Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Streit über Rechnungen: Kliniken fürchten Strafzahlungen
Nachrichten Wirtschaft Streit über Rechnungen: Kliniken fürchten Strafzahlungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
07:30 26.02.2020
Operation in einer Klinik: Die Abrechnungen führen oft zu Streit mit den Krankenkassen. Quelle: Sven Hoppe/dpa/Moritz Frankenberg
Anzeige
Hannover

Die Krankenhäuser in Deutschland befürchten, dass auf sie in diesem Jahr Strafzahlungen in Höhe von insgesamt 380 Millionen Euro wegen überhöhter Abrechnungen zukommen. Wenn Krankenkassen eine Rechnung erfolgreich beanstanden, müssen Kliniken seit Januar nicht nur den Differenzbetrag zurückzahlen, sondern zusätzlich noch einen Aufschlag von mindestens 300 Euro. „Für die hiesigen Häuser könnte das auf eine Belastung von mehr als 30 Millionen Euro hinauslaufen“, sagte der Verbandsdirektor der niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, Helge Engelke.

Die Regelung ist Teil eines zum Jahresbeginn in Kraft getretenen Gesetzes zur Reform des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Ein Ziel dieser Novellierung ist, dass der Medizinische Dienst effektiver arbeitet und die Zahl der Prüfverfahren bei Klinikabrechnungen verringert wird.

Die Abrechnungen führen seit Jahren häufig zu Streit. Die Kassen werfen den Krankenhäusern vor, mehr Leistungen in Rechnung zu stellen als zulässig, um ihre Finanznöte zu lindern. Die Kliniken sehen sich in der Pflicht, Patienten im Zweifel später als vorgesehen zu entlassen – etwa wenn deren Versorgung im Anschluss nicht gewährleistet ist.

Immer mehr Abrechnungen wurden überprüft

In den vergangenen Jahren haben die Kassen den MDK in Niedersachsen immer öfter mit der Prüfung von Klinikrechnungen beauftragt: Im Zeitraum von 2015 bis 2019 stieg die Zahl der Fälle von 143.800 auf 263.600 – zuletzt wurden 54 Prozent der Rechnungen beanstandet. Für 2020 schreibt das Reformgesetz eine feste Prüfquote von 12,5 Prozent der Abrechnungen eines Krankenhauses vor. Vom nächsten Jahr an gelten gestaffelte Quoten von 5 bis 15 Prozent – Kliniken, die schlechter abrechnen, werden häufiger geprüft als Häuser, bei denen es weniger Beanstandungen gibt. Damit bestimme künftig die Qualität des Zahlenwerks den Umfang der zulässigen Prüfungen, erklärte das Bundesgesundheitsministerium.

Die Kliniken sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. „Die Kassen sprechen oft von Abrechnungsbetrug“, sagte der Chef des Kinderkrankenhauses Auf der Bult in Hannover, Thomas Beushausen. Er ist der Vorsitzende der Krankenhausgesellschaft in der Region Hannover. „Wenn man das glaubt, muss man uns bei der Staatsanwaltschaft anzeigen – denn Betrug ist ein Straftatbestand.“ In der Regel gehe es bei der Rechnungsprüfung jedoch um Ermessensfragen ohne objektive Maßstäbe. „Die Kassen wollen erbrachte Leistungen nachträglich nicht bezahlen“, sagte Beushausen. „Das ist nicht in Ordnung.“ Die hannoverschen Kliniken rechnen im laufenden Jahr mit Strafzahlungen von insgesamt bis zu 3 Millionen Euro.

Kassen: Schieflage ist behoben

Nach Einschätzung der Krankenkassen beseitigt das Reformgesetz nur eine Schieflage zu ihren Ungunsten. Bisher hätten nur die Kassen eine Strafe zahlen müssen, wenn sie eine Klinikrechnung zu Unrecht überprüfen ließen, die sich später als richtig herausstellte, hieß es beim Landesverband der Ersatzkassen in Niedersachsen. „Die Krankenhäuser mussten aber bei einer falschen Rechnung nur den Fehlbetrag zurückzahlen – das war eine problematische Anreizwirkung.“ Nun hätte beide Seiten ein gleiches Interesse daran, mit Sorgfalt zur Sache zu gehen. Nach Angaben der AOK mussten die Kliniken im Jahr 2017 bundesweit rund 2,8 Milliarden Euro für überhöhte Abrechnungen zurückzahlen.

Lesen Sie auch

Von Jens Heitmann

An den US-Börsen hat sich am Dienstag die Talfahrt weiter fortgesetzt: Die Sorgen über die Ausbreitung des Coronavirus und die Folgen für die Weltwirtschaft verunsichern die Anleger immer stärker. Bereits am Vortag hatte der US-Leitindex Dow Jones Industrial mehr als 1000 Punkte verloren.

26.02.2020

Was passiert, wenn Betriebe wegen des Coronavirus schließen müssen? Zumindest die Beschäftigten sollen dann weiter Geld bekommen, sagt das Bundesarbeitsministerium. Aus dessen Sicht sind die Arbeitgeber auch in der Pflicht, wenn die Behörden die Schließung angeordnet haben.

25.02.2020

Der deutsche Leitindex trat zuletzt mit 13.040 Punkten praktisch auf der Stelle. Wirtschaftliche Folgen aufgrund der Coronavirus-Epidemie werden weiterhin befürchtet. In Asien hingegen schlossen die Börsen am Mittwoch uneinheitlich.

25.02.2020