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Wirtschaft Fiat will bei Opel Arbeitsplätze abbauen
Nachrichten Wirtschaft Fiat will bei Opel Arbeitsplätze abbauen
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08:50 05.05.2009
Von Alexander Dahl
Symbolfoto
Symbolfoto Quelle: Michael Urban/ddp
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Dies wurde am Montag Nachmittag nach einem Treffen zwischen Fiat-Chef Sergio Marchionne und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bekannt. Nach dem von Marchionne grob skizzierten Konzept sollen die Opelstandorte für Endmontage in Rüsselsheim (15 300 Beschäftigte), Bochum (5000 Beschäftigte) und Eisenach (1700 Beschäftigte) nach einer Fusion mit Fiat erhalten bleiben. Für das Komponentenwerk in Kaiserslautern, in dem 3300 Mitarbeiter tätig sind, wollte der italienische Konzern keine Garantie abgegeben. Das Fiat-Engagement bei Opel würde Arbeitsplätze kosten, aber nicht in dramatischem Umfang, erklärte Marchionne in Berlin. Unklar blieb auch, ob die Opel-Fabriken in Belgien, Polen, Spanien und Großbritannien eine Zukunft haben.

Mit der bereits vereinbarten Übernahme des US-Herstellers Chrysler und einer Integration von Opel in den Turiner Konzern möchte Fiat zum zweitgrößten Autoproduzenten der Welt aufsteigen – hinter Toyota und vor Volkswagen. Laut Marchionne würde Fiat dann jährlich rund 80 Milliarden Euro umsetzen und bis zu sieben Millionen Autos weltweit absetzen.

Die Bundesregierung reagierte am Montag verhalten auf die italienische Offerte. Das Konzept sei interessant, es bringe ihn aber nicht dazu zu sagen „ja, so machen wir das“, sagte zu Guttenberg nach dem Gespräch. Man werde den Plan nun einer Bewertung unterziehen und zügig eine Entscheidung bekannt geben. Fiat machte gestern Druck und gab bekannt, das Geschäft bis Ende Mai abzuschließen zu wollen.

Die kühle Reaktion des CSU-Politikers ist auf die Weigerung Marchionne zurückzuführen, Fiat mit eigenem Kapital bei Opel einsteigen zu lassen, für das sich der bereits mit rund 6,6 Milliarden Euro verschuldete Konzern erneut am Finanzmarkt Geld leihen müsste. Fiat erwartet daher, dass für Schulden und Pensionsverpflichtungen der bisherigen Mutter Generalmotors (GM) in Höhe von 5 bis 7 Milliarden Euro Staatsbürgschaften bereitgestellt werden. Diese sollen von den europäischen Staaten aufgebracht werden, in denen GM bisher produziert. Welche Belastungen Deutschland schultern müsste ist dabei noch unklar. Guttenberg beklagte gestern ledig „ein erhebliches Maß an Finanzierungskosten“. Kritiker hatten im Vorfeld bemängelt, dass Fiat nur deshalb an Opel interessiert ist, um an die Milliardenhilfen zu gelangen.

Marchionne traf sich am Montag auf eigenen Wunsch hin auch mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Inhalt des Gespräches war möglicherweise die Übernahmeofferte des zweiten Interessenten, des kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna, der dazu die russische Sber-Bank mit ins Boot holen möchte. Im Gegensatz zu Fiat wird dieses Engagement auch bei Opel positiver gesehen. Auch der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist mit seinen exzellenten Russlandkontakten eingeschaltet. Marchionne selbst kann im Übernahmepoker auf Saniererqualitäten verweisen. Nach verlustreichen Jahren übernahm der heute 56-Jährige 2003 das Ruder in Turin. Bereits 2006 konnte Fiat Gewinne verbuchen; auch 2007 und 2008 machte das Unternehmen Milliardenüberschüsse – ohne dabei eine Fabrik zu schließen oder einen der weltweit rund 185 000 Fiat-Beschäftigten zu entlassen. In den Jahren davor hatte der studierte Jurist und Wirtschaftsprüfer mehrere andere marode Firmen saniert.

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