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Wirtschaft Ein Schwabe will Sonnleitner beerben
Nachrichten Wirtschaft Ein Schwabe will Sonnleitner beerben
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20:12 09.04.2012
Von Carola Böse-Fischer
Foto: Joachim Ruckwied will neuer Bauernpräsident werden.
Joachim Ruckwied will neuer Bauernpräsident werden. Quelle: dpa
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Hannover

Hannover. Der nächste Bauernpräsident kommt aller Voraussicht nach aus Baden-Württemberg. Der Chef des dortigen Landesbauernverbands, Joachim Rukwied, will den Bayern Gerd Sonnleitner an der Spitze des Deutschen Bauernverbands (DBV) beerben. Der DBV vertritt rund 300.000 Betriebe der Land- und Forstwirtschaft. Der 64-jährige Sonnleitner, seit 15 Jahren Cheflobbyist der deutschen Landwirte, hatte stets erklärt, er wolle „so aufhören, dass ich noch aktiv Landwirtschaft betreiben kann“. Entsprechend frühzeitig hat er die Weichen für einen Wechsel gestellt.

Jüngst befasste sich das DBV-Präsidium, dem neben dem Vorstand unter anderem die Präsidenten der 18 Landesverbände angehören, mit den intern seit Längerem gehandelten drei Kandidaten für die Sonnleitner-Nachfolge. Dazu zählten außer dem 50-jährigen Rukwied auch Werner Hilse, der Präsident des niedersächsischen Landesbauernverbands, und der Chef des Bauernverbands Schleswig-Holstein Werner Schwarz, wie ein Kenner der Szene berichtet.

Ein Verbandssprecher bestätigte lediglich, es habe sich eine Mehrheit für Rukwied „herauskristallisiert“. Damit dürfte Rukwied Anfang Juni offiziell für die Delegiertenversammlung auf dem Deutschen Bauerntag am 27. Juni nominiert werden. Gewählt werden der neue Präsident und auch das komplette Präsidium dann von den Abgesandten der mehr als 300 Kreisverbände.

Ihn habe „dieses Signal ermutigt“, zu kandidieren, sagte Rukwied. Es sei nicht ganz auszuschließen, dass er einen Gegenkandidaten bekomme, weil die Landesverbände selbst noch Vorschläge machen könnten. Aber damit rechnet wohl niemand. Rukwied sagt denn auch: „Ich würde nicht kandidieren, wenn ich mir keine Chancen ausrechnen würde.“

Chancen hatte sich auch Werner Hilse ausgerechnet, der nach Aussage eines Insiders als „erster Bewerber bei Sonnleitner“ vorstellig wurde. Unter anderem seine „Ämterhäufung“ habe jedoch die Erfolgsaussichten geschmälert. „Knackpunkt“ seien seine Aufsichtsratsmandate bei dem multinationalen Fleischkonzern Vion und beim niederländischen Stärkehersteller Avebe gewesen. Diese Nähe zur Agrarindustrie geht anscheinend vielen Bauernfunktionären zu weit. Zudem forderte Sonnleitner eine Verjüngung, die mit dem 60-jährigen Hilse nicht verbunden wäre.

Das wäre beim 50-jährigen Werner Schwarz anders, doch es gilt als wenig wahrscheinlich, dass der Chef des Bauernverbands Schleswig-Holstein gegen Rukwied antritt. Ihm werden Ambitionen für das Amt des Agrarministers nachgesagt, falls Schwarz-Gelb die Landtagswahl gewinnt. Zudem hat der DBV Kampfabstimmungen bislang stets vermieden.

09.04.2012
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