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Wirtschaft Bleiben Büros und Schulen bald ungeputzt?
Nachrichten Wirtschaft Bleiben Büros und Schulen bald ungeputzt?
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21:18 01.08.2019
Harter Job – und demnächst schlechter bezahlt? Zwei Gebäudereiniger bei der Arbeit. Quelle: Sebastian Kahnert/zb/dpa
Hannover

Die rund 660.000 Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk müssen sich nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt auf deutliche Abstriche einstellen. Nach der Kündigung des Rahmentarifvertrages Ende Juli würden viele Chefs ihren Mitarbeitern neue Arbeitsverträge mit schlechteren Konditionen vorlegen, sagte die Vorsitzende des Bezirksverbandes Niedersachsen-Mitte, Stephanie Wlodarski: „Statt bisher 28 oder 30 Tage Urlaub sollen Beschäftigte das gesetzliche Minimum von 20 Tagen hinnehmen.“ Zuschläge für Überstunden oder besondere Aufgaben würden gekürzt oder auch ganz gestrichen.

Arbeitgeber sollten eigentlich mehr zahlen

Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks hat den Rahmentarifvertrag nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes fristgerecht gekündigt. Der Entscheidung zufolge müssen die Arbeitgeber die Mehrarbeitszuschläge von 25 Prozent auch für die individuellen Überstunden von Teilzeitbeschäftigten zahlen – bisher waren diese in Tarifvertrag nur für Vollzeitkräfte vorgeschrieben. Der Innungsverband bedauere diesen „tiefen Eingriff in die Tarifautonomie“, sagte Geschäftsführer Johannes Bungart. Man wolle aber mit der IG Bau möglichst schnell einen neuen Rahmentarifvertrag aushandeln.

Arbeit künftig nur auf Abruf?

Nach Einschätzung der Gewerkschaft wollen einzelne Firmen die Zwischenzeit nutzen, um die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. „Besonders brisant ist, dass Beschäftigte, die bislang feste Arbeitszeiten hatten, künftig auf Abruf arbeiten sollen“, sagte Wlodarski. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen müssen.“

Eine Reinigungskraft, die Vollzeit rund 1300 Euro netto verdiene, habe schon jetzt große Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Ein Großteil der Beschäftigten habe nur einen Teilzeit- oder Minijob: „Da wird es am Monatsende richtig eng“, sagte Wlodarski.

Sollten die Arbeitgeber bei dieser Praxis bleiben, droht die Gewerkschaft mit einem „heißen Sommer“ – gemeint sind damit Arbeitsniederlegungen in größerem Stil. „Auch in Hannover könnten dann Schulen, Büros und Krankenhäuser schmutzig bleiben“, hieß es bei der IG Bau. Die Friedenspflicht in der Branche sei am Mittwoch ausgelaufen. Die erste Verhandlungsrunde für einen neuen Rahmentarifvertrag ist für den 15. August angesetzt.

Innungsverband zeigt sich kompromissbereit

Der Bundesinnungsverband sieht für Streiks keinen Grund. „Der Rahmentarifvertrag, den wir mit der IG Bau im Jahr 2011 gemeinsam beschlossen haben, hat über viele Jahre die fairen und allseits anerkannten Spielregeln für unsere Mitarbeiter bundesweit allgemeinverbindlich geregelt“, sagte Geschäftsführer Bungart. Beide Seiten müssten ein Interesse daran haben, zügig zu einem neuen Interessensausgleich zu kommen: „Wir sind kompromissbereit.“

Nach Einschätzung des Verbandes lohnt es sich für Arbeitgeber nicht, ihren Beschäftigten in der Zwischenzeit neue Verträge zu schlechteren Bedingungen vorzulegen. Sobald die Verhandlungen über einen neuen Rahmentarifvertrag abgeschlossen seien, werde dieser rückwirkend zum 1. August in Kraft treten, hieß es.

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