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Wirtschaft Höft & Wessel will 2015 wachsen
Nachrichten Wirtschaft Höft & Wessel will 2015 wachsen
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07:41 02.01.2015
Von Jens Heitmann
Thomas Dibbern ist neuer Chef beim Automatenhersteller Höft & Wessel.
Thomas Dibbern ist neuer Chef beim Automatenhersteller Höft & Wessel. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Bei Höft & Wessel hatten Vorstandschefs zuletzt eine ähnlich geringe Halbwertzeit wie Trainer beim Hamburger SV, dem Lieblingsclub Ihres Vorgängers. Hat Sie das nicht abgeschreckt, Herr Dibbern?
Nein, ich bin im Juli gleich mit meiner Familie nach Hannover gezogen. Höft & Wessel hat ohne Frage turbulente Zeiten hinter sich, aber wir werden unser Geschäft jetzt langfristig entwickeln. Der Neuanfang ist erfolgt – so wie auch beim HSV. Als Hamburger Jung bin ich natürlich auch ein Fan, früher war ich sogar mal Ordner.

Höft & Wessel hat seine Aktionäre oft enttäuscht, Ihre Ziele für 2014 mussten Sie Anfang November kassieren, weil Sie immer noch unter den Altlasten längst geschasster Manager leiden. Hat es damit mal ein Ende?
Die Altlasten haben uns in der Tat über die Maßen beschäftigt. Das hat Ressourcen gebunden, die man nicht für die Entwicklung neuer Produkte oder für die Akquise neuer Kunden einsetzen konnte. Höft & Wessel hat sich früher stark auf einzelne Kunden ausgerichtet und für jeden eine individuelle Lösung entwickelt. Das heißt, man hat jedes Mal fast bei null angefangen – entsprechend hoch waren dann die Risiken. Wir haben da leider viel Lehrgeld bezahlt.

Zur Person

Thomas Dibbern sieht seine Stärken im Vertrieb. Der Politologe hat nach seinem Studium bei einem Softwarehersteller angeheuert und kannte Hannover schon von vielen Cebit-Besuchen. Zuletzt war der 45-Jährige beim Höft-&-Wessel-Konkurrenten Scheidt & Bachmann für das internationale Geschäft verantwortlich. Das liegt ihm auch deshalb, weil er neben Englisch auch Spanisch, Portugiesisch und Schwedisch spricht.

Höft & Wessel hat das immer als seine Stärke definiert: Ein Spezialist für die Nische, die größeren Konkurrenten zu klein ist. Gilt das nicht mehr?

Wir bieten unseren Kunden weiter passgenaue Lösungen. Die Basis dafür wird aber ein modular aufgebauter Baukasten sein. Früher waren Kunden bereit, für die Entwicklung – ich sage mal – „karierter Maiglöckchen“ höhere Preise zu bezahlen. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Kunden fordern ausgereifte Standardprodukte, die aber dennoch die zum Teil sehr individuellen Anforderungen erfüllen. Das kriegen wir mit unserem Lösungsangebot „flexibler Standards“ hin.

Höft & Wessel baut mobile Terminals zum Verkauf und zur Kontrolle von Fahrscheinen, Parkscheinautomaten sowie Datenerfassungsgeräte für den Einzelhandel. Bleibt es bei dieser Ausrichtung?
Ja, an unseren Zielmärkten ändert sich nichts – wir justieren nur unsere Ausrichtung. Wir wollen Produktfamilien entwickeln und anbieten. Das hat für uns den Vorteil, dass wir das Rad nicht immer neu erfinden müssen. Höft & Wessel war früher oft ein „First Mover“, wir haben also Geräte entwickelt, für die es zwar hohe Erwartungen gab, aber noch keinen Markt. Wenn die Nachfrage zu spät einsetzt, führt das zu Problemen.

Ihr Vorgänger hat als „Unternehmensstrategie 2018“ den Wandel zum Mobilitätsdienstleister angekündigt: Verkehrsunternehmen sollen die Menschen von A nach B transportieren – Höft & Wessel kümmert sich um das Ticketing und lässt sich dafür bezahlen, lebt also nicht länger nur vom Verkauf der Fahrkartenautomaten. Halten Sie an dem Ziel fest?
Im Grundsatz ja, bei der Zeitvorgabe bin ich allerdings skeptischer. Das Geschäft entwickelt sich – zumindest in Deutschland – langsamer als man glaubt, auch weil ein solcher Wandel des Geschäftsmodells im öffentlichen Nahverkehr Aufgaben und damit Stellen überflüssig machen würde. In Großbritannien ist man bereits einen Schritt weiter: Dort sind viele Anbieter privatisiert und besitzen mehr Flexibilität beim Einkauf von Dienstleistungen.

Sehr konkret sind die Pläne von Höft & Wessel bisher auch noch nicht ...
Das ist richtig. Die Strategie 2018 erfüllte die Funktion eines Leitsterns. Wir bauen aktuell mit der Produktstrategie „flexibler Standards“ das Fundament, um dieser Strategie die Stabilität zu geben.

Höft & Wessel hat seine Kunden oft mit unausgereiften Produkten enttäuscht. Wie schwer wiegt dieser Vertrauensverlust?
Die Kunden glauben an uns. In unseren Branchen haben wir die Crème de la Crème – von der Deutschen, Dänischen und Belgischen Bahn über Edeka, Rewe bis hin zu bedeutenden regionalen Verkehrsbetrieben wie der Üstra. Sie alle haben uns die Stange gehalten. Und mit dem Fokus auf flexible Standardlösungen sorgen wir zukünftig auch für einen hohen Reifegrad unserer Produkte.

Ihr neuer Mehrheitsaktionär Droege gilt als sehr ehrgeizig und fordernd. Wie viel Zeit räumt man Ihnen in Düsseldorf für den Wandel ein?
Droege wäre nicht so erfolgreich, wenn er nicht fordernd wäre. Aber er ist auch ein langfristig orientierter Investor – sein Motto heißt: „Buy and build“, also kaufen und entwickeln. Und wir sind jetzt auf einem guten Weg.

Höft & Wessel hat in der Krise viele Stellen abgebaut, erschwert das den Neuanfang?
Wir haben eine Top-Mannschaft und suchen selektiv wieder neue, qualifizierte Mitarbeiter. Entwickler und andere Software-Spezialisten sind allerdings nicht so leicht zu finden.

Ihr Orderbuch ist für dieses Jahr besser gefüllt als im vergangenen. Gelingt 2015 die Rückkehr in die Gewinnzone?
Wir wollen beim Umsatz zulegen und natürlich auch das Ergebnis in der Höft & Wessel Gruppe verbessern. Das Gute ist: Wir haben es jetzt selbst in der Hand. Höft & Wessel hat wieder eine stabile Basis, jetzt müssen wir uns langsam hocharbeiten. Wie der HSV wären wir froh, im nächsten Jahr im gesicherten Mittelfeld zu stehen; wir müssen nicht gleich – um im Bild zu bleiben – um die internationalen Plätze spielen.

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