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Wirtschaft Smartphones ohne Android: Der Handelskrieg legt Huawei lahm
Nachrichten Wirtschaft Smartphones ohne Android: Der Handelskrieg legt Huawei lahm
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17:15 20.05.2019
Der Handelskonflikt zwischen USA und China bringt den Tech-Giganten Huawei in schwere Bedrängnis. Quelle: Ng Han Guan/AP/dpa
Washington/Peking

Der Handelskonflikt zwischen USA und China bringt den Tech-Giganten Huawei in schwere Bedrängnis. Das Unternehmen muss ab sofort auf Hard- und Software aus den USA verzichten. Dazu zählen auch neue Programme für das Smartphone-Betriebssystem Android. Auch der US-Ableger des deutschen Chipherstellers Infineon stellt die Belieferung mit Komponenten ein.

Hinter Android steht die Google-Mutter Alphabet. Die teilte am Montag mit, dass man die Geschäftsbeziehungen mit dem chinesischen Konzern gemäß einem Dekret der Regierung einfrieren werde. Auf bereits verkauften Geräten würden aber Dienste wie der App-Store Google Play und die Sicherheitssoftware weiter funktionieren.

Das bedeutet: Nutzer mit einem Handy des chinesischen Herstellers werden zunächst keine Einschränkungen hinnehmen müssen. Neue Sicherheits-Updates wird es ebenfalls weiterhin geben. Denn solche Programme gehören zu frei verfügbarer Software (Open Source). Auch Apps von Google, dessen E-Mail-Service Gmail oder das Landkarten- und Navigationsprogramm Maps werden weiter funktionieren. Nach einer ersten Stellungnahme von Huawei seien die Dienste ebenfalls bei „lagerhaltigen Geräten“ sichergestellt – also bei allen Smartphones die noch nicht verkauft sind, aber bereits im Lager liegen.

Die Besitzer von Huawei-Handys müssen sich allerdings darauf einstellen, dass sie die gewohnten neuen Versionen von Android künftig nicht mehr erhalten werden, sodass die Geräte auf dem aktuellen Stand gewissermaßen stehen bleiben. Denn bei den üblichen Updates handelt es sich auch um Software, die von Alphabet entwickelt wurden. Allerdings ist es möglich, Android-Geräte komplett auch ohne Software von der Google-Mutter zu betreiben. Dazu gibt es alternative App-Stores wie beispielsweise F-Droid.

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Viel stärker sind die Einschränkungen bei neuen Geräten: Den Zugang zu Google-Diensten wie Maps und Gmail soll es nicht mehr geben. Und der Play-Store kann virtuell auch nicht mehr zum Herunterladen von zusätzlichen Anwendungen aufgesucht werden. Das dürfte für viele Nutzer eine massive Einschränkung bedeuten. Denn in Googles App-Store werden Zehntausende von populären Zusatzprogrammen angeboten. Und die von Google unabhängigen Plattformen verlangen dem Nutzer häufig einiges an Kenntnissen ab, um die Programme zu laufen zu bringen.

Der Hintergrund: Android wurde einst als freies Betriebssystem entwickelt, das für alle Smartphone-Hersteller uneingeschränkt zugänglich ist. Zugleich gibt es aber Weiterentwicklungen in großer Zahl, die von verschiedenen Unternehmen stammen. Google hat sich dabei besonders hervorgetan – insbesondere beim Einbetten der eigenen Dienste wie der Suchmaschine oder Gmail. Zudem betreibt Google den Play Store. Aus diesen Gründen setzen neben Huawei auch viele andere Handy-Hersteller auf das Öko-System des US-Riesen.

Huawei-Absatz dürfte einbrechen

Branchenkenner vermuten, dass allein die Ankündigung der Restriktionen für Huawei dazu führen wird, dass der Absatz der Geräte einbrechen wird. Dabei hat das Unternehmen trotz eines stagnierenden Marktes in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte Wachstumskurve gezeigt. Nach den Zahlen des Marktforschungsunternehmens IDC wurden allein im ersten Quartal rund 59 Millionen Geräte abgesetzt – im Vorjahr waren es noch 20 Millionen weniger. Huawei-Handys liegen weltweit hinter Samsung auf dem zweiten Platz. Sie sind vor allem wegen ihres günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses begehrt.

US-Präsident Donald Trump attackiert Huawei seit geraumer Zeit. Er und viele seiner Sicherheitsberater sehen in dem Unternehmen eine Bedrohung der Sicherheit der USA. Sie werfen den Managern vor, dass sie mit den chinesischen Geheimdiensten kooperieren und in den USA digitale Spionage betreiben. Beweise dafür wurden bislang nicht vorgelegt. Huawei stellt nicht nur Handys her, sondern ist weltweit führend bei der Netzwerktechnik im Mobilfunk. Das gilt insbesondere für den neuen 5G-Standard. Das Management und die chinesische Regierung haben die Vorwürfe der Amerikaner bislang immer vehement bestritten.

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Trump hat dennoch in der vorigen Woche den nationalen Notstand in der Telekommunikation ausgerufen und Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt. Seither müssen US-Unternehmen, die mit den Chinesen noch zusammenarbeiten wollen, dafür besondere Genehmigungen bei der Regierung einholen. Zahlreiche weitere Tech-Konzerne, die als Zulieferer für Huawei fungieren, haben aufgrund des Regierungs-Dekrets mittlerweile ihre Lieferungen nach China eingestellt. Infineon teilte mit: „Aufgrund dieser Bestimmung treten Compliance-Maßnahmen in Kraft, nach denen Infineon die Lieferung von Waren mit Ursprungsland USA beenden muss.“

Beobachter gehen davon aus, dass Trump mit der verschärften Gangart die chinesische Seite in den verhärteten Handelsgesprächen zum Einlenken zwingen will. Der Präsident fordert massive Zugeständnisse von der kommunistischen Führung, die die gesamte Wirtschaftspolitik der Volksrepublik umkrempeln würden. Im Kern geht es darum, staatliche Subventionen für chinesische Firmen zu streichen und bessere Bedingungen für US-Firmen bei Investitionen in der Volksrepublik durchzusetzen.

Bewegt sich Peking?

Mit seiner Attacke setzt Trump auf ein Instrument, mit dem er bereits im vorigen Jahr bei dem kleineren Netzwerkhersteller ZTE – ebenfalls aus China – erfolgreich war. Die Belieferung mit Komponenten aus den USA wurde verboten. Innerhalb weniger Wochen stand das Unternehmen vor dem Ruin. Die kommunistische Führung kündigte Zugeständnisse bei den Handelsgesprächen an. Die Blockade wurde aufgehoben, ZTE konnte sich wieder fangen.

Sollte sich die Regierung in Peking diesmal wieder bewegen, könnte auch der Huawei-Bann schnell wieder aufgehoben werden. Branchenkenner gehen davon aus, dass das Unternehmen noch Bauteile aus den USA für drei Monate auf Lager hat.

Von RND/Frank-Thomas Wenzel

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