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Wirtschaft Hildesheimer findet keinen Investor für neuartigen Fußabtreter
Nachrichten Wirtschaft Hildesheimer findet keinen Investor für neuartigen Fußabtreter
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08:09 29.12.2011
Von Helmuth Klausing
Foto: Fernando Tahmouresinia (links) glaubt an den Erfolg seiner „Clean Mat“.
Fernando Tahmouresinia (links) glaubt an den Erfolg seiner „Clean Mat“. Quelle: Zimmerhof
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Hildesheim

Fernando Tahmouresinia weiß die Menschen für sich einzunehmen. Er geht gern auf andere zu, sprudelt über vor Anekdoten und bleibt nur selten eine Antwort schuldig. Auch diesem Talent verdankt er es wohl, dass seine Erfindung, die „Clean Mat“, längst den Weg in die Medien gefunden hat. Zeitungen berichteten über ihn, Verbrauchermagazine im Fernsehen stellten ihn und die Matte vor, Einkaufssender widmeten dem Produkt ganze Nachmittage, und in Katalogen von Klingel bis Bader konnte man die Fußmatte kaufen. Das alles hat Tahmouresinia auf seiner Internetseite detailliert dokumentiert.

Der gebürtige Iraner lebt seit 30 Jahren in Deutschland, hat hier studiert. Er ist Bauingenieur und arbeitet als Statiker, der sich mit den Naturgesetzen auskennt. Doch nun versteht Tahmouresinia die Welt nicht mehr. Die Matte, für die er jahrelang gekämpft hat, wird wohl sang- und klanglos in Vergessenheit geraten. Es sei denn, Tahmouresinia findet einen Investor, der 200.000 Euro für neue Werkzeuge bereitstellt.

Bisher ließ der Hildesheimer seine Wundermatte in Sachsen im Format von rund 40 mal 50 Zentimetern herstellen. Das ist eine gute Größe für die schmalen Eingänge von Wohnwagen und Reisemobilen. Spezialversender für Campingzubehör haben den Fußabtreter auch noch im Programm. Doch für Haus- und Wohnungstüren dürfte die Matte ruhig etwas breiter sein. Das sieht auch Tahmouresinia so, der die „Clean Mat“ jetzt auch im Format von 50 mal 70 Zentimetern herstellen lassen will.

Doch dafür braucht er entsprechende Werkzeuge in der neuen Größe, die in die Maschinen eingelegt werden, um die Kunststoffschale herzustellen. Mit seinen sächsischen Geschäftspartnern ist Tahmouresinia unzufrieden. Er sucht nach einem neuen Hersteller im Westen. Doch wo er auch angeklopft hat, keiner will ihm das Geld für die neuen Werkzeuge vorschießen. Seine Hausbank nicht, auch bei den Fördereinrichtungen des Landes wie der NBank oder der Niedersächsischen Bürgschaftsbank (NBB) hatte er keinen Erfolg.

Bei der NBB gab man ihm den Tipp, doch einen kaufmännischen Leiter einzustellen. „Aber wovon soll ich den denn bezahlen?“, fragt sich Tahmouresinia. Bis die erste Matte im neuen Format verkauft werden kann, brauche er rund ein halbes Jahr Vorlaufzeit. So lange könne er beim besten Willen kein entsprechendes Gehalt für eine Führungskraft aufbringen, ohne dass es Einnahmen aus dem Mattenverkauf gibt.

Natürlich könnte der Hildesheimer auch gleich sein Patent verkaufen, das wäre sicher stressfreier. Aber so ist Tahmouresinia nicht gestrickt. Jahrelang hat er sich mit der Verbesserung der klassischen Fußmatte beschäftigt. Dann hatte er eine einfache, aber clevere Verbesserungsidee und ließ sie sich patentieren.

Wenn man die Matte mit Löchern versieht und darunter eine Kunststoffschale legt, kann der von den Schuhen abgestreifte Schmutz hindurchfallen und wird in der – dank Silikonstopper rutschfesten – Kunststoffschale aufgefangen. Die Matte sieht sauber aus – und der Fußboden darunter bleibt es ebenfalls. Der Dreck aber lässt sich bequem aus der Auffangschale schütten. So viel steht fest: Tahmouresinia will weiter für seine Idee kämpfen. Noch hat ihn die Matte nicht ermattet.