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Wirtschaft Getreidepreise steuern auf Rekord zu
Nachrichten Wirtschaft Getreidepreise steuern auf Rekord zu
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21:25 13.02.2011
Von Carola Böse-Fischer
Die Getreideernte vom vergangenen Jahr haben die Landwirte in Niedersachsen bereits komplett verkauft.
Die Getreideernte vom vergangenen Jahr haben die Landwirte in Niedersachsen bereits komplett verkauft. Quelle: dpa
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Derzeit liegt der Weizenpreis an der Pariser Agrarbörse Matif bei 275 Euro, das sind innerhalb weniger Wochen 10 Prozent mehr, wie Konrad Weiterer, Sprecher der Geschäftsführung der gleichnamigen Landhandelsfirma in Algermissen, sagt. Damit kostet der Weizen mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Ähnlich sieht es bei Mais aus, der zu 250 Euro je Tonne gehandelt wird.

Für den aktuellen Preisschub werden vor allem Hiobsbotschaften aus China verantwortlich gemacht. Das Reich der Mitte wird von der schwersten Dürre seit Jahrzehnten heimgesucht. In acht Provinzen verdorrt die Ernte auf den Feldern. China wolle nun Mais importieren, berichtet Weiterer. Allein die Ankündigung treibe die Notierungen hoch und im Gefolge die Weizenpreise. So werde Mais etwa als Futtermittel durch Weizen ersetzt, wenn der Mais „zu teuer wird“. Diese zusätzliche Nachfrage wiederum ziehe die Weizenpreise mit nach oben.

Die Hausse an den Agrarmärkten nutzen die deutschen Landwirte, um heute schon einen großen Teil ihrer Ernte zu verkaufen, die erst im kommenden Sommer eingebracht wird. Beim Weizen ist im Schnitt bereits ein Fünftel der Ernte 2011 durch Vorkontrakte vermarktet, wie die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Frankfurt nach einer Umfrage unter ihren Mitgliedern berichtet. Manche Landwirte, unter anderem Großbetriebe in Ostdeutschland, hätten sogar die Hälfte ihres Absatzes über Vorverträge mit Landhandel und Genossenschaften abgesichert, sagt ein DLG-Sprecher. Bei Raps seien fast 30 Prozent der Ernte zu Festpreisen vertraglich gebunden.

In Niedersachsen sind sogar schon bis zu 60 Prozent der nächsten Rapsernte verkauft, wie der Landhändler Weiterer sagt. Bei Weizen seien es je nach Region in der Spitze 50 Prozent und mehr. Das gelte unter anderem für Betriebe in den ertragsstarken Bördegebieten. Zudem sei die Ernte aus dem vergangenen Jahr so gut wie abverkauft.

Die Bauern haben laut Weiterer aus dem Höhenflug der Agrarpreise im Jahr 2008 gelernt. Damals hätten es die meisten versäumt, wenigstens einen guten Teil ihrer Ernte schon im Sommer über Vorkontrakte zu den hohen Preisen abzusichern. Im Herbst habe dann der Preisverfall bis auf schließlich 120 Euro je Tonne eingesetzt – und die Landwirte hätten das Nachsehen gehabt.

Diesmal sieht es nach Einschätzung des Getreideexperten nicht so aus, als käme es zu einer Trendwende bei den Agrarpreisen. Die Aussichten für die nächste Ernte seien wegen der Wetterextreme in vielen Weltregionen ungewiss. Gleichzeitig bleibe die Nachfrage hoch. Das spricht eher dafür, dass die Preise demnächst die Rekordmarke von 2008 überspringen.