Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft „Hohes Risiko“: Conti-Chef warnt vor schnellem Umstieg auf E-Autos
Nachrichten Wirtschaft „Hohes Risiko“: Conti-Chef warnt vor schnellem Umstieg auf E-Autos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 29.04.2019
Conti-Chef Elmar Degenhart präsentiert eine von seinem Unternehmen entwickelte Platine. Quelle: dpa
Hannover

Der hannoversche Autozulieferer Continental warnt vor einem voreiligen Umstieg auf Elektroautos. „Jetzt alles auf Batterie und E-Antriebe zu setzen, das ist ein hohes Risiko“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart am Freitag auf der Hauptversammlung von Conti in Hannover. Indirekt bezeichnet er die alleinige Konzentration auf E-Autos als populistisch: „Populismus vermehrt nur die Emotionen. Er verringert nicht die Emissionen.“

Degenhart mischte sich damit in die Diskussion um die Umweltfreundlichkeit der Fahrzeuge ein. Die Politik setze im Kampf gegen den Klimawandel vor allem auf elektrische Antriebe, ihr fehlten aber die nötige Geduld und auch „immer wieder der ausreichende Sachverstand“, kritisierte er.

Man kann die Aussagen auch als Seitenhieb auf Volkswagen verstehen: VW-Chef Herbert Diess hatte gefordert, jetzt alle Kräfte auf die E-Mobilität zu konzentrieren. Die Wolfsburger verweisen auch auf Studien, denen zufolge E-Autos schon heute das Klima schützen.

Degenhart betonte am Freitag hingegen, die Modelle seien nur umweltfreundlich, wenn der Strom aus sauberen Quellen kommt. „Mit heutigem Strom retten wir das Klima nicht.“ Selbst in der Zukunft sei der Elektroantrieb nur für kleine, leichte Autos die beste Wahl. Für größere Fahrzeuge und Strecken von mehr als 300 Kilometern am Tag komme künftig „die Brennstoffzelle ins Spiel“.

Gleichzeitig verteidigte er den Verbrennungsmotor. Saubere Dieselmotoren sowie Benziner in Kombination mit einem E-Antrieb seien heute schon gut für das Klima. Konzernweit gesehen macht Continental zwar nur einen kleinen Teil seines Umsatzes mit Verbrenner-Technik, doch innerhalb der Antriebssparte spielt dieses klassische Geschäft noch die Hauptrolle.

Um diese Sparte auf den Wandel zur E-Mobilität vorzubereiten und flexibler auf politische Vorgaben reagieren zu können, hat der Konzern sie im Januar in eine eigene Gesellschaft ausgelagert. Außerdem bereitet er einen Teil-Börsengang dieser Tochter unter dem künftigen Namen Vitesco vor. Bis zu 25 Prozent der Anteile könnten verkauft werden. Der Termin wurde nun allerdings verschoben: Frühestens ab Anfang 2020 sei es so weit, teilte der Konzern mit. Ursprünglich wollte man schon im Sommer bereit für den Schritt sein.

Gewinn gesunken

Ob der Teil-Börsengang wirklich vollzogen wird, will Conti weiterhin von der „Marktlage“ abhängig machen. „Wir haben nichts zu verschenken“, hatte Finanzchef Wolfgang Schäfer Anfang des Jahres gesagt. Volkswagen blies im März einen Teilbörsengang seiner Lkw-Sparte wegen ungünstiger Marktbedingungen vorerst ab.

Degenhart bedauert Manager-Schelte

Conti-Chef Elmar Degenhart gestand am Freitag Fehler in der internen Kommunikation ein. Er und seine Vorstandskollegen hätten in einem Brief an 400 Führungskräfte die gemeinsamen Ziele stärker hervorheben müssen, sagte er auf der Hauptversammlung. Rückblickend betrachtet würde er heute „die eine oder andere Formulierung anders wählen“.

Der Vorstand hatte im September – nach zwei Gewinnwarnungen – einige der eigenen Manager scharf kritisiert. „Sie erreichen wiederholt ihre selbst gesteckten Ziele nicht. Sie halten damit nicht, was sie versprechen“, hieß es in dem Schreiben unter anderem. Der Brandbrief traf unter anderem beim Betriebsrat auf Kritik: Der Vorstand habe sich „im Ton vergriffen“.

Die weltweit abflauende Konjunktur spürt zurzeit auch Conti. Im ersten Quartal brach der Gewinn vor Zinsen und Steuern um 17,1 Prozent auf 884,2 Millionen Euro ein. Der Umsatz lag mit rund 11 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Degenhart sprach von einem „soliden“ Ergebnis – die weltweite Autoproduktion sei zu Jahresbeginn um über 6 Prozent gesunken. Continental geht aber weiter davon aus, dass sich die Stimmung auf den weltweiten Automärkten in der zweiten Jahreshälfte aufhellen wird.

Weiterlesen:

Kommentar: Conti muss die Reihen schließen

Von Christian Wölbert

Kunstvolle Pyramiden stapeln, Botschaften aufschreiben oder die Steuererklärung vorbereiten – der klassische Bierdeckel hat schon jetzt viele Verwendungsmöglichkeiten. Doch die traditionsreichen Hersteller haben längst neue Ideen.

26.04.2019

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat ein Faible für deutsche Limousinen – und ist zuletzt mehrfach mit solchen gesichtet worden. Der Knackpunkt: Eigentlich dürfen Luxusautos nicht an Nordkorea verkauft werden.

26.04.2019

Der Autobauer Daimler steht vor tiefgreifenden und vor allem auch teuren Veränderungen. Das Kerngeschäft läuft gerade aber alles andere als rund. Das hinterlässt Spuren.

26.04.2019