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Wirtschaft Nach Milliardenverlust: Tui will ohne weitere Staatshilfen auskommen
Nachrichten Wirtschaft

Hannover: Tui macht wegen Corona Millardenverlust

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20:41 10.12.2020
Flugzeuge von Tui parken am Flughafen Hannover. Der Umsatz des Konzerns ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um fast 60 Prozent gesunken. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Die Tui ist zuversichtlich, die Corona-Krise ohne weitere Staatshilfen zu überstehen. Da Kunden Impfungen gegen das Coronavirus erwarteten, hätten die Reisebuchungen bereits deutlich angezogen, sagte Vorstandschef Friedrich Joussen am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz für das im September beendete Geschäftsjahr 2019/2020. Zudem könne der Konzern für die nächste Sommersaison deutlich höhere Preise verlangen und seine Kosten schneller verringern als geplant. „Wir haben das Schlimmste hinter uns“, sagte Joussen.

Von einem Normalbetrieb ist die Tui aber noch weit entfernt. Für die laufende Wintersaison liegen die Buchungen um 82 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Für den nächsten Sommer verzeichnet das Unternehmen zwar ein Plus von 3 Prozent im Vergleich zum Buchungsstand im Vorkrisenjahr 2019 – verantwortlich für den Anstieg sind jedoch vor allem die Umbuchungen, die Urlauber 2020 für stornierte Reisen akzeptiert haben. Der Umsatz brach im vergangenen Geschäftsjahr um 58 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro ein. Unter dem Strich stand ein Verlust von 3,1 Milliarden Euro – nach einem Gewinn von 532 Millionen Euro Jahr zuvor.

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Nettoverschuldung hat sich versiebenfacht

Seit dem Ausbruch der Pandemie hat der Staat die Tui bereits dreimal unterstützt. Der Konzern musste zunächst zwei Kredite der KfW-Bank in Anspruch nehmen. Anfang Dezember verständigte man sich mit dem Bund sowie privaten Investoren und Banken auf ein zusätzliches Finanzierungspaket im Gesamtvolumen von 1,8 Milliarden Euro. In der Folge könnte der Staat sogar zum Anteilseigner werden. Auch Niedersachsen will ins Risiko gehen: Die Landesregierung bereitet sich darauf vor, für Kredite eine Bürgschaft in Höhe von 400 Millionen Euro zu übernehmen. Die Nettoverschuldung der Tui versiebenfachte sich im vergangenen Geschäftsjahr auf etwa 6,4 Milliarden Euro.

Um wieder profitabel zu werden, hatte der Konzern bereits im Sommer den Abbau von 8000 Stellen angekündigt. Die Kosten sollten langfristig um 300 Millionen Euro im Jahr sinken – inzwischen habe man diese Erwartungen noch um ein Drittel aufgestockt, sagte Joussen. In Deutschland will das Unternehmen 60 seiner rund 450 Reisebüros schließen und die Flugzeugflotte von Tuifly um mehr als die Hälfte auf 17 Maschinen reduzieren – das gefährdet beim hannoverschen Ferienflieger rund 900 Stellen. Nachdem Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über andere Sanierungsmodelle gescheitert sind, treibt der Konzern nun Verhandlungen über einen Interessensausgleich und Sozialplan voran. Der aktuell geltende Kündigungsschutz läuft Ende nächsten Jahres aus.

Kunden geben mehr Geld für Reisen aus

Mit Blick auf den nächsten Reisesommer stützt der Tui-Chef seinen Optimismus vor allem auf umfangreiche Corona-Tests. „Wir wissen noch nicht, ob eine geimpfte Person noch ansteckend ist oder nicht“, sagte Joussen. Anders als in der vergangenen Saison seien inzwischen aber schnelle und sichere Testmethoden verfügbar. „Wir testen jetzt jeden Reisenden vor dem Abflug.“ Die Nachfrage wachse spürbar – offenbar sind die Kunden auch bereit, mehr Geld auszugeben. Bei den bisher eingegangenen Buchungen seien die Preise durchschnittlich um 14 Prozent höher als im Vorkrisensommer 2019, sagte Joussen.

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Von Jens Heitmann