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Wirtschaft Deutschland will Managern Grenzen setzen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland will Managern Grenzen setzen
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22:08 04.03.2013
Foto: „Managergehälter im zwei- oder sogar dreistelligen Millionenbereich sind völlig absurd“, so Dirk Roßmann, Inhaber der Drogeriekette Rossmann.
 „Managergehälter im zwei- oder sogar dreistelligen Millionenbereich sind völlig absurd“, so Dirk Roßmann, Inhaber der Drogeriekette Rossmann. Quelle: dpa
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Hannover/Berlin

Auch aus der deutschen Wirtschaft kommt Kritik. Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), sagte: „Dass bestimmte Spitzengehälter und Boni von Managern sich so weit außerhalb des allgemeinen Rahmens bewegen, ist auch für mich als mittelständischen Unternehmer nur schwer nachvollziehbar.“ Dirk Roßmann, Inhaber und Chef der Drogeriekette Rossmann sagte der HAZ: „Managergehälter im zwei- oder sogar dreistelligen Millionenbereich sind völlig absurd, unausgewogen und treten bei Aktiengesellschaften die Interessen der Aktionäre, insbesondere der Kleinaktionäre, mit Füßen.“ Es gehe um eine angemessene, faire und sozial vermittelbare Dotierung.

Überraschend fand die Schweizer Volksabstimmung auch Zustimmung in der FDP. Fraktionschef Rainer Brüderle sagte, die Koalition könne hier vor der Bundestagswahl Zeichen setzen. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte: „Es lohnt sich, den Schweizer Ansatz unter die Lupe zu nehmen.“ Exzessive Gehälter säten Misstrauen in unser Wirtschaftssystem. Die Bundesregierung will allerdings nicht selbst aktiv werden, sondern abwarten, welche Pläne die EU-Kommission bis Ende des Jahres vorlegen wird. Die Kommissare planen einen Gesetzesvorschlag, der wie die Schweizer Initiative darauf abzielt, dass Aktionäre über die Vergütung der Firmenspitze abstimmen müssen.

Die SPD begrüßte das dortige Abstimmungsergebnis, will aber noch einen anderen Hebel ansetzen. Die Bezahlung von Vorständen soll auch gesetzlich begrenzt werden. Übersteigen Gehälter und Abfindungen 500 000 Euro, dann dürfen nach Plänen der SPD die darüber hinausgehenden Beträge nur noch zur Hälfte von der Steuer abgesetzt werden können. „Wir wollen eine neue Kultur der Angemessenheit durchsetzen“, sagte Generalsekretärin Andrea Nahles. Die Schweizer Abstimmung sei „ein Weckruf“ für ganz Europa.

Die größten niedersächsischen Konzerne betrachten die Gier-Debatte zurückhaltend. Volkswagen und TUI erklärten, dass die Diskussion sie nicht betreffe. VW-Chef Martin Winterkorn hatte Ende Februar der Senkung seines Jahresgehalts von 17,5 auf 14,5 Millionen Euro zugestimmt. Continental wies darauf hin, dass „es bereits eine Deckelung der Bezüge für Vorstandsmitglieder und alle oberen Führungskräfte“ gebe. Vorstandschef Elmar Degenhardt erhalte drei Millionen Euro, die anderen Vorstandsmitglieder zwei Millionen. Eine gesetzliche Regelung sei daher nicht notwendig. Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, verteidigte hohe Managereinkommen. Diese seien nicht wahllos festgelegt, sondern von Aufsichtsräten genau geprüft. „Dieses Vorgehen sorgt für eine bestmögliche Aufstellung des Unternehmens“, sagt Müller. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) lässt die Gehälterkritik nicht gelten.

von Arnold Petersen und Alexander Dahl

Frerk Schenker 05.03.2013
04.03.2013