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Wirtschaft Familienunternehmer Kirchheim ist „Unternehmer des Jahres“
Nachrichten Wirtschaft Familienunternehmer Kirchheim ist „Unternehmer des Jahres“
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20:43 26.01.2012
Von Lars Ruzic
Foto: Nass-Magnet-Eigentümer Klaus Kirchheim mit seiner „Nana“.
Nass-Magnet-Eigentümer Klaus Kirchheim mit seiner „Nana“. Quelle: Steiner
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Hannover

Es hat ein bisschen gedauert, bis Klaus Kirchheim die Vorzüge des Familienunternehmer-Daseins für sich entdeckt hat. In der Jugend kaum einmal mehrere Jahre an einem Ort, der Vater Finanzvorstand bei börsennotierten Konzernen wie BMW. „Bei uns war früher eher die Quartalsdenke verbreitet“, berichtet der 53-Jährige. Er selbst ging in jungen Jahren ein Projekt nach dem anderen an, fuhr internationale Riesenslaloms, studierte nebenbei Maschinenbau und Betriebswirtschaftslehre. Die kleine, feine Unternehmensgruppe mit dem hannoverschen Maschinenzulieferer Nass Magnet im Zentrum, die die Mutter in die Familie eingebracht hatte, lief bei den Kirchheims mehr so nebenher.

Bis der Spezialist für Vorsteuerungen in der Automatisierungstechnik in eine schwere Krise abrutschte. „Um die Jahrtausendwende war das Unternehmen fast tot“, erinnert sich Kirchheim. Seinerzeit kündigte der Manager seinen Job im Mannesmann-Konzern und machte sich auf den Weg nach Hannover. „Damals waren unsere jüngsten Produkte 30 Jahre alt.“ Der Unternehmer stellte neue Ingenieure ein, die die Entwicklung umkrempelten. Und er suchte neue Abnehmergruppen für die alte Technik.

Heute ist die Kirchheim-Gruppe mit drei Nass-Firmen in Hannover, Ungarn und den USA aktiv. 500 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von 50 Millionen Euro. Die wichtigsten Kunden kommen aus dem Maschinenbau, der Autoindustrie und der Medizintechnik. „Wir sind heute breiter aufgestellt und beliefern Branchen, deren Zyklen nicht gleich verlaufen“, sagt der Eigentümer.

Kirchheims erfolgreiche Sanierung seines Unternehmens war ein Grund für den Verband der Familienunternehmer, den Isernhagener zum Unternehmer des Jahres zu wählen. Am Donnerstagabend überreichte Kay Uplegger, Vorsitzender des Regionalverbands Hannover, Kirchheim den Preis in Gestalt einer „Nana“ vor gut 400 Gästen im Lichthof der Leibniz Universität Hannover. Kirchheim habe als Vertreter der vierten Generation „sein Unternehmen durch schwere Zeiten gelenkt und nachhaltig ausgerichtet“, lobte Uplegger. Zudem sei er vielfältig ehrenamtlich engagiert – etwa als stellvertretender IHK-Präsident, Handelsrichter oder Vorsitzender der Initiative Leistungssport 08 in Hannover.

Kirchheim war auch einer der Ersten, der Schüler und Lehrer ins Unternehmen holte. Seit Jahren wird bei Nass Magnet am Alten Flughafen regelmäßig Physik unterrichtet. Einem Mittelständler bleibe gar keine andere Wahl, wolle er die Fachkräfte von morgen schon früh an sich binden. Der sich abzeichnende Mangel sei die größte Herausforderung für Familienunternehmen. Schließlich könne Nass Magnet bei den Löhnen der Großen nicht mithalten. Über Entgelte verhandelt der Chef selbst mit den Betriebsräten – aus dem Arbeitgeberverband ist Nass Magnet schon vor Kirchheims Zeit ausgestiegen. Ändern will er daran nichts – obwohl ihm das daheim in Isernhagen manch ungemütlichen Abend beschert. Denn Kirchheims Lebensgefährtin ist durch und durch Gewerkschafterin.

Sonderpreis für Expert: Einen Sonderpreis erhielt die Langenhagener Elektrohändlerkooperation Expert. Ihr gelinge es seit Jahren, eine heterogene Unternehmerschaft zu einer Einheit zu verschmelzen und so im Wettbewerb mit großen Ketten wie Media-Saturn zu bestehen, lobte Uplegger.

„Das Rückgrat der Ökonomie“

Festliche Kulisse beim Jahresempfang des Verbands der Familienunternehmer: Der Lichthof im Welfenschloss ist mit warmen Farben ausgeleuchtet, auf der Bühne warten die Nana-Figuren als „Trophäen“ auf die Preisträger, gut 400 Besucher sind erschienen – doppelt so viele, wie der hannoversche Regionalverband der Familienunternehmer Mitglieder hat. Oberbürgermeister Stephan Weil ist Festredner. Er nennt die Mittelständler „das Rückgrat der lokalen Ökonomie“.

Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass „große Unternehmen häufig kein Garant mehr für Beständigkeit“ seien. Statt aber nur neidisch zu starken Bundesländern wie Baden-Württemberg zu blicken, habe Hannover 2002 die regionale Entwicklungsgesellschaft Hannoverimpuls gegründet, um diesen besonders innovativen Teil der Wirtschaft zu stärken. Eine Erfolgsgeschichte, sagt Weil. Auch Uni-Präsident Erich Barke lobt als Hausherr die Mittelständler – und wirbt dringend darum, die Uni bei ihrem Bildungsauftrag zu unterstützen.

Eingangs hatte der Verbandsvorsitzende Kay Uplegger vor „ständigen Kassandra-Rufen“ gewarnt. Immerhin sei der ifo-Geschäftsklimaindex zum zweiten Mal in Folge, der GfK-Konsumklimaindex sogar zum fünfte Mal gestiegen. Mit dem Schlechtreden der Wirtschaftslage müsse Schluss sein. Die Gäste, darunter viele bekannte Namen von Martin Kind (Hörgeräte) bis Tina Voß (Zeitarbeit), von Lorenz Hansen (Gundlach) bis Uwe Groth (Unternehmensberatung), gesellten sich nach den Preisverleihungen ans Büfett und genossen bei Gesprächen das Ambiente des Universitätsgebäudes.

Lars Ruzic 26.01.2012
26.01.2012