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Nachrichten Wirtschaft Fördertopf für Abwrackprämie ist leer
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12:29 02.09.2009
Der Fördertopf für die staatliche Abwrackprämie ist leer.
Der Fördertopf für die staatliche Abwrackprämie ist leer. Quelle: afp
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Der BAFA zufolge waren die noch verbliebenen Fördermittel am Mittwochmorgen nach wenigen Stunden ausgeschöpft. Die Nachfrage nach dem Verschrottungsbonus war in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Das BAFA erreichten pro Tag rund 14.000 Anträge.

Ingesamt war die Abwrackprämie auf die Subventionierung von zwei Millionen Autos ausgelegt. Sie war Teil des zweiten Konjunkturpakets der Bundesregierung. Der Fördertopf war mit insgesamt fünf Milliarden Euro ausgestattet. Die Abwrackprämie konnte seit Ende Januar beantragt werden.

Eine Fortsetzung der vorübergehenden Erfolgsgeschichte ist ausgeschlossen. Die Bundesregierung erteilte entsprechenden Forderungen bereits frühzeitig eine eindeutige Absage. Auf die Autobranche dürften nach dem Strohfeuer der vergangenen Monate mit einem zeitweisen Absatzplus von 40 Prozent nun schwierige Zeiten zukommen.

Schon von Beginn an stand die Abwrackprämie heftig in der Diskussion - in Politik, Gesellschaft, der Autobranche und der übrigen Wirtschaft. Zurück geht der Bonus auf eine Initiative des Autoindustrieverbandes VDA und Gewerkschaftsvertretern. Sie wandten sich im Winter vergangenen Jahres an die Bundesregierung mit der Bitte um Hilfe für die bereits seit vielen Monaten schwächelnde Autobranche. Nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers und der Verschärfung der Finanz- und Wirtschaftkrise fürchtete die Branche einen dramatischen Absturz.

In der großen Koalition fand die Abwrackprämie vor allem in der SPD rasch Befürworter. In der Union war sie dagegen lange umstritten. Kritiker sahen darin unter anderem eine einseitige Bevorzugung einer Branche. Die Kauflust der Verbraucher für andere Produkte könnte unter dem Bonus leiden. Außerdem würden die Verbraucher mit der Abwrackprämie für 2010 anstehende Autokäufe nun vorziehen. Der Branche drohe ein böses Erwachen.

Umweltschützer kritisierten an dem Schrottbonus, der später beschönigend „Umweltprämie“ genannt werden sollte, die zweifelhafte Öko-Bilanz: Die Spriteinsparungen durch den massenhaften Verkauf neuer Autos stünden in keinem Verhältnis zu der massiven Ressourcenverschwendung durch die hundertausendfache Verschrottung funktionsfähiger Autos. Doch trotz aller Bedenken setzten sich die Abwrack-Befürworter durch. Der Schrottbonus wurde im Januar 2009 in das zweite Konjunkturpaket gepackt. Ab 27. Januar konnten Autokäufer die 2500 Euro für die Verschrottung ihres mindestens neun Jahre alten Autos beantragen.

Die Prämie schlug ein wie eine Bombe. Der ursprünglich für die Förderung von 600.000 Autoverkäufen vorgesehene Fördertopf war nach wenigen Wochen zu mehr als der Hälfte aufgebraucht. Der Bund geriet in Zugzwang, weil der Bonus eigentlich bis zum Jahresende reichen sollte. Anfang April dann wurden die Mittel auf fünf Milliarden Euro aufgestockt. Damit konnten zwei Millionen Autokäufer Geld vom Staat bekommen. Der Bund erklärte dies gleichzeitig zum endgültigen Schlussstrich für die Abwrackprämie.

Auch in anderen Ländern wurden Abwrackprämien nach deutschem Vorbild eingeführt - etwa in Frankreich, Italien oder Österreich. Sogar die USA schauten sich den Bonus ab. Und die Käufer stürmten auch dort die Autohäuser.

Für die deutschen Hersteller fällt die Abwrack-Bilanz gemischt aus. Profitieren konnten vor allem VW, Opel und Ford, die viele sparsame Kleinwagen im Angebot haben. Die Luxuswagen-Hersteller Daimler und BMW hatten das Nachsehen. Großer Gewinner des deutschen Schrottbonus waren auch ausländische Autokonzerne mit kleinen Modellen - unter anderem Fiat, Renault, Peugeot oder Toyota.

Nachdem der Vorhang für die Abwrackprämie nun offiziell gefallen ist, haben noch einige wenige Autokäufer die Chance, die 2500 Euro für ihr altes Auto abzugreifen. Das für die Prämie zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hat eine Warteliste eingerichtet, mit der Autokäufer nachträglich in die Förderung hineinrutschen können. Sie bekommen den Bonus, wenn andere Anträge abgelehnt werden. Allerdings hat diese Warteliste nur 15.000 Plätze. Die dürften schnell belegt sein. Spätestens dann hat sich die Abwrackprämie für alle erledigt.

afp