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Wirtschaft Edeka zerschlägt Großbäckerei Schäfer's
Nachrichten Wirtschaft Edeka zerschlägt Großbäckerei Schäfer's
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21:57 07.12.2012
Von Lars Ruzic
Foto: Geht es nach Edeka, werden die Schäfer’s-Filialen – hier in der Calenberger Esplanade – künftig von Selbstständigen geführt.
Geht es nach Edeka, werden die Schäfer’s-Filialen – hier in der Calenberger Esplanade – künftig von Selbstständigen geführt. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Zunächst soll das Unternehmen in eine Produktions- und eine Vertriebsgesellschaft aufgespalten werden. Mit der Neuausrichtung von Schäfer’s verleihen wir dem Backwarengeschäft zusätzliche Impulse und schaffen Synergie-Effekte, die im Ergebnis zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit führen werden“, sagte Edeka-Minden-Konzernchef Mark Rosenkranz am Freitag. Deutschlands größter Bäckereifilialist will sich künftig nur noch um die Herstellung der Backwaren und die Belieferung der Läden kümmern.

Die insgesamt 870 Verkaufsstellen sollen Selbstständige übernehmen. Dabei denkt die Edeka-Regionalgesellschaft zunächst an die vielen Einzelhandelsunternehmer in der Genossenschaft, in deren Supermärkten heute bereits Schäfer’s-Waren verkauft werden – meist sowohl im Geschäft an den Aufbackstationen wie auch in der Vorkassenzone in Schäfer’s- oder Meffert-Filialen.

Die 156 alleinstehenden Geschäfte würde die Edeka-Spitze gern an die Mitarbeiter vor Ort abgeben. „Sie erhalten dabei jedwede Unterstützung“, versicherte ein Edeka-Sprecher. Der Konzern verfüge über einen breiten Erfahrungsschatz bei der „Privatisierung“. An Filialschließungen sei zunächst nicht gedacht. Bei den Supermärkten ist die Übergabe an Unternehmer – meist waren sie zuvor Filialleiter – gang und gäbe. Auch die Bäckereifilialen könnten von dem „frischen Wind“ profitieren, den ein Selbstständiger mitbringe, so der Sprecher.

In der Händlerschaft gebe es „erste positive Signale“ zu den Plänen, hieß es in Minden. Das Gros der Unternehmer erfuhr dem Vernehmen nach allerdings erst gestern von dem Vorstoß. Auch waren erste Privatisierungspläne vor gut zwei Jahren weitgehend im Sande verlaufen, verlautet aus Belegschaftskreisen. Viele Filialen hätten damals schlicht keine Interessenten gefunden. Ebenfalls noch unklar sind die Konditionen, zu denen die Beschäftigten den Arbeitgeber wechseln sollen. Offenbar ist daran gedacht, sie künftig nach dem besser dotierten Einzelhandelstarif zu bezahlen. Man arbeite mit den Arbeitnehmervertretern „an den für die Mitarbeiter bestmöglichen Lösungen“, teilte die Edeka Minden dazu mit.

Insgesamt beschäftigt Schäfer’s derzeit gut 6300 Mitarbeiter und kam zuletzt auf einen Umsatz von 271 Millionen Euro. Mehr als 1400 Menschen arbeiten in den fünf Großbäckereien, die Geschäfte und Edeka-Märkte beliefern. Der größte Standort ist Lehrte mit gut 430 Beschäftigten. Die Fabrik im Osten Hannovers versorgt jede vierte Filiale im Konzern. Die Beschäftigten in der Produktion sind von der Zerschlagung zunächst nicht betroffen. Ein Standort bei Magdeburg soll zum Spezialisten für die Belieferung der Backstationen in der Supermärkten ausgebaut werden.

Schizophrene Situation

Seit Jahren hat Schäfer’s mit dem Strukturwandel im Bäckereigeschäft zu kämpfen. Inzwischen verfügt selbst jeder Discounter über eigene Backstationen – meist deutlich günstiger als beim Handwerksbäcker. Zuletzt hatte auch Aldi seine Läden mit entsprechenden Regalen versehen. „Wir rüsten uns für einen Wettbewerb, der in den vergangenen Monaten deutlich an Schärfe zugenommen hat“, sagte gestern Schäfer’s-Geschäftsführer Ralf Hawig. Neben der „flächendeckenden Ausbreitung von Backstationen“ stellten auch die anziehenden Rohstoff- und Energiepreise „alle Marktteilnehmer vor große Herausforderungen“.

Derzeit bauen die großen Discounter Aldi und Lidl mit dreistelligen Millionensummen gewaltige Backfabriken, die den Preiskampf zusätzlich anheizen werden. Für Schäfer’s ist durch die Backstationen eine schizophrene Situation entstanden. Das Unternehmen muss Brötchen produzieren, die mitunter im Supermarkt die Hälfte dessen kosten, was der Kunde in der Filiale gleich hinter der Edeka-Kasse bezahlt. Deshalb baut der Konzern in dieser Vorkassenzone fast nur noch Filialen mit Café-Charakter, die mit mehr Service auch höhere Preise rechtfertigen sollen. Genutzt hat ihm das nur bedingt. Nach HAZ-Informationen schrieb Schäfer’s zuletzt rote Zahlen.

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