Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Gewinnwarnung bei Salzgitter
Nachrichten Wirtschaft Gewinnwarnung bei Salzgitter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:09 05.11.2012
Von Carola Böse-Fischer
Foto: Halle voll aufgewickelter Metallbänder: Die Stahlbranche leidet unter Auftragsmangel.
Halle voll aufgewickelter Metallbänder: Die Stahlbranche leidet unter Auftragsmangel. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Im August hatte der Stahl- und Röhrenkonzern noch einen Vorsteuergewinn im „unteren bis mittleren“ zweistelligen Millionenbereich vorhergesagt, verglichen mit 202 Millionen Euro im Vorjahr.

Die Quittung der Börse folgte auf dem Fuße. Die Salzgitter-Aktie geriet nach Bekanntwerden der schlechten Nachrichten unter Druck und war mit minus 3,6 Prozent schwächster Wert im M-Dax.

Die ersten neun Monate schloss der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller bei einem um 9 Prozent auf 8 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz mit einem Vorsteuerverlust von 43 Millionen Euro ab, davon allein 25 Millionen Euro im dritten Quartal, wie es hieß. In den ersten neun Monaten des Vorjahres hatte ein Vorsteuergewinn von über 169 Millionen Euro in den Büchern gestanden.

Wie die gesamte Stahlbranche leidet Salzgitter unter der Konjunkturschwäche als Folge der Euro-Schuldenkrise. Eine Erholung des Stahlmarktes sei in der zweiten Jahreshälfte ausgeblieben, erklärte der Konzern. Deshalb habe man angesichts nach wie hoher Rohstoff- und Energiekosten notwendige Preiserhöhungen nicht am Markt durchsetzen können. Die übrigen Konzernsparten haben dagegen die Erwartungen erfüllt, wie es hieß.

Anderen Stahlherstellern ergeht es nicht besser. Der deutsche Branchenprimus ThyssenKrupp hatte im August schon fast 2200 seiner Stahlkocher in die Kurzarbeit geschickt. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl erwartet 2012 einen Rückgang der Rohstahlproduktion um 4 Prozent auf 42,2 Millionen Tonnen.

Auch die bisher „sehr robusten Stahlverarbeiter“ wie die Autohersteller oder der Maschinenbau zeigten „stärkere Bremsspuren“, sagte der Präsident des Branchenverbandes, Hans Jürgen Kerkhoff, gestern anlässlich des diesjährigen Stahltages am Donnerstag und Freitag in Düsseldorf. Wegen der unsicheren Lage bauten die Stahlkunden seit dem Frühjahr ihre Lager ab.
Erst 2013 hofft die Branche wieder auf bessere Geschäfte – allerdings auch nur, wenn es die EU-Regierungen schaffen, die Euro-Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Dann sei eine „moderate“ Aufhellung der Konjunktur möglich, sagte Kerkhoff. Und auch die Rohstahlproduktion werde wachsen. Die Branche hofft, dass die Kunden ihre Lager wieder auffüllen. Einen Auftragsschub dürfte es aber kaum geben. Wegen der anhaltenden Unsicherheit erwartet der Verband keinen Lageraufbau „in großen Stil“.