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Wirtschaft Fast 9000 Schadensersatzklagen gegen Göttinger Gruppe
Nachrichten Wirtschaft Fast 9000 Schadensersatzklagen gegen Göttinger Gruppe
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21:34 01.03.2013
Das Betrugssystem der Göttinger Gruppe produzierte zwar nicht die versprochenen Renditen, dafür aber gewaltige Aktenberge. Hinzmann
Das Betrugssystem der Göttinger Gruppe produzierte zwar nicht die versprochenen Renditen, dafür aber gewaltige Aktenberge. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Bis 7. März werden noch einmal 3600 Klagen sowie mehrere Hundert Klageerweiterungen vorliegen. Jetzt gehen die Opfer des Pleiteunternehmens nicht mehr nur die ohnehin zahlungsunfähigen früheren Vorstandsmitglieder an, sondern auch die Wirtschaftsprüfer. Verklagt wird Europas größte Wirtschaftsberatungfirma Cap Gemini.

Das Unternehmen mit Sitz in Paris ist Rechtsnachfolger von Ernst & Young Consulting. Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young hatten die Bilanzen der Göttinger Gruppe mit ihrem Kernunternehmen, der Securenta AG, geprüft und testiert.

Die Kläger glauben beweisen zu können, dass die Prüfer bereits von 1992 bis 2000 gewusst haben, dass das System der atypischen stillen Beteiligungen nicht tragfähig war. Dennoch hätten sie die Prognosen und unrealistischen Renditeversprechen wahrheitswidrig mitgetragen und Abschlüsse falsch testiert. Es sei sogar, so Rechtsanwalt Ralf Böhm von der Kanzlei Müller, Boon, Dersch aus Jena, „bewusst manipuliert worden, um das System als tragfähig darzustellen“.

Beim Landgericht, das bereits die Bibliothek geräumt und einen ganzen Flur mit Aktenbergen vollgestellt hat, gibt es kaum noch Platz. Die Akten von mehr als 5000 Klagen füllen ganze Gebäudefluchten. Im Keller werden die neu eingehenden, je 520 Seiten starken Klageschriften mit je 820 Anlagestücken vorerst gelagert. Am Montag gingen 1100, am Mittwoch weitere 1500 Klagen ein. Der Rest komme nächste Woche, sagt Böhm.

Bei den schon anhängigen 6000 Klagen haben in den vergangenen Monaten in 4500 Fällen Verhandlungen stattgefunden, in denen Beweisbeschlüsse ergingen. Das Gericht will ein Gutachten zur Tragfähigkeit des Securenta-Systems erstellen lassen. Der dafür ins Auge gefasste Wirtschaftsprüfer Knut Thomas Hofheinz aus Hannover ist allerdings bereits aus dem Spiel. Er hatte als Insolvenzverwalter eine Gesellschaft der Göttinger Gruppe abgewickelt und befindet sich in diesem Verfahren im Rechtsstreit. Das Gericht sieht zwar darin keine Befangenheit, wollte aber auf Nummer sicher gehen und sucht einen anderen Gutachter.

Von Jürgen Gückel

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