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Wirtschaft Finnen kaufen Dachsparte von Autobauer Karmann
Nachrichten Wirtschaft Finnen kaufen Dachsparte von Autobauer Karmann
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12:19 05.11.2010
Weithin sichtbar leuchtet der Schriftzug Karmann über dem Werk in Osnabrück.
Weithin sichtbar leuchtet der Schriftzug Karmann über dem Werk in Osnabrück. Quelle: ap
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Der finnische Autohersteller Valmet will die Cabrio-Dachsparte des insolventen Zulieferers Karmann übernehmen. Ein entsprechender Kaufvertrag sei unterzeichnet worden, teilte Insolvenzverwalter Ottmar Hermann am Freitag in Osnabrück mit. Damit ist die Zukunft von 350 Arbeitsplätzen in Osnabrück und von 396 Jobs im polnischen Zary gesichert.

Allerdings muss zunächst unter anderem noch das Bundeskartellamt dem Deal zustimmen. Die Wettbewerbshüter hatten im Mai einen Verkauf an den Karmann-Konkurrenten Magna verboten. Sie befürchteten eine Marktverzerrung, weil es dann nur noch zwei unabhängige Hersteller von Cabrio-Dächern in Europa gegeben hätte.

Vertragsdetails und den Kaufpreis nannten die Parteien nicht. Darüber sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es. Der Betriebsrat zeigte sich sicher, dass die Kartellbehörde dem Verkauf an Valmet zustimmen werde. „Valmet erfüllt im positiven Sinne alle Anforderungen, die das Bundeskartellamt in dem damaligen „Magna-Verfahren“ als Übernahmevoraussetzungen aufgeführt hat“, sagte Karmann-Betriebsratschef Wolfram Smolinski.

Der örtliche IG Metall-Chef Hartmut Riemann wies darauf hin, dass sich alle Karmann-Kunden für Valmet ausgesprochen hätten und kein Abzug laufender Aufträge zu befürchten sei. Erst vor einer Woche hatte VW-Konzernchef Martin Winterkorn einen neuen Auftrag für die Karmann-Dachsparte bekanntgegeben. Die Osnabrücker sollen das Dachsystem für das neue Audi A3 Cabrio entwickeln. Karmann baut derzeit Dächer für Mercedes, BMW, Renault und Bentley.

Noch offen sind die Verhandlungen zwischen Hermann und VW über die Übernahme der Karmann-Metall-Gruppe mit dem Werkzeugbau und der Technischen Entwicklung mit zusammen 621 Beschäftigten. Eine Einigung gebe es noch nicht. „Die Verhandlungen sind aber auf einem guten Weg“, sagte ein Sprecher Hermanns. VW hat auf dem alten Karmann-Gelände inzwischen eine Tochterfirma gegründet und will dort vom kommenden Frühjahr an mit zunächst 1000 Beschäftigten das Golf-Cabrio produzieren.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) würdigte den Verkauf an Valmet. „Dies ist ein sehr guter Tag für den Wirtschaftsstandort Osnabrück und den Automobilstandort Niedersachsen“, sagte er laut Mitteilung. Die Tradition des Cabriodachbaus am Standort Osnabrück werde mit guten Perspektiven fortgesetzt.

Valmet wurde 1968 unter dem Namen „Saab-Valmet“ im finnischen Uusikaupunki als schwedisch-finnisches Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Inzwischen ist der Metso-Konzern Eigentümer von Valmet. Seit 1997 haben die Finnen den Boxster und seit 2005 den Cayman für Porsche gebaut.

dpa