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Wirtschaft Ende einer langen Dienstzeit
Nachrichten Wirtschaft Ende einer langen Dienstzeit
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12:27 23.05.2014
Von Dirk Stelzl
Manchmal auch unbequem: Mit 70 Jahren kandidierte Walter Heitmüller nicht mehr für das Amt des Kammerpräsidenten.
Manchmal auch unbequem: Mit 70 Jahren kandidierte Walter Heitmüller nicht mehr für das Amt des Kammerpräsidenten. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Der Besuch einer Innungsversammlung hatte für den Handwerksmeister Walter Heitmüller weitreichende Folgen. 1969 nahm der Hannoveraner an einem Treffen der damaligen Klempner- und Installateurinnung teil – und wurde in den Vorstand gewählt. Das ist nicht bei Institutionen des Handwerks so: Wer Interesse und Engagement zeigt, wird schnell in die Pflicht genommen. Dieser Posten war der Auftakt einer langen Laufbahn in der Handwerksorganisation mit weiteren Ämtern, die Heitmüller 1994 – da war er schon einige Zeit im Vorstand gewesen – an die Spitze der Handwerkskammer Hannover führte. Am Donnerstag geht sie nun zu Ende: Auf der Vollversammlung wird der Kammerpräsident mit einem Empfang verabschiedet – nach 20 Jahren. Heitmüller tritt nicht mehr für eine weitere Amtszeit an. Nachfolger des 70-Jährigen will der Bauunternehmer Karl-Wilhelm Steinmann aus Emmerthal bei Hameln werden, der sich um den Posten bewirbt. Die Kammer vertritt in ihrem Bezirk mehr als 18 000 Mitgliedsbetriebe mit über 100 000 Beschäftigten.

Einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit als Kammerpräsident widmete Heitmüller zwangsläufig der Weiterentwicklung des Förderungs- und Bildungszentrums in Garbsen. Die Kammer betreibt die große Weiterbildungseinrichtung, in die immer wieder erhebliche Beträge investiert werden, schon seit Mitte der siebziger Jahre. „Garbsen – das ist unser Herz“, sagt Heitmüller. Es stehe im Mittelpunkt der Kammerarbeit.  

Umweltschutz

Eine Aufgabe war auch die Gründung des Zentrums für Umweltschutz der Kammer in Hannover. Es bietet Weiterbildungen zu Umweltschutzthemen an.   Ein besonderes „Highlight“ sei jedoch die Weltausstellung im Jahr 2000 gewesen, sagt Heitmüller. Die Expo habe den Handwerksbetrieben in der Region einen „wunderbaren Schub“ gebracht. Außerdem war eine Bietergemeinschaft des deutschen Handwerks als „Producer“ für den Themenpark verantwortlich. Die Hannoveraner, erinnert sich Heitmüller, seien „Klinken putzen“ bei anderen deutschen Kammern gegangen, damit das Handwerk genügend Geld für Beteiligung an der Expo bereitstellte.

Heitmüller war mitunter unbequem und eckte in der Kammerorganisation an. So verließen die Hannoveraner Ende 2000 die Vereinigung der niedersächsischen Handwerkskammern. Die Interessenvertretung könne „besser und billiger“ gestaltet werden, lautete ihre Kritik. Der damalige Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) geißelte den Alleingang als „Wahnsinn“. Heitmüller monierte, dass es zu viele Kammern  in Niedersachsen gebe. Nach einigen Jahren rauften sich die Handwerksfunktionäre aber wieder zusammen. Die hannoversche Kammer kehrte in den Verbund zurück, der heute Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen heißt.  

Insolvenz

Ein Tiefpunkt in Heitmüllers Laufbahn war, als sein Betrieb 2010 Insolvenz anmelden musste – kurz vor dem 150-jährigen Firmenbestehen. „Das war unheimlich schmerzlich“, sagt er. Er sei froh, dass die Mitarbeiter eine neue Stelle gefunden hätten. Heute ist er nach eigenen Angaben noch an der Firma Heitmüller Versorgungstechnik beteiligt; außerdem hat er eine kleine Einzelfirma. Eine ganze Reihe von Ministerpräsidenten in Niedersachsen hat Heitmüller während seiner Amtszeit erlebt und auch viele bildungspolitische Grundsatzdebatten in der Landespolitik. Es gab jedoch auch ganz andere Konflikte mit der Landesregierung, die die Kammern kontrolliert: Das Wirtschaftsministerium drang vor einigen Jahren auf eine Deckelung von – als zu hoch empfundenen – Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtsträger bei den Handwerkskammern. Auch Heitmüller war davon betroffen.

Nach zwei Jahrzehnten unter Heitmüllers Ägide vertritt künftig sein Nachfolger die Interessen des Handwerks in der Region. Dabei geht es auch um die Frage, wie die Betriebe in Zukunft genügend Nachwuchs finden. So ganz leicht fällt Heitmüller der Abschied nicht – doch der scheidende Kammerpräsident betont: „Es ist gut, wenn mal jemand mit einem neuen Blick auf die Dinge kommt.“

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