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Wirtschaft Deutsche Bahn und Arriva einigen sich auf Milliardenübernahme
Nachrichten Wirtschaft Deutsche Bahn und Arriva einigen sich auf Milliardenübernahme
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21:44 22.04.2010
Quelle: dpa (Archiv)
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Die Deutsche Bahn will den britischen Verkehrskonzern Arriva für fast 3 Milliarden Euro übernehmen. Der wichtigste private Konkurrent in Europa soll unter das Dach des deutschen Staatskonzerns kommen. Die Bundesregierung unterstützt den größten Kauf der Bahn-Geschichte. Opposition, Wettbewerbs- und Verkehrsexperten üben scharfe Kritik.

„Manche tolle Braut kommt nur einmal im Leben vorbei – da muss man zugreifen!“ Gut gelaunt kommentierte Bahnchef Rüdiger Grube am Donnerstag in einem Berliner Nobelhotel erstmals die Kaufpläne für Arriva. Am Vortag hatte der Aufsichtsrat des Staatskonzerns einem Übernahmeangebot von 775 Pence pro Aktie an die britischen Aktionäre zugestimmt. Der Kurs ist allerdings bereits auf über 800 Pence geklettert.

Die Bahn will rund 1,8 Milliarden Euro zahlen und zudem mehr als eine Milliarde Euro Schulden übernehmen. Zwei Gutachten für Aufsichtsrat und Vorstand hätten bestätigt, dass das ein fairer Preis sei, betonten Grube und der neue Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht. Beide Manager unterstrichen – angesichts der Kritik an den Plänen – zudem, dass Deutschland der Kernmarkt der Deutschen Bahn bleibe und es „keinerlei Einschränkungen oder Abstriche“ für deutsche Bahnfahrer gebe.

Mit Arriva setze man auf „nachhaltiges und profitables Wachstum“, betont Grube. Man kaufe aber nicht um jeden Preis, an einem ruinösen Bieterstreit um den Konzern werde man sich nicht beteiligen. Am Investitionsprogramm in Deutschland – 41 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren für Bahnhöfe und neue Züge – gehe durch den Kauf im Ausland „kein Cent verloren“. Arriva betreibt europaweit Busse und Bahnen.

Die Bahn will die Übernahme komplett über Schulden finanzieren. Im Sommer werde man eine neue Anleihe am Kapitalmarkt ausgeben, sagte Finanzchef Richard Lutz. Dabei sollen auch die Arriva-Kredite und laufende Bahn-Kredite von bis zu 2 Milliarden Euro umgeschuldet werden. Insgesamt könnte die Anleihe bis zu 5 Milliarden Euro schwer sein. Die Bahn-Schulden würden auf 18 Milliarden Euro steigen. Das Bieterverfahren werde frühestens im August abgeschlossen sein, sagte der aus London per Video zugeschaltete Arriva-Chef David Martin. Man begrüße das Angebot. Andere Bieter gebe es nicht, heißt es. Die Bahn will die Arriva-Zentrale im britischen Sunderland zur Plattform der weiteren Expansion machen und Martin an Bord halten. Auch der Markenname soll vorerst bleiben.

Mit der Übernahme würde die Bahn, europaweit Marktführer im Bahn- und Busgeschäft und auch in der Logistik weit vorn, noch stärker. Grube erwartet trotzdem, dass die Wettbewerbshüter in Brüssel die Übernahme unter Auflagen absegnen. Erste Gespräche seien positiv verlaufen. Die Bahn rechnet damit, dass man das deutsche Bahngeschäft von Arriva abgeben muss und sich womöglich auch vom Busgeschäft trennen muss. Dazu wäre man bereit, betonte Grube.

Arriva beschäftigt in Deutschland 3500 Mitarbeiter und betreibt 900 Bussen und gut 200 Züge. Im deutschen Bahngeschäft werden rund 400 Millionen Euro umgesetzt, im Busgeschäft gut 60 Millionen Euro. Diese Aktivitäten könnte dann ein anderer Konkurrent der Deutschen Bahn übernehmen.

Thomas Wüpper