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Wirtschaft HRE macht im ersten Quartal 382 Millionen Euro Verlust
Nachrichten Wirtschaft HRE macht im ersten Quartal 382 Millionen Euro Verlust
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20:55 05.05.2009
Hypo Real Estate HRE
Quelle: John MacDougall/AFP
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Aktionäre der Bank nahmen das Übernahmeangebot des Staates kurz vor Ablauf der Frist am Montag um Mitternacht zunehmend an, so dass der Bund bereits mehr als 40 Prozent an der HRE besitzt.

HRE-Chef Axel Wieandt erklärte, das erste Quartal des Jahres habe „wie die vorangegangenen Quartale in dem weiter schwierigen Marktumfeld eine große Herausforderung für den Konzern und seine Mitarbeiter“ darstellt. Allerdings mache die Bank „gute Fortschritte bei der Neuausrichtung des Konzerns“.

Die HRE hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von fast 5,5 Milliarden Euro eingefahren. Die Bank war von der Finanzmarktkrise besonders heftig betroffen und konnte nur durch Milliardenhilfen des Staates gerettet werden. Das Institut erhielt Garantien in Höhe von 102 Milliarden Euro, den größten Teil davon allein vom Staat.

Ein Kollaps der Bank würde nach Einschätzung der Bundesregierung zu Erschütterungen im Finanzsystem und zu Schwierigkeiten ganzer Staaten führen. Um die staatlichen Hilfen zu sichern, will der Bund die HRE vollständig übernehmen.

Ab Anfang April hatte der Staat den Aktionären daher 1,39 Euro pro Aktie angeboten. Bis Montagnachmittag um 17.30 Uhr erhielt der Bund zusammen mit zuvor gesicherten knapp 8,7 Prozent insgesamt 40,93 Prozent der Anteile, wie der Bankenrettungfonds SoFFin in Frankfurt am Main mitteilte. Wie viele Anleger sich bis Ablauf der Frist um Mitternacht noch für das Angebot des Staates entschieden, soll voraussichtlich am Mittwoch bekannt werden.

Der HRE-Großaktionär J.C. Flowers, der 21,7 Prozent an der Bank kontrolliert, hat einen Verkauf seiner Anteile allerdings abgelehnt. Um den Immobilienfinanzierer trotzdem vollständig übernehmen zu können, will die Bundesregierung das Kapital der Bank auf der HRE-Hauptversammlung Anfang Juni massiv erhöhen und die bisherigen Aktionäre hinausdrängen. Dafür bräuchte der Staat eine einfache Mehrheit der Stimmen.

Sollte dies nicht klappen, kann der Staat die Aktionäre enteignen. Der Präsident des Bankenverbandes, Andreas Schmitz, nannte dies in der „Bild“-Zeitung das letztmögliche Mittel, das aber „in diesem Fall ohne Alternative“ sei. Das Eingreifen des Staates „in dieser außergewöhnlichen Situation“ sei nötig gewesen, damit das Bankensystem ingesamt keinen Schaden nehme. „Ohne den Staatseingriff wäre die Aktie kaum mehr etwas wert“, sagte Schmitz.

Anlegerschützer Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) rechnet bei einer Enteignung mit einer Klagewelle, wie er der „Thüringer Allgemeinen“ vom Dienstag sagte. Der DSW prüfe „intensiv, ob wir den Klageweg beschreiten“, sagte Klaus Nieding, ebenfalls Vertreter der Vereinigung. Er vertritt nach eigenen Angaben rund 100 Mandanten, sowohl private als auch institutionelle Anleger.

afp