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Wirtschaft Reifenhändler benötigt dringend Geld
Nachrichten Wirtschaft Reifenhändler benötigt dringend Geld
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15:39 15.11.2019
Delticom handelt auch mit Lebensmitteln – die Lager sind Teil der Logistikkette. Quelle: Wiebke Langefeld
Hannover

Der Online-Reifenhändler Delticom kämpft offenbar ums Überleben. Man habe mit den Kreditgebern eine Stillhaltevereinbarung abgeschlossen und hoffe auf eine Verlängerung bis zum 8. Dezember, teilte das Unternehmen am Freitag in Hannover mit. Die Basis dafür solle ein Sanierungskonzept zur „nachhaltigen Rückkehr in die Gewinnzone“ sein, das derzeit mithilfe von Beratern erarbeitet werde. Auch die Übernahme durch einen Investor sei möglich, „potenzielle Interessenten wurden bereits angesprochen“, hieß es.

Delticom steckt schon länger in der Krise. Das vor 20 Jahren von den früheren Continental-Managern Andreas Prüfer und Rainer Binder gegründete Unternehmen war schnell zu Europas größtem Reifenhändler im Internet aufgestiegen. Derzeit unterhält die Aktiengesellschaft rund 460 Onlineshops und Plattformen in 77 Ländern, dazu zählen Marken wie ReifenDirekt.de oder MotorradreifenDirekt.de. Auch im Handel mit Gebrauchtwagen ist man aktiv. Darüber hinaus tritt Delticom als Onlineanbieter von Lebensmitteln auf – vor allem die Verluste aus diesem Bereich sind für die akuten finanziellen Nöte verantwortlich.

Unternehmen will zu seinen Ursprüngen zurückkehren

Bereits 2018 war das Unternehmen bei einem Umsatz von 646 Millionen Euro mit einem Minus von knapp 2  Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht. In den ersten neun Monaten 2019 lagen die Erlöse mit 420 Millionen Euro auf Vorjahresniveau, operativ fiel ein Verlust von 7,6 Millionen Euro an – von Januar bis September 2018 hatte man vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen noch einen Gewinn von 3,4 Millionen Euro erzielt. Bei der Hauptversammlung im August hatte Vorstandschef Prüfer dafür neben dem geringeren Absatz von Winterreifen auch eigene Fehler verantwortlich gemacht – wie etwa zu hohe Ausgaben für das Marketing.

Künftig werde Delticom wieder zu seinen Ursprüngen zurückkehren, sagte Prüfer: „Wir stoßen das ab, was Minus macht, und konzentrieren uns auf das, was Gewinn macht – und das wollen wir dann noch besser machen.“ Einstellen werde man das nicht profitable Geschäft mit Autoersatzteilen und Schmierstoffen, gleiches gelte für die E-Commerce-Aktivitäten in Russland und Japan – auch aus den USA ziehe sich Delticom zurück. Für den defizitären Feinkost-Lieferanten Gourmondo werde ein Käufer gesucht. Es gebe keine Pläne, die 200 Mitarbeiter zählende Belegschaft deutlich zu verringern.

Aktienkurs ist um 85 Prozent abgestürzt

Bei den Investoren genießt das Unternehmen kaum noch Vertrauen: Der Aktienkurs ist innerhalb der vergangenen zehn Jahre von mehr als 60 Euro um 85 Prozent abgestürzt – am Freitag ging es noch einmal deutlich nach unten, zwischenzeitlich notierte das Papier unter 3 Euro. Neben den schwindenden Margen im Onlinehandel haben die Anleger auch häufige Wechsel im Management und wenig transparente Deals zwischen den Unternehmensgründern irritiert. „Das erinnerte häufig an die unseligen Zeiten des Neuen Marktes“, sagte ein langjähriger Beobachter.

Zuletzt musste die Vorlage des Halbjahresberichts verschoben werden, auch weil sich das Testat der Abschlussprüfer verzögert hatte. Am Ende wurde dieses zwar erteilt – aber in ihrem zehnseitigen Bestätigungsvermerk macht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG deutlich, dass viele der Angaben zu den Vermögenswerten „auf einer Reihe ermessensbehafteter Annahmen“ beruhen.

Von Jens Heitmann

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