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Wirtschaft Eintrübung erst für 
2010 erwartet
Nachrichten Wirtschaft Eintrübung erst für 
2010 erwartet
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20:35 01.07.2009
Der Handel sieht die Verbraucher wegen niedriger Preise als Gewinner der Krise.
Der Handel sieht die Verbraucher wegen niedriger Preise als Gewinner der Krise. Quelle: Kai-Uwe Knoth/ddp
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2010 könnte sich das Konsumklima wegen steigender Arbeitslosigkeit noch mehr eintrüben.

Von Katastrophenszenarien hält Josef Sanktjohanser wenig. „Die Krise hat uns bisher kaum erreicht“, sagte der Präsident des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin. Die Verbraucher ließen sich ebenfalls „nicht bange machen.“ Bisher jedenfalls sei trotz Wirtschaftsflaute die Konsumstimmung noch nicht eingebrochen.

Ob das so bleibt, erscheint allerdings fraglich. Im Mai sank der Umsatz im klassischen Einzelhandel bereits um nominal 3,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt meldet. Damit gaben die Deutschen in den ersten fünf Monaten insgesamt 2,2 Prozent weniger für Konsum aus. Für das Gesamtjahr werden 2 Prozent Minus erwartet. Das sei zwar weniger als erhofft, liege aber noch im Rahmen der seit vielen Jahren üblichen Schwankungen, betont Sanktjohanser.

Der Einzelhandel verzeichnet bereits seit zwei Jahrzehnten meist nur ein leichtes Umsatzwachstum. „Unsere Unternehmen sind krisenerprobt“, sagte der HDE-Chef. Man lasse sich das Geschäft nicht kaputt reden. Im Gegenteil seien die Einzelhändler mit niedrigen Preisen „die Muntermacher der Nation“. Daran ändert für ihn auch die Karstadt-Insolvenz nichts. Warenhäuser hätten mit neuen Strategien trotzdem Zukunft.

Die Krise habe für die Verbraucher auch gute Seiten. Denn in diesem Jahr würden die Preise kaum steigen, so der Verband. Im ersten Halbjahr lag die Teuerungsrate bei nur noch 0,5 Prozent, vor allem wegen sinkender Preise für Rohstoffe und Lebensmittel. Allerdings bleiben die Kunden trotzdem zurückhaltend. Im ersten Quartal kletterte die Sparquote auf mehr als 15 Prozent. Das sei aber kein Angst-, sondern Vorsorgesparen, sagte Sanktjohanser.

Mit der Politik der Bundesregierung geht der Handel hart ins Gericht. Die Abwrackprämie habe den Wettbewerb zugunsten der Autoindustrie verzerrt. Das gelte auch für andere staatliche Hilfen. Angeschlagene Unternehmen müssten es aus eigener Kraft schaffen. Die Krise von Händlern in den Innenstädten habe der Staat durch hohe Steuern und Standortkosten, aber auch durch eine verfehlte Ansiedlungspolitik auf der „grünen Wiese“ mit verursacht.

von Thomas Wüpper