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Wirtschaft „Das kann nicht wahr sein“
Nachrichten Wirtschaft „Das kann nicht wahr sein“
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21:26 20.10.2009
Von Andreas Schinkel
Seit 15 Jahren verkauft Nalan Iscan Waren für Quelle. Jetzt hofft sie auf die Konkurrenten.
Seit 15 Jahren verkauft Nalan Iscan Waren für Quelle. Jetzt hofft sie auf die Konkurrenten. Quelle: Nico Herzog
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Iscans Augen füllen sich mit Tränen. „Das kann nicht wahr sein. Quelle, das ist wie Mercedes und BMW, ein Stück deutsche Geschichte“, sagt die gebürtige Türkin, die seit 15 Jahren mit ihrem Mann den Quelle-Shop im Stadtteil Vahrenheide betreibt.

Wie Nalan Iscan erging es am Dienstag vielen der rund 15 selbstständigen Geschäftsleute, die in der Region Hannover Quelle-Waren auf Provisionsbasis verkaufen. „Es ist ein Unding, dass wir vom Konzern nicht informiert werden“, sagt eine Quelle-Shop-Betreiberin, die ungenannt bleiben will. Über die Zukunft ihres Geschäfts verliert sie wenig Worte, die Lage sei ohnehin hoffnungslos. Manuela Krahn vom Quelle-Shop in Garbsen gibt sich dagegen kämpferisch: „Ich werde versuchen, den Laden zu retten.“ Schließlich verkaufe sie noch Kurzwaren wie Knöpfe, Nähzeug, Batterien. Aber den Hauptumsatz, den habe sie mit den Quelle-Artikeln gemacht – vom Toaster bis zu Dessous. Was mit den Waren jetzt passiert, ob sie zu Niedrigpreisen verramscht oder gar zurückgesandt werden, weiß sie nicht. „Ich muss jetzt zusehen, dass ich an andere Kommissionsware herankomme“, sagt Krahn.

Beim Quelle-Technik-Center in Laatzen wird die Nachricht aus Fürth achselzuckend zur Kenntnis genommen. Bereits im August war klar, dass alle 109 Filialen der Techniksparte geschlossen werden. „Wir trennen uns bereits von Teilen des Sortiments“, sagt der Leiter des Centers, Andreas Wahrenburg. Die Garantieleistungen für die verkauften Geräte seien aber gesichert.

Ratlosigkeit herrscht dagegen im Logistikzentrum in Lehrte, wo die Post-Tochter DHL das Warenlager von Karstadt-Quelle übernommen hat und den Transport für die Versandhäuser abwickelt. Rund 70 Mitarbeiter sind im Paketzentrum beschäftigt. „Die Nachricht vom Aus für Quelle hat uns überrascht. Wir nahmen an, dass alles zunächst bis Ende des Jahres weiterläuft“, sagt Post-Sprecher Jürgen Koens. Ob die Post das Zentrum schließt oder weiterführt, darüber wird jetzt beraten. „Der Standort neben der Autobahn ist für uns sehr attraktiv“, sagt Koens.

Auch Nalan Iscan will ihren Laden nicht aufgeben. „Um zu überleben, müssen wir wohl auf die Konkurrenz zurückgreifen, Waren von Neckermann oder vom Otto-Versand anbieten“, sagt sie. Doch beide liefern keine Waren zum Ausstellen. Iscan müsste sich auf die Vermittlung von Bestellungen beschränken. Später betritt Iscans Ehemann das Geschäft und nimmt seine Frau in den Arm: „Weißt du noch vor acht Jahren, der Quelle-Ball in Nürnberg, mit all den Showgrößen?“ Als eine der erfolgreichsten Agenturen in Deutschland seien die Iscans ausgezeichnet worden. „Da war Quelle noch wer“, sagt er.