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Wirtschaft Keine Rückkehr zu alten Produktionsniveaus bei Wabco
Nachrichten Wirtschaft Keine Rückkehr zu alten Produktionsniveaus bei Wabco
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09:33 20.06.2009
Von Lars Ruzic
„Wir schneiden hier nicht bis auf den Knochen“: Hannovers Wabco-Chef Jürgen Heller.
„Wir schneiden hier nicht bis auf den Knochen“: Hannovers Wabco-Chef Jürgen Heller. Quelle: Rainer Surrey
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„Zu glauben, man könnte auf absehbare Zeit auch nur annähernd den alten Beschäftigungsstand wieder erreichen, ist illusorisch“, sagte Heller dieser Zeitung. Mit den Entlassungen würde die Belegschaft in der Region um gut ein Drittel auf unter 2000 Mitarbeiter sinken.

Die Nutzfahrzeugindustrie sei vor allem in Westeuropa auf ein Niveau zurückgefallen, von dem aus es Jahre dauern werde, bis sie sich wieder erholt habe. Das Produktionsvolumen habe sich bei Wabco wie auch bei allen anderen in der Branche innerhalb von sechs Monaten um 60 Prozent reduziert und liege inzwischen auf dem Niveau von 1999. „Wir erleben nach den Boomjahren der jüngeren Vergangenheit eine komplette Neujustierung der Branche“, ist sich der 49-Jährige sicher. Merkbare Wachstumsraten werde es in naher Zukunft vor allem in Schwellenländern geben, wo Hersteller und Zulieferer dann auch zunehmend fertigen müssten.

Der gebürtige Hesse kann daher die Kritik der Gewerkschaft IG Metall nicht nachvollziehen, er nutze die Möglichkeiten der Kurzarbeit und des Tarifvertrags nicht aus, sondern streiche gleich Jobs. „Kurzarbeit würde das Problem nur verschieben.“ Außerdem werde Wabco das Instrument selbst nach dem Personalabbau noch nutzen müssen. Man wolle soviel Stammpersonal an Bord halten wie möglich - schon allein, weil Fachkräfte rar seien. Kurzarbeit gibt es in Hannover erst seit drei Monaten, sie könnte auf maximal 24 Monate ausgedehnt werden. Die IG Metall kritisiert Hellers Vorgehen deshalb als „Kahlschlagpolitik“.

Der Maschinenbauingenieur, der vor fast vier Jahren von Honeywell aus den USA nach Hannover kam, verweist im Gegenzug darauf, dass man die technischen Kapazitäten weiter vorhalten wolle. Das sei auch ein Signal für die Zukunft des Standorts. „Wir schneiden hier nicht bis auf den Knochen.“ So werde in Hannover derzeit sogar in neue Elektronik und eine Verbesserung der Abläufe investiert.

Der Standort, der mit Hunderten Ingenieuren auch als Entwicklungszentrale des börsennotierten Spezialisten für Brems- und Fahrzeugregelsysteme fungiert, soll flexibler und auch in kleinen Stückzahlen profitabel arbeiten können. Dass sich in Hannover Forschung und Produktion vereinen, sei der entscheidende strategische Vorteil des vor 125 Jahren gegründeten Werks. Der deutlich kleinere Standort in Gronau, der auf Kompressoren spezialisiert ist, sei ebenfalls nicht gefährdet. Derzeit hole man bislang fremdvergebene Arbeiten zurück, um für zusätzliche Beschäftigung zu sorgen.

So seien dann auch „nach derzeitiger Marktlage“ keine weiteren Entlassungen zu erwarten, versichert der Geschäftsführer. Dass es noch weiter bergab gehe, sei nicht zu erwarten. Für Hannover rechnet Heller dennoch auch auf Jahressicht mit einem 55 bis 60 Prozent niedrigeren Produktionsvolumen. Schweigsam gibt er sich zu den Modalitäten des Personalabbaus. Sowohl der Zeitpunkt als auch die Frage, ob es eine Transfergesellschaft geben soll, müsse nun in Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite geklärt werden.