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Wirtschaft Investor Berggruen übernimmt Karstadt
Nachrichten Wirtschaft Investor Berggruen übernimmt Karstadt
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23:10 07.06.2010
Berggruen übernimmt offenbar die insolvente Warenhauskette Karstadt.
Berggruen übernimmt offenbar die insolvente Warenhauskette Karstadt. Quelle: dpa
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Der amerikanisch-deutsche Privatinvestor Nicolas Berggruen wird neuer Eigentümer der insolventen Kaufhauskette Karstadt. Darauf verständigte sich am Montagabend der Gläubigerausschuss am Sitz des Karstadt-Konzerns in Essen, wie Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg im Anschluss an die mehrstündige Sitzung mitteilte.

Nach monatelangem Ringen um die Zukunft Karstadts sind damit der deutsch-skandinavische Investor Triton und das Karstadt-Vermieterkonsortium Highstreet als Bieter aus dem Rennen. Görg sagte, der Kaufvertrag solle „umgehend“ unterzeichnet werden und im Spätsommer in Kraft treten. Der Gläubigerausschuss habe mit großer Mehrheit für Berggruen gestimmt.

Es sei von Anfang an das Ziel gewesen, „Karstadt als eines der ganz großen Unternehmen in Deutschland zu erhalten“, sagte der Insolvenzverwalter. Für die rund 25 000 Mitarbeiter der Warenhauskette geht mit dem Zuschlag für den Investor Berggruen ein Jahr voller Ungewissheit zu Ende. Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor hatte am 9. Juni 2009 Insolvenz angemeldet, womit auch die Konzerntöchter Karstadt und das Versandhaus Quelle in die Pleite rutschten. Über Monate hinweg wurde nun nach einem Käufer gesucht, der Karstadt saniert und in eine neue Zukunft führt.

Es sei erfreulich, für Karstadt einen Käufer gefunden zu haben, „der verspricht, diese Gesellschaft erfolgreich weiterzuführen“, sagte Görg. Nicolas Berggruen kündigte an, Karstadt zu modernisieren. Die Warenhauskette sei nun fast 130 Jahre alt und damit „eine alte Dame“. Er wolle Karstadt „erneuern, interessanter machen“, sagte Berggruen. Karstadt müsse es schaffen, mehr Kunden anzuziehen. Hierfür sei die Erneuerung des Unternehmens notwendig. „Karstadt gehört den Kunden, das ist das Wichtigste. Ich hoffe, dass mehr kommen, mehr kaufen, glücklich sind“, sagte der Investor

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen erhielt Berggruen im Gläubigerausschuss neun von elf Stimmen. Demnach gab es zwei Enthaltungen in dem elfköpfigen Gremium. Berggruen war zuletzt auch von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di als neuer Eigentümer für Karstadt befürwortet worden. Eine ver.di-Sprecherin begrüßte in einer ersten Stellungnahme die Entscheidung für den amerikanisch-deutschen Investor. Nun muss am Donnerstag das Amtsgericht Essen noch den Insolvenzplan bestätigen.

Die zunächst für Ende April geplante Entscheidung war immer wieder verschoben worden, zunächst auf den 28. Mai, dann noch einmal auf den 7. Juni. Auch die Frist für die Unterzeichnung eines Kaufvertrags wurde auf den 9. Juni verlängert. „Letztmalig“, wie Insolvenzverwalter Görg geradezu beschwörend betont hatte. Einen Tag später soll das Essener Amtsgericht dann endlich grünes Licht für den Insolvenzplan geben.

Nach dem Aus der zweiten großen Arcandor-Handelstochter Quelle im vergangenen Jahr setzt der Insolvenzverwalter alles daran, wenigstens die Rettung von Karstadt zum Erfolg werden zu lassen. Dabei hat er sich mit dem Erhalt der Warenhauskette als Ganzes ein anspruchsvolles Ziel gesetzt. Nachdem in monatelangen Verhandlungen mit 94 Kommunen endlich die notwendige Mehrheit für einen Gewerbesteuerverzicht erreicht werden konnte, erwies sich die Suche nach einem Investor zunehmend als Verwirrspiel mit vielen Unbekannten. Immer wieder machten neue Gerüchte die Runde. Mal war einer der Investoren angeblich bereits aus dem Rennen, mal ging es um angebliche Geheimverhandlungen hinter den Kulissen.

Erleichtert angesichts der Entscheidung zeigte sich der hannoversche Karstadt-Betriebsratschef Rolf Stenzel. „Ich habe Herrn Berggruen persönlich kennenlernen können und bin äußerst positiv gestimmt.“ Die Karstadt-Belegschaft könne nun „vorsichtig optimistisch“ sein. „Ein mögliches Zerschlagungsszenario für den Konzern ist vom Tisch“, betonte Stenzel. Der Standort Hannover ist bereits Opfer der Karstadt-Insolvenz geworden: Im März wurde das Heim- und Technikhaus in der Landeshauptstadt geschlossen.

dpa/afp/ste