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Wirtschaft Einen Rüffel zum Dessert
Nachrichten Wirtschaft Einen Rüffel zum Dessert
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21:26 16.05.2014
Von Lars Ruzic
Feiern und Diskutieren: UVN-Hauptgeschäftsführer Volker Müller, Susanne und Werner Bahlsen, Ursula von der Leyen.
Feiern und Diskutieren: UVN-Hauptgeschäftsführer Volker Müller, Susanne und Werner Bahlsen, Ursula von der Leyen. Quelle: Dillenberg
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Hannover

Man kennt sich schon mehr als 40 Jahre. Sie spricht vom „lieben Werner“, er vom „lieben Röschen“. Sie war die Tochter des Bahlsen-Finanzchefs (und späteren niedersächsischen Ministerpräsidenten), er der Firmenerbe in spe, als man sich kennenlernte. So hatten Ursula von der Leyen, heute Verteidigungsministerin, und Werner Michael Bahlsen, heute Kekskönig und Niedersachsens Unternehmerpräsident, viele Anekdoten auszutauschen, als sie gestern im Garbsener „Landhaus am See“ gemeinsam mit mehr als hundert Firmeninhabern und Topmanagern den 65. Geburtstag des Hannoveraners (nach-)feierten.

Doch es blieb nicht allein bei Freundlichkeiten. Ausgerechnet zum Dessert – serviert wurde eine „Trilogie vom Leibniz-Keks“ – holte der Unternehmerpräsident zum Rundumschlag gegen die Große Koalition aus. Die mache teure Rentengeschenke, unterhöhle mit dem Mindestlohn die Tarifautonomie, verteuere die Energiekosten und wolle den Wohnungsmarkt mit der Mietpreisbremse überregulieren.

„Der deutschen Wirtschaft geht es gut – aber wir tun im Moment alles, damit es nicht so bleibt“, wetterte Bahlsen – übrigens selbst CDU-Mitglied. Seine Parteifreundin konnte schlecht so tun, als fühlte sie sich nicht angesprochen. Die meisten der von Bahlsen monierten Vorhaben hatte sie schließlich bei den Schwarz-Roten Koalitionsrunden federführend ausgehandelt.

Die Bundesregierung tue nichts zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland, echauffierte sich Bahlsen. „Dabei müssen wir jetzt dafür kämpfen, dass wir auch in Zukunft noch eine stabile Wirtschaft haben.“ So seien große Investitionen in die marode Infrastruktur nötig – das beginne bei Straßen und Brücken und reiche bis zur Internetversorgung auf dem Lande. Hier ging Bahlsen auch mit seiner eigenen Partei hart ins Gericht. „Die Kanzlerin grinst uns in diesen Tagen von den Wahlplakaten an und hat kaum Inhalte zu bieten“, monierte er. Mit einer Politik der Wahlgeschenke und Untätigkeit drohe Deutschland die Saat dafür zu legen, „dass es uns in zehn Jahren wieder so geht, wie es vor zehn Jahren schon einmal war – als man uns als ,kranken Mann Europas‘ bezeichnet hat“.

Ursula von der Leyen trug die Kritik mit Fassung – sie wird sie auch erwartet haben. Bahlsen hat im Prinzip nur wiedergegeben, was derzeit argumentativer Kanon in der Wirtschaft ist. Entsprechend groß war der Beifall der Unternehmer und Manager, die die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) gestern versammelt hatten – darunter Konzernchefs wie Gunter Dunkel (Nord/LB) und Wolfram von Fritsch (Deutsche Messe), Spitzenmanager wie Heinz-Gerhard Wente (Continental) und Göksel Güner (Komatsu Hanomag) oder Unternehmer wie Martin Kind und York Fusch (Körting).

Die Ministerin konnte auch nicht mehr auf Bahlsens Rüffel reagieren. Sie hatte schon vorher gesprochen – und versichert, dass sie bis heute Bahlsen-Kekse am Geschmack erkenne. Den Unternehmer umschrieb sie als „konservativ im besten Sinne“. Es sei ihm im Laufe der Jahre gelungen, „eine wunderbar kluge Verbindung“ zwischen Tradition und Innovation zu finden. Dabei agiere Bahlsen als „Kaufmann von vornehmem Understatement“. Jedenfalls, wenn er sich nicht gerade über seine Parteifreunde ärgert.

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