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Nachrichten Wirtschaft Freiheit statt Festanstellung
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22:42 10.03.2014
Die drei Sieger mit ihren Erfindungen (v.l.): Benjamin Werner („shoutr“), Sven Köhler („Fiberio“), Leonard Oschütz („Kinematics“).
Die drei Sieger mit ihren Erfindungen (v.l.): Benjamin Werner („shoutr“), Sven Köhler („Fiberio“), Leonard Oschütz („Kinematics“). Quelle: HAZ
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Eine App, die Bilder und Filme ohne Serververbindung übertragen kann? „Da ist die NSA wohl nicht so begeistert“, sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka lachend. Vielleicht, oder gerade weil die App so gut wie abhörsicher ist, haben drei Entwickler aus Berlin jetzt den CeBIT Innovation Award gewonnen. Die „shoutr“-App ermöglicht den drahtlosen Austausch von großen Datenmengen über WLAN – ohne den Umweg über Server oder andere Internetdienste. „Die Handys bauen ein eigenes Netzwerk auf – unsere App ist deshalb auch bei Stromausfall nutzbar“, erklärt Sebastian Winkler von „shoutr-labs“.

Der Innovation Award ist mit insgesamt 100.000 Euro dotiert und wurde am Montag zum zweiten Mal auf der CeBIT vergeben. Mehr als hundert Wettbewerbsbeiträge wurden eingereicht. „Der Preis zeichnet Beiträge aus, die intuitiv und benutzerfreundlich sind“, erklärte Wanka bei der Preisverleihung.

Das Projekt „Kinematics“ erreichte den zweiten Platz: Das dreiköpfige Entwicklerteam aus Weimar konstruierte ein Baukastensystem, mit dem Kinder und Jugendliche einfach Roboter bauen können. Die einzelnen Module sind in ihrer Bewegung vorprogrammiert, sodass die zusammengesteckten Figuren laufen wie ein Roboter oder fahren wie ein Auto. „Das ist Lego 2.0“, sagt Matthias Bürger von „Kinematics“.

Der dritte Preis, der Sonderpreis für visionäre Konzepte, ging an Sven Köhler und Christian Holz vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Die beiden entwickelten „Fiberio“, ein Display, das Fingerabdrücke erkennt. So können mehrere Nutzer ohne Registrierung oder Anmeldung an einem Gerät arbeiten. „Auch wenn jemand sein Handy verliert, kann es kein anderer bedienen“, sagt Köhler. „In Zukunft erkennt das Handy, wer es benutzt.“

Auch der Award steht im Zeichen der Zukunft: Denn zwei der drei ausgezeichneten Teams sind Start-ups, also Firmen, die gerade erst gegründet wurden. Die drei Berliner Informatiker von „shoutr-labs“ wollten keine Festanstellung, sondern „Freiheit, Unabhängigkeit und Abenteuer“, wie „shoutr“-Entwickler Benjamin Werner sagt. Und CeBIT-Vorstand Oliver Frese betont: „Junge Start-ups gehen auf andere Weise auf die Nutzer ein, als es Forschungsabteilungen großer Unternehmen tun.“ Auch Ministerin Wanka räumt ein, Deutschland brauche Innovationen, um besser am Markt bestehen zu können.

Trotzdem haben es deutsche Gründer schwer: „Auf ein erfolgreiches Start-up kommen bestimmt 20 gescheiterte“, schätzt Werner. Zwar bekommen die drei mit dem ersten Platz auch ein Preisgeld in Höhe von 50 000 Euro und haben sogar noch fünf Mitarbeiter eingestellt – verdient haben sie mit ihrer vor zwei Jahren gegründeten Firma aber noch nichts. „Noch haben wir ein Gründerstipendium, aber wir sind auf der Suche nach Investoren“, erzählt Werner. Und genau darin sehen die drei 31-Jährigen auch die größte Herausforderung: „Das Problem war nicht die Idee, wir sind ja Techniker. Das Problem ist, den Absprung zu schaffen, damit wir auch Geld verdienen.“ Mit den 50 000 Euro könnten sie aber auf jeden Fall bis zum Jahresende weitermachen.

Was nach der CeBIT passiert, wissen alle drei Sieger nicht – doch vielleicht hilft ihnen ja die Aufmerksamkeit des Wettbewerbs, um Investoren zu finden.

Sabrina Mazzola

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