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Wirtschaft Karmann geht das Geld aus
Nachrichten Wirtschaft Karmann geht das Geld aus
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22:21 23.10.2009
Bei Karmann droht innerhalb kurzer Zeit die Schließung, weil das Geld fehlt.
Bei Karmann droht innerhalb kurzer Zeit die Schließung, weil das Geld fehlt. Quelle: ddp
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„Es droht in der Tat die Schließung, wenn wir nicht in kürzester Zeit neue Mittel bekommen“, sagte Pietro Nuvoloni, der Sprecher des Insolvenzverwalters. Die Situation sei „sehr ernst“. Einen genauen Termin wollte Nuvoloni nicht nennen, ein Ende zum 1. November sei aber nicht auszuschließen.

Insolvenzverwalter Ottmar Hermann „versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten, das Schlimmste zu verhindern“, sagte sein Sprecher. Erst vor einer Woche hatte Hermann ein neues Restrukturierungsprogramm und damit den Jobverlust von 800 der gegenwärtig 1600 Mitarbeiter verkündet. Die hatten vorher schon auf 15 Prozent ihres Lohns verzichtet. Geholfen hat das offenbar nicht.

„Die Restrukturierung ist von extremen Liquiditätsproblemen überholt worden“, sagte Nuvolini. Karmann hängt von den großen Autoproduzenten ab. Doch neue Aufträge von VW, Daimler oder Audi sind nicht in Sicht. Probleme hat Karmann außerdem mit der Zahlungsmoral seiner bisherigen Kunden. So soll unter anderem Daimler den Osnabrückern noch einen zweistelligen Millionenbetrag schulden.

Ein Daimler-Sprecher sagte, die Stuttgarter seien mit Hermann im Gespräch. Dabei gehe es um „Forderungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart“. Es werde versucht, eine „Gesamtlösung“ zu finden. Karmann liefert Rohbauteile für den Mercedes SLK und das Dach für das E-Klasse-Cabrio. „Der Eindruck, dass wir grundlos Geld zurückhalten, ist nicht zutreffend.“ Angaben zur Höhe der offenen Forderungen und zu weiteren Details machte der Sprecher nicht.

2004 hatten bei Karmann noch mehr als 7000 Beschäftigte gearbeitet. Vor allem der Bau von Cabriomodellen für VW, Audi und Daimler hatte die Fahrzeugbauer in Osnabrück berühmt gemacht. Seit Jahren allerdings zeichnete sich auch der Verlust dieses traditionellen Arbeitsfeldes für Karmann ab. Neue Aufträge blieben angesichts von Überkapazitäten am Markt ganz aus oder gingen an Konkurrenten wie den Österreicher Magna. Im Sommer dieses Jahres wurde die Fertigung kompletter Autos am Standort Osnabrück eingestellt. Kurz vorher war das Gleiche am zweiten Standort Rheine (Westfalen) geschehen. Im April hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet.

Hermann berichtete von vielen Investorengesprächen, die aber offenbar nicht rechtzeitig abgeschlossen werden können. Auch von einer Übernahme durch VW war immer wieder die Rede, doch in Wolfsburg ist man vorerst mit der Porsche-Fusion beschäftigt. Denkbar wäre, das Modell Boxster bei Karmann bauen zu lassen, doch das stünde erst für 2012 an.

Bernhard Remmers

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