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Wirtschaft Hannover und Husum schmieden Wind-Bündnis
Nachrichten Wirtschaft Hannover und Husum schmieden Wind-Bündnis
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15:51 13.10.2011
Foto: Im Streit um die Windkraft-Messe bekommt Schleswig-Holstein hannoversche Unterstützung.
Im Streit um die Windkraft-Messe bekommt Schleswig-Holstein hannoversche Unterstützung. Quelle: dpa
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Kiel/Hamburg

Im eskalierten Standortstreit zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg um die Leitmesse der Windenergie bekommt der Norden Rückenwind aus Hannover. Die dortige Deutsche Messe AG und die weltgrößte Messe der Branche in Husum verkündeten am Donnerstag eine „Wind-Allianz“, mit der sie gemeinsam internationale Märkte erschließen wollen. Unterdessen gibt es im Messe-Konflikt zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg ein Gipfeltreffen der Regierungschefs. Er setze sich mit Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) an diesem Freitag am Rande der Bundesratssitzung in Berlin zusammen, sagte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) am Donnerstag.

Es gehe darum, „die atmosphärischen Dinge abzuklären“. Die Kieler Landesregierung ist hochgradig verärgert über die am Mittwoch offiziell verkündeten Pläne, 2014 eine Windmesse in Hamburg zu veranstalten, weil diese der traditionsreichen Messe in Husum gefährlich werden könnte. Carstensen gab sich aber überzeugt, dass die Messe in der nordfriesischen Kreisstadt erfolgreich bleiben wird. Vielleicht werde sich zeigen, dass sich Hamburg überhoben habe.

„Ziel ist es, durch ein einzigartiges Kommunikationspaket aus einer Hand ein Schaufenster für die Branche mit internationaler Strahlkraft zu bieten“, teilten die Messen Hannover und Husum zu ihrer „Wind-Allianz“ mit. Sie kooperieren bereits seit Jahren und wollen jetzt weitere Märkte erschließen, Forschungsprojekte auf den Weg bringen, einen Wind-Award ausschreiben sowie ihre Vertriebs- und Marketingaktivitäten bündeln.

„Unsere bestehende, erfolgreiche Partnerschaft bekommt damit eine neue Qualität - für Aussteller und Besucher gleichermaßen“, erklärte der Vorstandschef der Hannover Messe, Wolfram von Fritsch. Beide Messen ergänzten sich in idealer Weise. „Aus diesem Grund erweitern wir unsere Kooperation und gründen Hand in Hand mit der Branche ein Netzwerk.“ Carstensen hatte von Fritsch und den Husumer Geschäftsführer Peter Becker am Vormittag zu einem bereits seit längerem geplanten Gespräch in der Staatskanzlei empfangen.

Windmesse in Hamburg "unnötige Verunsicherung"

Zum Standortstreit um die Windmesse sagte Carstensen in Richtung Hamburg: „Ich habe keine Lust, eine Kampfansage zu machen.“ Er rechne aber damit, dass nur wenige Hamburg unterstützen werden. In Husum hätten sich schon jetzt für 2014 - dann will Hamburg starten - bereits 450 Aussteller angemeldet. Zur bevorstehenden Auflage 2012 erwartet die Husum WindEnergy 40.000 Besucher und 1200 Aussteller, die auf einer Fläche von 60.000 Quadratmetern ihre Produkte zeigen wollen.

Im Hinblick auf die atmosphärischen Belastungen im Verhältnis zu Hamburg versicherte Carstensen, seine Hand bleibe ausgestreckt. Es gehe aber um Kooperation auf gleicher Augenhöhe. Carstensen betonte die wechselseitige Abhängigkeit: Arbeitsplätze in Hamburg seien auch Arbeitsplätze für Schleswig-Holstein. „Ich kann mit Olaf Scholz sehr gut“, betonte er. Der Hamburger Bürgermeister habe ihn am Donnerstag angerufen. „Ich habe mich gefreut.“

Carstensen erinnerte an den Antrittsbesuch von Scholz in Kiel im Juni: Dabei hätten sich beide geeinigt, dass die weltgrößte Windenergie-Messe in Norddeutschland bleiben müsse und Husum der bevorzugte Standort bleibe. Allerdings hatte Scholz schon damals ergänzt, der Standort werde auch von den Ausstellern entschieden.

Das Vorgehen des Branchenverbandes VDMA zugunsten einer Windmesse in Hamburg wertete der Husumer Geschäftsführer Becker am Donnerstag als unnötige Verunsicherung der Branche. Auch liege der Husumer Messe kein konkretes Kooperationsangebot des VDMA und der Messe Hamburg vor. Für die Husum WindEnergy 2014 sehe er ein Wachstumspotenzial von rund 30 Prozent, sagte Becker. „Der VDMA hat sich als Sprachrohr der gesamten Windenergiebranche dargestellt. Dem müssen wir deutlich widersprechen“, rügte Becker.

Er wies auch Kritik an Infrastruktur und Hotelbettenkapazität zurück. „Im Umkreis von einer halben Stunde Autofahrt stehen Gästen und Ausstellern 16.000 Hotelbetten und 30.000 Privatunterkünfte zur Verfügung. Im morgendlichen Berufsverkehr in Hamburg benötigt man auch schnell über eine Stunde, um von A nach B zu kommen.“

dpa