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Wirtschaft Erst Altersteilzeit – dann Lohnrunde
Nachrichten Wirtschaft Erst Altersteilzeit – dann Lohnrunde
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07:51 09.07.2014
Foto: Mehr „Freiräume für das Arbeitsleben“: Die IG Metall fordert bessere Möglichkeiten für Beschäftigte zur Arbeitszeitverkürzung.
Mehr „Freiräume für das Arbeitsleben“: Die IG Metall fordert bessere Möglichkeiten für Beschäftigte zur Arbeitszeitverkürzung. Quelle: dpa
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Frankfurt

Beide Seiten hätten vereinbart, die Gespräche darüber nach der Sommerpause aufzunehmen, teilten die Tarifparteien am Dienstag mit. Nach Angaben der IG Metall sollen möglichst bis November Eckpunkte für eine Einigung erarbeitet werden. Damit könnte dieses komplexe Thema vor der Tarifrunde in Grundzügen geklärt werden. In den später beginnenden Verhandlungen über Lohnzuschläge für die 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche soll es dann auch um die Finanzierung der Altersteilzeit gehen. Über den geltenden Tarifvertrag zur Altersteilzeit muss neu verhandelt werden, weil seit Kurzem die Rente mit 63 eingeführt worden ist.

Die IG Metall möchte dabei erstmals einen individuellen Anspruch auf Bildungsteilzeit durchsetzen. Nutznießer wären jüngere Arbeitnehmer, die sich für Studium oder Aufbauausbildung freistellen lassen könnten – nach dem Vorbild der Altersteilzeit abgefedert durch fortgezahlten Teillohn und nahezu gleichbleibende Rentenbeiträge. Die Bildungsteilzeit ist nur der erste Teil einer weitreichenden, über mehrere Tarifrunden angelegten Strategie der IG Metall zur Arbeitszeitverkürzung.

Die Gewerkschaft will für möglichst viele Beschäftigtengruppen tarifvertragliche Arbeitszeitverkürzungen mit möglichst hohem Lohnausgleich herausholen. Die Beschäftigten benötigten über ihr Arbeitsleben Freiräume und Wahloptionen, ohne dass sie von der beruflichen Entwicklung abgekoppelt werden, sagte Gewerkschaftschef Detlef Wetzel. Flexibilität in der Arbeitswelt werde allzu häufig als Einbahnstraße zugunsten der Unternehmen verstanden.

Nach den Älteren und den Weiterbildungswilligen kämen Beschäftigte mit kleinen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen als nächste Zielgruppen für kürzere Arbeitszeiten, hat der für die Tarifpolitik zuständige Zweite Vorsitzende Jörg Hofmann unlängst vor Betriebsräten angekündigt. Auf Widerstand der Arbeitgeber und mögliche Arbeitskämpfe sei man eingerichtet und entsprechend streikbereit: „Den Teillohnausgleich müssen wir erkämpfen und erstreiten. Das wissen wir.“

Die Arbeitgeber sorgen sich derweil um ihre Fachkräfte. Die Antwort auf die demografische Entwicklung könne nicht sein, dass die Menschen immer weniger arbeiteten, betonen sie. Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger verweist auf Prognosen, wonach es immer weniger Erwerbspersonen gibt. Bis zum Jahr 2025 werde ihre Zahl um 5,3 Millionen zurückgehen: „Immer weniger Erwerbstätige, die dann auch noch immer weniger arbeiten wollen – man braucht kein Mathematikstudium, um zu erkennen, dass sich unser Wohlstand so nicht erhalten lässt.“ Nach Angaben von Gesamtmetall zeigen Umfragen, dass die meisten Beschäftigten der Branche mit ihrer Arbeitszeit zufrieden sind, viele länger arbeiten wollen und sich der Job für die meisten gut mit dem Privatleben vereinbaren lässt.

Bei der Altersteilzeit will die Gewerkschaft höhere Aufstockungen der Arbeitgeber durchsetzen, weil in der Vergangenheit fast nur Gutverdiener die Möglichkeit genutzt hätten. „Je weniger man verdient, desto schwieriger wird es, in Altersteilzeit zu gehen“, sagte IG-Metall-Chef Wetzel.

Von Christian Ebner

08.07.2014