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Wirtschaft Kritik an Aufsichtrats-Kandidat Pötsch wächst
Nachrichten Wirtschaft Kritik an Aufsichtrats-Kandidat Pötsch wächst
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09:20 06.10.2015
Fragwürdiges Verfahren oder übergesetzlicher Notstand? VW-Aufsichtrats-Kandidat Hans Dieter Pötsch.
Fragwürdiges Verfahren oder übergesetzlicher Notstand? VW-Aufsichtrats-Kandidat Hans Dieter Pötsch. Quelle: dpa
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Kritiker wünschen sich einen deutlichen Bruch mit der Vergangenheit: So fordert die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), statt Pötsch einen „unbelasteten, externen Kandidaten“ zu suchen.

Niedersachsens früherer Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) äußert sich ähnlich. „Pötsch ist ohne Frage einer der brillantesten Finanzminister, den ein Konzern haben kann, dennoch halte ich seine Berufung grundsätzlich für falsch.“

So soll man „nur in absoluten Ausnahmefällen einen aktiven Vorstand auf den Aufsichtsratsposten hieven“. Und die augenblickliche Lage des Konzerns, der Vertrauen zurückgewinnen müsse, stehe nun gerade gegen diesen Schritt.

Auch Weil hat Bedenken

„Außerdem stellt die Berufung von Pötsch ein hohes Schadensersatzrisiko dar, weil sie ohne Hauptversammlung erfolgt“, sagt Bode. Er könne gut verstehen, dass Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) Bedenken gegen die Nominierung Pötschs gehabt haben soll, wie kürzlich bekannt wurde, sagt der FDP-Politiker, der selbst vier Jahre lang im VW-Aufsichtsrat saß. „Das ist ein äußerst fragwürdiges Verfahren.“

Ob an der Personalentscheidung tatsächlich noch einmal gerüttelt wird, ist aber die große Frage. „Wir haben hier einen übergesetzlichen Notstand“, hält der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, dagegen. Der Aufsichtsrat will heute dem Beschluss des Präsidiums von vergangener Woche zustimmen, wonach Pötsch durch das Amtsgericht Braunschweig in das Kontrollgremium geschickt werden soll. Die Zeitnot in der schweren Krise gestatte diesen Schritt, argumentiert Hocker. Ausnahmsweise sei die Bestellung Pötschs darum ohne die sonst vorgeschriebene Wahl bei einer Hauptversammlung zu akzeptieren - „mit Bauchschmerzen, aber eben ohne Alternative“. Von der Kompetenz her sei Pötsch aber der richtige Mann.

Vertrauen der Anleger wiederherstellen

Dies sieht SdK-Vorstand Daniel Bauer anders: „Ich habe weniger Bauchschmerzen mit der Art seiner Ernennung als mit der Person selbst.“ Um das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen, sei ein radikaler Schnitt und die Neubesetzung mit einem externen Kandidaten die bessere Wahl. Bei einer internen Veranstaltung soll Pötsch kürzlich von einer „existenzbedrohenden Krise“ für den VW-Konzern gesprochen haben und sorgte damit zusätzlich für Irritationen.

Zwei Wochen nach dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre ist bei den routinemäßigen Untersuchungen der Finanzaufsicht zum Handel mit VW-Aktien derweil noch kein Ende in Sicht. „Wir wissen nicht, wann sie abgeschlossen sein werden“, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Zudem prüfe die Bafin, ob VW bei der Veröffentlichung der Vorwürfe entsprechend dem Aktiengesetz gehandelt oder die Öffentlichkeit zu spät über die Probleme informiert habe.

Von Marco Hadem
und Michael B. Berger

Heiko Randermann 06.10.2015
06.10.2015