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Wirtschaft Dirk Roßmann im HAZ-Interview
Nachrichten Wirtschaft Dirk Roßmann im HAZ-Interview
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15:28 12.03.2012
Von Lars Ruzic
Foto: Dirk Roßmann hat am 17. März 1972 mit der Eröffnung seines „Marktes für Drogeriewaren“ in Hannover-List eine neue Handelsgattung geschaffen.
Dirk Rossmann hat am 17. März 1972 mit der Eröffnung seines „Marktes für Drogeriewaren“ in Hannover-List eine neue Handelsgattung geschaffen. Quelle: dpa
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Großburgwedel

Herr Roßmann, Schlecker ist pleite, die Branche sortiert sich neu - und Sie beschäftigen sich mit der Ehrenrettung eines inzwischen zurückgetretenen Bundespräsidenten. Geht es dem Unternehmen 40 Jahre nach der Erfindung des Drogeriediscounters zu gut?

Wir tragen alle Verantwortung für unser Gemeinwesen, und deshalb engagiere ich mich auch, wenn ich es in der öffentlichen Debatte für geboten halte. Und damals, als es um die Frage der Kreditkonditionen von Christian Wulff ging, empfand ich die Diskussion in den Medien als unangemessen und unfair. Das hat mit unserem Kerngeschäft nichts zu tun. Natürlich geht es uns nicht zu gut. Aber wir sind supergut geworden. Die letzten fünf Jahre waren die besten für uns. Rossmann hat 2011 mehr als 100 Millionen Euro nach Steuern verdient, es gibt keine Nettofinanzschulden und in diesem Jahr werden wir mit gut 12 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro stärker wachsen als zunächst kalkuliert. In den ersten beiden Monaten lagen wir bereits 14 Prozent im Plus.

Was zweifellos auch am Niedergang von Schlecker liegt. In der Branche wird bereits geunkt, Sie wollten die Kunden derzeit mit besonders aggressiven Aktionen auf Ihre Seite ziehen.

Das ist doch völliger Quatsch. Natürlich spüren wir die Filialschließungen von Schlecker. Aber das wird am Ende vielleicht 2 Pluspunkte des Wachstums ausmachen. Die großen Drei dm, Rossmann und Müller sind übrigens nicht die einzigen Profiteure, der Lebensmittelhandel hat bei Drogeriewaren genauso aufgerüstet. Es herrscht knallharter Wettbewerb, und die Verbraucher profitieren davon.

Der Schlecker-Insolvenzverwalter sucht händeringend Partner für den Mutterkonzern und die Tochter Ihr Platz. Hat er sich schon bei Ihnen gemeldet?

Wir haben schon Gespräche geführt, sind aber nicht besonders weit gekommen. Der Insolvenzverwalter möchte gern Komplettpakete verkaufen - etwa die ganze Tochter Ihr Platz mit ihren dann immer noch 450 Filialen. Ich habe ihm gesagt, dass wir höchstens 80 Läden übernehmen würden, und da sind schon Schlecker- und Ihr-Platz-Filialen zusammengerechnet.

Wenn Sie am 17. März 40 Jahre Rossmann feiern, wollen Sie jeden 40. Einkauf verschenken. Was sagen dazu wohl Ihre Wettbewerber?

Die werden das sogar von uns erwarten, weil es im Handel üblich ist, den Kunden bei Jubiläen eine Freude zu machen. Mich erinnert die Aktion sehr an meinen ersten Tag, als die Kunden das Geschäft in der Jakobistraße überrannten und ich aus purer Euphorie einer Mutter von zwei Kindern ihren Einkauf im Wert von mehr als 100 D-Markt schenkte. Ich war eben schon immer ein bisschen verrückt.

Ihre Lieferanten dürften weniger euphorisch gewesen sein, als Sie jüngst von ihnen ein "Geburtstagsgeschenk" von 0,5 Prozent des Umsatzes einforderten.

Es ist doch ein altes Spiel im Handel, dass man versucht, aus Sonderaktionen etwas auf der Einkaufsseite herauszuholen. Aber wir haben die Kritik ernst genommen und sind inzwischen zurückgerudert.

Der deutschen Drogeriemarkt insgesamt stagniert Marktforschern zufolge inzwischen. Hinzu kommt die verschärfte Konkurrenz durch die Supermärkte. Ist die Zeit zweistelliger Zuwächse bald auch für Rossmann vorbei?

Wir mussten uns immer anpassen, sonst gäb es Rossmann heute gar nicht mehr. Unsere Läden werden immer größer, die Sortimente immer breiter. Das ist der Kern des Erfolgs, und da müssen wir weiter dran arbeiten. Aber: Auch Rückzug gehört zum Geschäft. Wenn ich sehe, dass ein Laden nur Verluste macht, muss ich ihn schließen. Und die Luft wird in der Tat immer dünner: Wenn in Städten mit 25000 Einwohnern große Häuser von Rossmann, dm und Müller stehen, kann der Einzelne kaum noch Geld verdienen.

Auch deshalb suchen Sie neue Absatzpotenziale im Ausland. Rossmann will den türkischen Markt erschließen. Richtig erfolgreich sind Sie bislang aber nicht.

Wir sind nicht richtig unzufrieden, aber richtig zufrieden sind wir auch nicht. Die Leute kannten bislang keinen Drogeriemarkt, und wir müssen die Vorteile dieses Formats erst bekanntmachen. Das ist umso schwieriger, weil Zeitunglesen in der Türkei weit weniger verbreitet ist als hier zu Lande, unsere Werbeaktionen also nicht richtig greifen. Im Moment machen unsere zehn Filialen dort Millionenverluste, und es dürfte noch mindestens fünf Jahre dauern, bis sich die Investitionen auszahlen.

Sie sind vor einigen Monaten 65 Jahre alt geworden. Zeit, die Nachfolge zu regeln?

Im Prinzip ist sie doch schon geregelt. Meine Frau und meine beiden Söhne arbeiten an verantwortlichen Positionen im Unternehmen mit. Hier gibt es nicht den Einen, der befiehlt und den Rest, der folgt. Wir regeln das im Team, und ich werde nach und nach immer mehr Aufgaben abgeben. Die Jungs brennen für das Unternehmen, sind aber auch froh darüber, dass der Papa ihnen noch das eine oder andere abnimmt.

Ihr Kollege Götz Werner hat seine dm-Anteile in eine Stiftung eingebracht. Ist das eine Option für Sie?

Davon halte ich nichts. Wenn man ein tiefes Vertrauen in seine Nachfolger hat, muss man sein Unternehmen nicht in die Hände eines Gremiums geben. Das käme auch einer Enterbung der nächsten Generation gleich. Wir fühlen uns in der Familie alle wohl mit dem, was wir tun.

Der Großkonzern Hutchison Whampoa, der über eine Tochter 40 Prozent an Rossmann hält, würde seine Anteile bestimmt gern erhöhen.

Das haben sie inzwischen aufgegeben. Die Mehrheit der Familie ist unantastbar.

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