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Wirtschaft Jürgen Fitschen kommt vor Gericht
Nachrichten Wirtschaft Jürgen Fitschen kommt vor Gericht
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15:26 02.03.2015
Foto: Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich ab April wegen des Vorwurfs des Prozessbetruges vor Gericht verantworten.
Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich ab April wegen des Vorwurfs des Prozessbetruges vor Gericht verantworten. Quelle: dpa (Archiv)
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München

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und vier frühere Spitzenmanager des Frankfurter Geldhauses müssen sich in einem Betrugsprozess vor dem Landgericht München verantworten. Das Landgericht München habe die Anklage wegen versuchten Betrugs im Kirch-Prozess gegen Fitschen und weitere Ex-Manager der Bank in vollem Umfang zugelassen, sagte eine Gerichtssprecherin am Montag der Deutschen Presse-Agentur in München. Der Prozess soll Ende April beginnen.

Vorwurf: Prozessbetrug

Fitschen führt die Deutsche Bank seit Juni 2012 gemeinsam mit Anshu Jain und ist einer der wichtigsten Wirtschaftsbosse in Deutschland. Er hatte 2011 im Kirch-Prozess ausgesagt und dabei nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Angaben gemacht, die in sich nicht schlüssig gewesen seien. Vor Gericht verantworten müssen sich zudem Fitschens Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer, sowie der ehemalige Aufsichtsratschef der Bank, Clemens Börsig, und ein weiterer Ex-Vorstand des größten deutschen Geldhauses.

Die fünf Top-Manager haben nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zusammengewirkt, um Schadenersatzzahlungen an die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch zu vermeiden. Durch falsche Angaben habe das Oberlandsgericht München getäuscht werden sollen. Die Staatsanwaltschaft hatte im Sommer vergangenen Jahres Anklage erhoben. Nach einer gründlichen Prüfung ließ der Vorsitzende Richter der 5. Strafkammer, Peter Noll, diese nun zu. Die 627 Seiten lange Anklage stützt sich auch auf Schriftstücke, die bei Durchsuchungen der Deutschen Bank sichergestellt wurden.

Bank zahlte Millionen an Kirch-Erben

Kirch hatte die Bank und deren Ex-Chef Breuer zeitlebens für die Pleite seines Medienkonzerns verantwortlich gemacht. Breuer hatte Anfang 2002 in einem TV-Interview Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit geäußert. Wenige Wochen später meldete Kirch Insolvenz an. Es folgte eine Welle von Prozessen. Anfang 2014 einigte sich die Bank mit den Kirch-Erben auf einen Vergleich und zahlte 925 Millionen Euro.

Dennoch ermittelte die Staatsanwaltschaft in Sachen Prozessbetrug weiter. Weil die Bank letztlich gezahlt hatte, lautet der Vorwurf nun: versuchter Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe stets zurückgewiesen. 

Die Protagonisten im neuen Kirch-Prozess

Den Schadenersatzprozess um die Pleite des Kirch-Medienkonzerns legte die Deutsche Bank vor gut einem Jahr mit einem millionenschweren Vergleich bei. Doch nun kommt es erneut zum Prozess gegen amtierende und frühere Topmanager des Geldhauses. Die wichtigsten Protagonisten:

Jürgen Fitschen

Im Duo mit dem Investmentbanker Anshu Jain steht der gebürtige Niedersachse seit Juni 2012 an der Spitze des größten deutschen Geldhauses. Kurz nach seinem Antritt als Co-Chef der Deutschen Bank verordnete der inzwischen 66-Jährige dem Frankfurter Finanzriesen einen „Kulturwandel“. Als ehrenamtlicher Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) würde er dabei am liebsten gleich die ganze Branche mitreißen.

Rolf Breuer

Es waren nur wenige Sätze, die der damalige Chef der Deutschen Bank im Januar 2002 in ein Reportermikrofon sprach. Breuer zweifelte in dem kurzen Gespräch die Kreditwürdigkeit Leo Kirchs an. Wenig später ging dessen Medienkonzern unter. Kirch machte dafür zeitlebens Breuer und die Deutsche Bank verantwortlich. Breuer steht für den Aufstieg der Deutschen Bank unter die großen Geldhäuser der Welt. Nachdem er 1997 das Ruder übernommen hatte, baute er gegen Widerstände das Investmentbanking aus. Von 2002 bis 2006 war Breuer Aufsichtsratschef. Der Abschied von diesem Posten kam nicht ganz freiwillig: Schuld war auch die Causa Kirch.

Josef Ackermann

Der Schweizer wurde 2002 Nachfolger Breuers - als erster Ausländer auf diesem Posten. Ackermann, bis Ende Mai 2012 Chef der Deutschen Bank, war wie kaum ein Banker für viele eine Reizfigur. Ob sein Millionengehalt oder offene Worte zu schwierigen Finanzproblemen: Der meist freundlich lächelnde Manager hatte den Ruf eines knallharten Bankers. Zwei zum Siegeszeichen erhobene Finger im Mannesmann-Prozess 2004 haften ihm bis heute als Symbol von Arroganz an. In der Finanzkrise präsentierte sich der heute 67-Jährige geläutert: Er räumte Fehler der Banken ein.

Peter Noll

Der grüne Hobby-Politiker hat als Richter reichlich Erfahrung mit Wirtschaftsbossen und Bankern. Je komplizierter die Fälle, desto mehr bemüht er sich um klare Sprache und Sachlichkeit. Bei schwierigen Themen bittet er Angeklagte oder Zeugen auch mal darum, es so zu erklären, dass es auch ein „kleiner bayerischer Richter“ verstehen kann - oder warnt aufgewühlte Anwälte davor „unter der Decke zu kreisen“. Zuletzt sorgte er mit der Einstellung des Bestechungsprozesses gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gegen 100 Millionen Dollar Geldauflage für Aufsehen.

dpa

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