Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Erstmals Frau mit Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet
Nachrichten Wirtschaft Erstmals Frau mit Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:27 12.10.2009
Elinor Ostrom
Elinor Ostrom Quelle: afp
Anzeige

Beide Forscher hätten gezeigt, dass wirtschaftliche Analysen „die meisten Formen sozialer Organisation beleuchten“ könnten.

Die 1933 geborene Ostrom reagierte „mit großer Überraschung“ auf die mit insgesamt zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980.000 Euro) dotierte Ehrung, wie sie selbst dem schwedischen Fernsehen in einer ersten Reaktion sagte. Sie stehe regelrecht „unter Schock“, dass sie die erste Frau überhaupt sei, der der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften zuerkannt wurde, fügte sie hinzu. Das Preisgeld müssen sich Ostrom und Williamson teilen.

Der Nobelpreis wurde Ostrom für ihr wissenschaftliches Engagement für das Management natürlicher Ressourcen zuerkannt. Die Forscherin, die Politikwissenschaft an der Indiana University in Bloomington lehrt, gilt als Umweltökonomin von Weltruf. Unter anderem hat sie umfangreich zu Fischbeständen und Gewässern sowie zu Wald- und Weideland geforscht.

Das Nobelpreis-Komitee begründete seine Entscheidung für Ostrom damit, dass sie gezeigt habt, dass Nutzergruppen Gemeingüter erfolgreich verwalten können. Damit habe die Wissenschaftlerin die These angefochten, dass Gemeingüter grundsätzlich schlecht verwaltet werden, sofern sie nicht in Behördenhand oder privatisiert worden sind. Ostroms Studien hätten vielmehr gezeigt, dass Nutzer auf oft komplexe Weise Entscheidungen fällten und Regeln durchsetzten, wenn es zu Interessenkonflikten komme.

In diesem Jahr wurden fünf Frauen und damit eine Rekordzahl von Wissenschaftlerinnen mit dem Nobelpreis geehrt: Neben Ostrom sind das die deutsche Schriftstellerin Herta Müller, die den Literatur-Nobelpreis erhält. Hinzu kommt der Medizin-Nobelpreis für die US-Forscherinnen Elizabeth Blackburn und Carol Greider und der Nobelpreis für Chemie für die Israelin Ada Jonath.

Der 1932 im US-Bundesstaat Wisconsin geborene Williamson wurde für seine Forschungsarbeiten zur Unternehmensführung ausgezeichnet. Williamson, der im Jahr 1991 Gastprofessor an der Universität Saarbrücken war, stellt in seinen Untersuchungen die grundsätzlich verschiedenartige Funktionsweise von Märkten und hierarchischen Organisationen wie etwa Firmen dar - auch, was den Umgang mit Konflikten angeht.

Zusammenfassend würdigte die Jury an den Arbeiten Ostroms und Williamsons, dass beide verdeutlicht hätten, dass wirtschaftliche Transaktionen nicht nur an Märkten, sondern ebenso in Unternehmen, in Verbänden oder Haushalten stattfänden. Dieser Aspekt sei bislang in den Wirtschaftswissenschaften im Vergleich zu den Märkten traditionell eher vernachlässigt worden.

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ist, strenggenommen, gar kein Nobelpreis: Er wurde erst 1968 von der schwedischen Zentralbank gestiftet - anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens und in Gedenken an Alfred Nobel. Der Preis wird seit 1969 verliehen. Bei den Preisverleihungen am 10. Dezember - dem Jahrestag des Todes Nobels - in Stockholm und im norwegischen Oslo erhalten die Nobelpreisträger eine Medaille, eine Urkunde und ihren Anteil am Preisgeld.

afp