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Wirtschaft Deutsche Autobauer schwimmen im Geld
Nachrichten Wirtschaft Deutsche Autobauer schwimmen im Geld
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15:27 13.03.2012
Der Sportwagenbauer Porsche hat 2011 im besten Verkaufsjahr seiner Geschichte auch einen Rekordgewinn im laufenden Geschäft eingefahren.
Der Sportwagenbauer Porsche hat 2011 im besten Verkaufsjahr seiner Geschichte auch einen Rekordgewinn im laufenden Geschäft eingefahren. Quelle: dpa
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München

Martin Winterkorn verdient 1986 Euro - jede Stunde. Damit bekommt der Volkswagen-Chef alle 60 Minuten ein Gehalt, das manche Deutsche in einem Monat erarbeiten. Ein größeres Loch reißt das Jahressalär für Winterkorn von 17,4 Millionen Euro allerdings nicht in die VW-Kasse. Unter dem Strich verdiente der Autobauer dank der weltweit boomenden Automärkte 15,8 Milliarden Euro - mehr als doppelt so viel wie 2010. Auch BMW, Daimler, Audi und Porsche haben 2011 alle Rekorde gebrochen.

Nie zuvor verkauften die Hersteller mehr Autos, nie zuvor strömte so viel Geld in die Kassen. Davon profitieren auch die Mitarbeiter - sie bekommen Rekordprämien. Opel bleibt in dem Geschäft allerdings eine traurige Ausnahme.

Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass allen Herstellern die jüngste Wirtschaftskrise teils erheblich zu schaffen machte. Zu spät sei die Branche auf Themen wie Elektroautos angesprungen, zu lange habe sie an großen und teuren Autos festgehalten, warfen etliche Kritiker der Industrie vor.

Doch die Krise blieb eine Delle, der Aufschwung kam rascher und kräftiger als selbst mancher Konzernlenker erwartet hatte. Heute sieht die 125 Jahre alte Branche so jung aus wie seit Jahren nicht mehr. Und auch künftig erwarten die Autobauer - vor allem dank der Boomregionen in Asien und Amerika - Wachstum.

Die Firmen können das Geld gut gebrauchen. Nicht nur die Euro-Schuldenkrise und die tristeren Konjunkturaussichten beschäftigen die Strategen in den Konzernzentralen. “2012 wird ein Schlüsseljahr“, sagt BMW-Chef Norbert Reithofer bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz. Auch Audi-Chef Rupert Stadler backt lieber kleinere Brötchen: „Beim Blick in die Zukunft kann hingegen von eitel Sonnenschein längst nicht die Rede sein.“

Zwar verdienen die Hersteller vor allem mit großen und teuren Autos das meiste Geld, doch es gibt teure Baustellen. Dazu zählt die Entwicklung alternativer Antriebe etwa für Elektroautos, die Verbesserung der Motorentechnik oder der umweltfreundliche Ausbau der Produktion.

Allein Volkswagen will bis 2016 die gigantische Summe von 62,4 Milliarden investieren, zwei Drittel davon sollen davon in Projekte fließen, die den Konzern nicht nur größer, sondern auch grüner machen. Die Konkurrenten im Ausland blasen längst zum Angriff auf die deutschen Platzhirsche. Der bis zur Erdbebenkatastrophe in Japan weltgrößte Autobauer Toyota will wieder zurück an die Spitze, Hyundai mischt von Korea aus den Weltmarkt auf und wächst gerade im Massenmarkt. Auch die Allianz der Opel-Mutter General Motors (GM) und dem französischen PSA-Konzern (Peugeot) wird von den Deutschen zwar offiziell gelassen betrachtet, aber intern auch argwöhnisch beäugt.

Dabei gehören Kooperationen längst zum Alltag in der Industrie. So arbeitet BMW mit GM bereits zusammen. Auch mit PSA, etwa bei Motoren. Auch mit dem Rivalen Daimler kaufen die Münchner manche Teile gemeinsam ein. Alle Kooperationen haben vor allem einen Zweck: Kosten teilen, Geld sparen und von Entwicklungen profitieren.

Denn in vergangenen Krisen machten vor allem hohe Kosten den Konzernen zu schaffen. Inzwischen sind viele Hersteller flexibler aufgestellt, in Deutschland auch wegen des Einsatzes von Leih- und Zeitarbeitern. Ein Thema, das die Gewerkschaften umtreibt. Bei BMW landete der Streit gar vor Gericht. Hinter den Kulissen soll nun eine Lösung gefunden werden.

Für die Stammbelegschaften jedenfalls zahlen sich die Rekorde aus. Bei Daimler erhalten die Mitarbeiter in Deutschland für 2011 mit 4100 Euro die bislang höchste Ergebnisbeteiligung. Bei Audi flossen im Schnitt gar 8251 Euro. Bei BMW wird es ebenfalls mehr als 2010. Damals hatte der Konzern im Durchschnitt 5840 Euro gezahlt. Die rund 90 000 Tarifbeschäftigten bei Volkswagen in den sechs westdeutschen Werken bekommen rückwirkend für 2011 einen Bonus von 7500 Euro. Ob auch 2012 wieder Rekordprämien fließen, haben die Unternehmen aber nicht allein in der Hand. Vor allem die Konjunktur muss mitspielen.

frx/dpa