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Wirtschaft Deutsche Messe verkleinert Gelände
Nachrichten Wirtschaft Deutsche Messe verkleinert Gelände
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12:51 06.06.2013
Von Jens Heitmann
Foto: Viel Fläche und keiner, der sie ausreichend nutzt: Die Deutsche Messe AG will ihre Messehallen auf das „Kerngelände" reduzieren.
Viel Fläche und keiner, der sie ausreichend nutzt: Die Deutsche Messe AG will ihre Messehallen auf das „Kerngelände" reduzieren. Quelle: Archivfoto
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Hannover

Möglich sei aber auch eine weitere Reduzierung auf nur 300.000 Quadratmeter, verlautete aus dem Gremium. Mit der Verkleinerung auf ein „Kerngelände“ reagiert die Deutsche Messe auf die Veränderungen im Markt. Weil sich das Wachstum zunehmend in andere Weltgegenden verlagert, sinkt die Auslastung der Gelände in Europa. Sogenannte Weltleitmessen wie CeBIT oder CeMAT, die das Know how einer oder auch mehrerer Branchen an einem Ort versammeln, könnten sich zwar behaupten – aber neue Veranstaltungen dieses Kalibers kämen kaum noch hinzu, hieß es.

Derweil wächst das Geschäft mit Minimessen ab 2500 Quadratmeter – allerdings steigt auch der Anspruch von Ausstellern und Besuchern an Ambiente und Atmosphäre: Niemand verliere sich gern in einer Riesenhalle auf einem ansonsten leeren Gelände, sagte ein Branchenkenner. Ein weiteres Wachstumsfeld sind Kongresse und Tagungen, die zu einem immer wichtigeren Bestandteil auch von großen Messen werden. Das raumschiffartige „Convention Center“ im Zentrum des östlichen Geländeteils reicht nach Einschätzung der Messemacher nicht aus, um den zunehmenden Bedarf zu decken – da die Wege zuweilen zu weit sind und weil auf dem Gelände häufiger mehrere Messen parallel laufen.

Nach dem Abriss der Hallen 1 und 10 sowie der Verkleinerung der Halle 18 ist die Ausstellungsfläche zuletzt bereits um knapp ein Fünftel auf 400.000 Quadratmeter gesunken. Das verbleibende Areal will die Messegesellschaft in den kommenden beiden Jahrzehnten neu zuschneiden. „Wir wollen nicht mehr Fläche, sondern noch mehr Funktionalität und Flexibilität“, sagte Vorstandschef Wolfram von Fritsch.

Den Anfang markiert der Abriss der 50 Jahre alten Hallen 19 und 20 direkt neben dem Nordeingang. An ihrer Stelle sollen für 40 Millionen Euro neue Mehrzweckhallen mit 18 000 Quadratmetern entstehen. Die Arbeiten stehen unmittelbar bevor, zum Jahreswechsel 2014/15 sollen die neuen Gebäude stehen. „Das ist unser Testlauf“, sagte von Fritsch. Wie es danach weitergehe, sei noch offen – der Aufsichtsrat habe die verschiedenen Optionen zur Kenntnis genommen, Beschlüsse gebe es noch nicht.

Die Deutsche Messe orientiert sich bei den weiteren Planungen auch an der Konkurrenz. Das hannoversche Gelände gehört – gemessen am Bestand – zu den ältesten in Deutschland. Nur die Messeplätze Berlin und Düsseldorf sind ähnlich in die Jahre gekommen. Frankfurt und Nürnberg liegen im Mittelfeld; dafür wurden in München, Stuttgart, Köln und Hamburg zuletzt Hunderte Millionen Euro für Hallen und Infrastruktur locker gemacht.

In Hannover hingegen hat sich seit der Expo 2000 nur sehr wenig getan. Im Vorfeld der Weltausstellung wurden viele Investitionen vorgezogen, nach dem Großereignis blieben den Messemachern durch ein sogenanntes Cross-Border-Leasing-Geschäft mit US-Investoren die Hände gebunden. Wegen der Verträge war ein Abriss von Hallen ebenso unmöglich wie ein Umbau oder die Nutzung durch andere Firmen. Erst seit dem Ausstieg aus diesem Konstrukt im Herbst vergangenen Jahres ist die Messe wieder Herr in den eigenen Hallen.

Dank der Kapitalerhöhung um 250 Millionen Euro durch Stadt und Land, aber auch durch interne Sanierungserfolge sieht sich die Messe nun wieder in der Lage, mehr als nur Schönheitsreparaturen vorzunehmen. „Hannover soll das beste Gelände für Investitionsgütermessen weltweit sein“, sagte von Fritsch. Wegen der großen und zum Teil schweren Maschinen müsse man alle Hallen ebenerdig halten und äußerst tragfähige Böden einziehen.

Wenn die Veranstalter den gesamten Altbestand auf den modernsten Stand bringen wollten, würde das nach internen Berechnungen knapp 370 Millionen Euro kosten. Das sei weder wirtschaftlich darstellbar noch wünschenswert, hieß es – schließlich werde das gesamte Gelände in ungeraden Jahren nur zwei Mal ausgelastet. So sind bis 2014 zunächst Investitionen von 142 Millionen Euro vorgesehen.