Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Herbstgutachten sieht 2010 in etwas hellerem Licht
Nachrichten Wirtschaft Herbstgutachten sieht 2010 in etwas hellerem Licht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:00 15.10.2009
Von Alexander Dahl
Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute verbreiten in ihrem aktuellen Herbstgutachten für 2010 vorsichtigen Konjunkturoptimismus.
Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute verbreiten in ihrem aktuellen Herbstgutachten für 2010 vorsichtigen Konjunkturoptimismus. Quelle: ddp
Anzeige

Auch ihre Prognose für 2009 besserten die Institute auf: Die Wirtschaftskraft soll um fünf Prozent sinken; im Frühjahr hatten die Experten noch sechs Prozent Minus erwartet. Die Verbraucherpreise dürften zudem 2010 weiter nachgeben; allein Öl könnte teurer werden. Insgesamt sprechen die Forscher von einer „zögerlichen Erholung“.

In vielen Teilbereichen der Wirtschaft droht die Rezession nach Einschätzung der Gutachter auch im kommenden Jahr tiefe Schrammen zu hinterlassen. So erwarten sie einen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 4,1 Millionen im Jahresdurchschnitt und damit auf eine Quote von 9,4 Prozent (nach acht Prozent 2009). Das Haushaltsdefizit des Staates soll auf 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen; in diesem Jahr werden es nur 3,2 Prozent sein. Die Exporte werden „lediglich in moderatem Tempo zulegen, die Inlandsnachfrage nur sehr langsam anziehen und die Investitionsbereitschaft der Wirtschaft gering bleiben“, heißt es im Gutachten. Und: „Neue Erschütterungen im Banken- und Finanzsystem sind keineswegs ausgeschlossen.“
Finanzielle Spielräume für die Politik sehen die Wirtschaftssachverständigen nicht. „Mit dem Abbau des Defizits muss 2011 begonnen werden, wenn sich die Konjunktur stabilisiert hat, ohne dafür Steuern und Sozialabgaben zu erhöhen“, mahnen die Forscher. Sie raten, Steuervergünstigungen zu streichen und Ausgaben in den Etats von Bund, Ländern und Gemeinden zu kürzen. Kreditfinanzierte Steuersenkungen „würden sich auf Dauer als sehr teuer erweisen“.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), dessen Ministerium die Gutachten alljährlich in Auftrag gibt, sagte dennoch, dass sich „vor diesem Hintergrund der eine oder andere Spielraum eröffnet“. Mit den höheren Wachstumszahlen gelte es jetzt vernünftig umzugehen, „und das ist auch Gegenstand der Koalitionsverhandlungen der nächsten Tage“. Der FDP-Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle zeigte sich vorsichtig optimistisch. „Zum Jubeln gibt es keinen Anlass, zumal zu befürchten ist, dass die Arbeitslosigkeit noch zunimmt“, sagte er dieser Zeitung. Nun komme es darauf an, den Unternehmen neue Freiräume zu verschaffen, Einstellungshindernisse zu beseitigen und ein einfaches, niedriges und gerechtes Steuersystem zu etablieren.