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Wirtschaft Finanzdienstleister AWD rutscht tief in die roten Zahlen
Nachrichten Wirtschaft Finanzdienstleister AWD rutscht tief in die roten Zahlen
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19:08 26.08.2009
Von Albrecht Scheuermann
Im ersten Halbjahr sank der Umsatz des Finanzdienstleisters AWD um 20 Prozent auf 258,3 Millionen Euro.
Im ersten Halbjahr sank der Umsatz des Finanzdienstleisters AWD um 20 Prozent auf 258,3 Millionen Euro. Quelle: Rainer Dröse (Archiv)
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Die Zentrale in Hannover bleibt vom Jobabbau jedoch weitgehend verschont. Auch das Sponsoring der AWD-Arena ist nicht gefährdet. „Eine Premiere kann man sich schöner vorstellen“, sagte der AWD-Chef Manfred Behrens. „Ich hätte lieber tolle Zahlen präsentiert.“ Für ihn ist es die erste Halbjahrsbilanz als alleiniger Vorstandsvorsitzender. Bis zum Frühjahr hatte er sich diese Aufgabe noch mit Carsten Maschmeyer geteilt, der nun im Verwaltungsrat der AWD-Mutter Swiss Life sitzt.

Die im Vertrieb von Geldanlagen und Versicherungen tätige AWD-Gruppe hat im ersten Halbjahr 2009 einen operativen Verlust von gut 10 Millionen Euro geschrieben, das Nachsteuerergebnis belief sich auf minus 9 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2008 war unter dem Strich noch ein Gewinn von 20 Millionen Euro geblieben.

Ursache für das Minus sind massive Geschäftseinbußen insbesondere in Österreich und Osteuropa, aber auch das Deutschland-Geschäft warf infolge eines Umsatzrückgangs von gut 11 Prozent erheblich weniger Gewinn ab. In der Schweiz erzielte AWD dagegen bei den Einnahmen sogar ein leichtes Plus. Insgesamt fielen die Provisionseinnahmen im Halbjahr um 20 Prozent auf 258 Millionen Euro.

„Wir können mit dem ersten Halbjahr nicht zufrieden sein“ betonte Behrens. Der Hauptgrund für das schwache Geschäft sei zwar die Finanzmarktkrise, aber dennoch müsse man sich mit den Problemen auseinandersetzen. Die Marschrichtung des Vorstandes: Künftig soll AWD auch bei geringeren Umsätzen profitabel sein. „Wenn es wieder Rückenwind gibt, wollen wir so aufgestellt sein, dass wir stärker als vor der Krise sind“, sagte Behrens. Mittelfristig soll der Umsatz auf 850 Millionen Euro steigen, das operative Ergebnis soll 130 Millionen erreichen.

Ein Teil der nötigen Schritte sei bereits eingeleitet. So habe man in Österreich eine neue Führungsspitze installiert und die Kosten an das geschrumpfte Marktpotenzial angepasst, in Großbritannien sei die Wende geschafft.

Nun sollen auch die Kosten in Deutschland gedrückt werden. Unter anderem streicht AWD sein Marketingbudget einschließlich des Sportsponsoring zusammen. So wird kein Geld mehr für den DFB-Pokal, Eintracht Frankfurt und den Frauenfußball fließen. Wie Behrens weiter zu erkennen gab, sind personelle Einschnitte vor allem bei Tochtergesellschaften in Köln und Bremen geplant. „Es kann nicht sein, dass das Gleiche in Köln und in Hannover gemacht wird.“ Es werde aber keinen Kahlschlag geben. In Hannover seien nur „eine Handvoll“ Arbeitsplätze vom Sparkurs betroffen. Auch das Sponsoring für die AWD-Arena stehe nicht zur Disposition und der Vertrag für die AWD Hall stehe vor dem Neuabschluss.

Insgesamt will AWD bis 2010 die Kosten um 62 Millionen Euro drücken. Vergleichsbasis ist das Jahr 2008, in dem allerdings ein 30 Millionen Euro teures Sonderprogramm zur Rekrutierung neuer Außendienst-Mitarbeiter zu Buche schlug. Derzeit befinden sich laut Behrens etwa 3200 Trainees in der Beraterausbildung, 13 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der registrierten selbstständigen Berater wird mit 5610 angegeben. Mitte des Jahres hatte AWD 1671 Angestellte gegenüber etwa 2000 Ende vergangenen Jahres.

26.08.2009
Stefan Winter 25.08.2009