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Wirtschaft Designierter Bahn-Chef Grube will im Datenskandal durchgreifen
Nachrichten Wirtschaft Designierter Bahn-Chef Grube will im Datenskandal durchgreifen
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19:12 07.04.2009
Der Minister und sein neuer Bahn-Chef: Tiefensee (links) und Grube sind sich einig. Quelle: Axel Schmidt/ddp
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Ansonsten setzt der bisherige Daimler-Manager auf Kontinuität: Auch an der umstrittenen Teilprivatisierung der Bahn hält er fest.

Er werde „alles unternehmen“, um den Datenskandal „voll und lückenlos aufzuklären“, sagte Grube am Dienstag bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im Bundesverkehrsministerium. Er werde nicht zögern, Konsequenzen zu ziehen. Sein Ziel sei, bis zum 1. Juni „konkrete Ergebnisse“ zu haben. Er wolle aber den Sonderermittlern Gerhart Baum und Herta Däubler-Gmelin „nicht ins Handwerk pfuschen“. Seine wichtigste Aufgabe sei zunächst, „das Vertrauen von Mitarbeitern und Kunden zurückzugewinnen“. Als wichtigstes Kapital sehe er dabei seine Glaubwürdigkeit.

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Der 57-Jährige soll im Mai Nachfolger von Hartmut Mehdorn werden. Ende April soll ihn der Aufsichtsrat der Bahn wählen. In der vorigen Woche hatte sich die Koalitionsspitze überraschend schnell auf den Daimler-Manager geeinigt. Grube verhandelt derzeit nach eigener Aussage mit dem Stuttgarter Automobilkonzern über die Auflösung seines Vertrags, der noch bis 2010 läuft.

Auch sein Amt als Vorsitzender des Verwaltungsrats des größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS will der gebürtige Hamburger aufgeben. „Die Bahn erfordert meine volle Kraft“, sagte Grube. Die auch bei der EADS-Tochter Airbus schwelende Datenaffäre fällt nach seiner Aussage in die Zeit zwischen 2005 und 2007. Er habe seinen Posten dort erst danach angetreten.

Ein Börsengang der Bahn ist für den Manager derzeit kein Thema. In Zeiten, in denen der Kapitalmarkt am Boden liege, solle man sich mit solchen Fragen nicht belasten, sagte er. Die Möglichkeit zur Teilprivatisierung der Bahn solle man sich jedoch erhalten. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte unlängst erklärt, er wolle einen Börsengang auch in der kommenden Wahlperiode bis zum Jahr 2013 nicht.

Grube hob hervor, dass der integrierte Konzern – also der Verbund von Netz und Betrieb – erhalten bleiben solle. „Sie werden nicht erleben, dass ich den Konzern zerschlage.“ Allerdings werde es auch keine rasche „Reorganisation“ der Bahn geben. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA fordern dagegen, dass die – für den vorerst verschobenen Börsengang gegründete – Zwischenholding DB Mobility Logistics wieder aufgelöst werden müsse.

Grube lobte Mehdorn, mit dem er in der Luftfahrtindustrie eng zusammengearbeitet hatte. „Mehdorn war für mich einer der großen Vorgesetzten. Das war ein großes Vorbild.“ Bei der Bahn sei „tolle Arbeit“ geleistet worden. „Ich bin neidisch gewesen, welche Veränderungen die Bahn mitgemacht hat.“ Vor zehn Jahren sei er nicht so gern in den Zug gestiegen. „Heute fahren wir, einschließlich meiner Familie, ausgesprochen gerne mit der Bahn.“ Er übernehme kein marodes Unternehmen.

von Thomas Wüpper