Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft EWE-Gewinn löst sich in Luft auf
Nachrichten Wirtschaft EWE-Gewinn löst sich in Luft auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:48 27.08.2014
Von Jens Heitmann
Im ostfriesischen Nüttermoor betreibt EWE zwei Gasspeicher – deren Inhalt hat an Wert verloren.
Im ostfriesischen Nüttermoor betreibt EWE zwei Gasspeicher – deren Inhalt hat an Wert verloren. Quelle: EWE
Anzeige
Oldenburg

Verantwortlich dafür seien in erster Linie der milde Winter und die Senkung der Strompreise zu Jahresbeginn, teilte der Konzern am Mittwoch offiziell mit. Die eigentliche Ursache ist jedoch eine andere: Nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften musste EWE die Gasmengen in seinen Speichern Ende Juni zum aktuellen Preis bewerten – dieser habe deutlich unter den Einkaufskonditionen gelegen, räumte ein Unternehmenssprecher ein.

Trotz der aktuellen Ertragsschwäche will EWE am Jahresende die bisher übliche Dividende in Höhe von 88 Millionen Euro ausschütten. Möglich machen soll das eine andere Bilanzierungsmethode: Bei einem Abschluss nach Handelsgesetzbuch kann der Konzern die Gasreserven anders bewerten – diesen Spielraum wolle man nutzen, um die beteiligten Kommunen und den Großaktionär EnBW bei Laune zu halten, verlautete aus dem Unternehmen.

Hoffnungen setzt der Vorstand auch in das im April aufgelegte Sparprogramm, dass die Kosten in den kommenden drei Jahren um 150 Millionen Euro senken soll. Auch die internen Prozesse müsse EWE verbessern, schreibt Vorstandschef Werner Brinker im Vorwort der Zwischenbilanz: „Trotz unserer grundsätzlich zukunftsweisenden Aufstellung reagieren wir als Unternehmen nicht immer so agil auf die Veränderungen in unseren Märkten, wie wir uns dies wünschen.“ Die Entwicklung neuer Angebote dauere oft zu lange und koste zu viel Geld, heißt es bei EWE in Oldenburg.

Für weiteren Ärger in Oldenburg sorgen die Bremer Stadtwerke, die der Konzern vor fünf Jahren komplett übernommen hat. Seinerzeit hatte die Hansestadt verhindert, dass EWE seine neue Tochter an die kurze Leine legen kann. So gibt es bis heute keinen Gewinnabführungsvertrag, ein Stellenabbau ist bis 2020 vertraglich ausgeschlossen – trotz der Doppelstrukturen auf vielen Ebenen. „Da gibt es viel Sparpotenzial“, heißt es in Oldenburg. Während EWE mit insgesamt 6500 Mitarbeitern knapp 9 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet, stehen bei den Bremer Stadtwerken mit 2500 Beschäftigten nur 1,5 Milliarden Euro zu Buche.

Unklar ist auch, wie EWE künftig mit seiner Mehrheit beim Leipziger Ferngasversorger VNG umgehen will. Die Oldenburger hatten 2003 die Anteile von e.on gekauft, die sich damals wegen der Übernahme von Ruhrgas davon trennen mussten. In der Folge hatte der EWE-Vorstand über Jahre erfolglos versucht, in Leipzig größeren Einfluss zu gewinnen – war aber trotz eines Aktienpakets von rund 47 Prozent am Widerstand der übrigen Anteilseigner gescheitert.

Den überraschenden Rückzug des VNG-Aktionärs Wintershall hat EWE im März genutzt, um die Mehrheit zu bekommen – aber auch VNG leidet derzeit unter den niedrigen Gaspreisen.

Carola Böse-Fischer 27.08.2014
Wirtschaft Bremerhavener Offshore-Stahlbauer - Weserwind streicht 130 Stellen
27.08.2014