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Wirtschaft Fitschen redet sich in Rage
Nachrichten Wirtschaft Fitschen redet sich in Rage
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22:18 28.02.2014
Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen Quelle: dpa
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Frankfurt

Die Fortschritte, die der Finanzsektor in den vergangenen Jahren gemacht habe, würden überhaupt nicht gewürdigt, sagte Fitschen am Freitag bei einer Podiumsdiskussion in Frankfurt zu dem Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick von den Grünen. „Wenn Sie Zweifel haben, Herr Schick, vielleicht geht es, dass Sie mal zu unserer Vorstandssitzung kommen“, schlug der Manager vor. „Ich glaube, Sie wären überrascht, was wir da alles so besprechen.“

Auch mit Prof. Martin Hellwig vom Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, der deutlich höhere Kapitalpuffer für Banken fordert, geriet Fitschen aneinander: Hellwig sitze im Elfenbeinturm und stelle utopische Forderungen, statt pragmatische Lösungen zu suchen, sagte Fitschen.

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Auch Hellwigs Forderung, dass Geldhäuser kleiner werden sollten, lasse sich nicht bei jedem Institut umsetzen. „Wenn Sie eine solche Konsolidierung wirklich propagieren, dann müssen Sie in Kauf nehmen, dass es Institute gibt, die größer werden. Nur mit ein paar wenigen kleinen Banken können Sie eine Volkswirtschaft heute nicht unterstützen.“

Fitschen war Ende 2013 bereits mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Streit geraten. Mit Kritik hinter dem Berg halten will der Manager allerdings auch künftig nicht. Ihn ärgere die Behauptung, dass große Institute wie die Deutsche Bank nicht abgewickelt werden könnten, sagte er.

Dabei habe die Bank eine Art Testament („Living Wills“) bei den Aufsichtsbehörden eingereicht. Diese Notfallpläne sollen helfen, Finanzinstitute im Falle einer Schieflage abwickeln zu können. „Ich frage: Wer hat das denn mal gelesen? Herr Schick, Herr Hellwig, haben Sie sich das mal angetan?“, fragte Fitschen. „Sie haben es nicht getan – das weiß ich.“

Kritisch sieht Fitschen auch die verschärften Vorschriften für ausländische Geldhäuser in den Vereinigten Staaten . Die Notenbank Federal Reserve (Fed) hat kürzlich ein Regelwerk verabschiedet, das 15 bis 20 ausländische Institute zwingt, eigene Zwischenholdings in den USA zu gründen, in denen ihr Geschäft dort gebündelt ist.

Diese müssen eigenständig mit Eigenkapital und den nötigen Barmitteln ausgestattet werden. Einige europäische Banken müssen deshalb die Kapitalpolster ihrer amerikanischen Töchter aufstocken oder deren Bilanzsumme reduzieren.

 rtr