobilen Lichts neu denkt“, hatte Unternehmenschef Dirk Linzmeier seinerzeit erklärt. Conti brachte Software und elektronische Komponenten für die Lichtsteuerung in die Kooperation ein, Osram steuerte Leuchtmittel wie LEDs und Laser bei. Gemeinsam sollten die Ingenieure intelligente Rück- und Frontlichter entwickeln. Als Beispiele nennt Continental Scheinwerfer, die bei Gegenverkehr automatisch abblenden, Verkehrsschilder im Blickfeld hervorheben oder Informationen aus dem Navigationssystem auf die Straße projizieren.

Osram und Conti hatten große Ziele

Die Ziele waren hoch gesteckt: Der Markt für halbleiterbasierte Frontlichter wachse jährlich um zweistellige Prozentwerte, hieß es: „Bereits im Jahr 2025 könnte mehr als jedes zweite Neufahrzeug weltweit mit halbleiterbasierten Lichtlösungen ausgestattet sein.“ Beim Start verfügte das neue Unternehmen über 1500 Mitarbeiter, der größere Teil kam von Osram. Das Management peilte einen Umsatz im mittleren dreistelligen Millionenbereich an. Das Geschäft wurde bei Osram voll konsolidiert; der Konzern gehört inzwischen mehrheitlich dem österreichischen Sensorspezialisten AMS.

Doch der Alltag gestaltete sich offenbar schwieriger als gedacht. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Osram Continental 275 Millionen Euro Umsatz – der Verlust lag in einer ähnlichen Größenordnung. Wegen des schwierigen Marktumfeldes und geringerer Profitabilität habe man die mittelfristigen Ziele anpassen müssen, hieß es bei Osram. Der Konzern sah sich gezwungen, den Geschäfts- und Firmenwert in Höhe von 171 Millionen Euro komplett abzuschreiben. Osram kündigte Gespräche mit Conti über die Zukunft des Joint-Venture an. AMS-Chef Alexander Everke hatte zuletzt in dem Joint-Venture mit Conti keine „strategische Logik“ mehr erkennen können.

Unternehmen arbeiten bereits an der Trennung

Inzwischen bereiten die beiden Unternehmen bereits die Herauslösung der jeweils eingebrachten Bereiche an 14 Standorten und deren Rückführung in die beteiligten Unternehmen vor. Wo genau die 1500 Jobs in beiden Mutterkonzernen angesiedelt werden, lasse sich derzeit noch nicht sagen, erklärte eine Conti-Sprecherin: „Wir steigen jetzt in die Verhandlungen ein.“ Für die Kunden soll sich offenbar so wenig wie möglich ändern. Es sei geplant, den Autoherstellern „in einer künftigen Zusammenarbeit verbunden zu bleiben“, hieß es. Osram und Conti wollen weiter gemeinsam für die Umsetzung der laufenden Projekte sorgen, um diese zeitgerecht in Serie zu bringen.

Von Jens Heitmann