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Wirtschaft VW-Chefetage bekommt 97 Mal so viel wie ein Arbeiter
Nachrichten Wirtschaft VW-Chefetage bekommt 97 Mal so viel wie ein Arbeiter
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18:31 11.06.2019
Herbert Diess ist einer der Spitzenverdiener im DAX. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Frankfurt/Main

Chefetagen sind finanziell oft weit entfernt von der einfachen Arbeitswirklichkeit. 52 Mal so viel wie ihre Angestellten kassierten Vorstände der Dax-Konzerne durchschnittlich im vergangenen Jahr. Damit war das Gehaltsgefälle in der ersten deutschen Börsenliga ebenso steil wie im Jahr 2017. Das hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gemeinsam mit der Technischen Universität München errechnet.

Am größten ist der Abstand der am Dienstag in Frankfurt vorgestellten Studie zufolge bei Volkswagen. Bei dem Autobauer sind die Bezüge der Führungsetage nach jüngsten Zahlen 97 Mal höher als der durchschnittliche Personalaufwand pro Mitarbeiter im Unternehmen.

Diess auf Platz 2

Bei dem Autobauer summierten sich die Bezüge eines Vorstandsmitglieds im Schnitt auf 6,0 Millionen Euro. Mit einer Gesamtvergütung in Höhe von etwa 7,9 Millionen Euro landete VW-Chef Herbert Diess außerdem auf Platz 2 unter den Spitzenverdienern im Dax.

Vor ihm lag lediglich SAP-Chef Bill McDermott, der 10,8 Millionen Euro einstrich. Am geringsten ist das Gehaltsgefälle demnach bei der Deutschen Börse, die ihren Vorständen im Schnitt das 25-Fache zahlt.

Die Aufsichtsräte seien gefordert, darauf zu achten, dass die Schere sich in einem Unternehmen nicht zu weit öffne, mahnte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

Eine Deckelung des Wertes über alle Branchen hinweg sehen Experten skeptisch. „Das würde unternehmerische Entscheidungen indizieren, die mit unternehmerischer Realität nichts zu tun haben“, warnte der Münchner Wissenschaftler Gunther Friedl. Unternehmen könnten sich zum Beispiel gezwungen sehen, Arbeit in Billiglohnländer zu verlagern.

Weniger als im Vorjahr

Im Durchschnitt kam ein Vorstandsmitglied im Deutschen Aktienindex - inklusive der Konzernchefs – 2018 auf eine Gesamtvergütung von 3,51 Millionen Euro. Nach Jahren des Wachstums verringert sich die Summe erstmals wieder. Der Rückgang zum Vorjahr, in dem sowohl die Börsen besser liefen als auch die Gewinne kräftiger sprudelten, betrug 3,5 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf 29 der 30 Dax-Konzerne.

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Mit Wohlwollen registrieren die Aktionärsvertreter, dass der Teil der Bezahlung, der sich am Aktienkurs orientiert, tendenziell größer wird. Er lag den Berechnungen zufolge im Jahr 2018 bei knapp über 30 Prozent. Das Festgehalt macht rund 33 Prozent aus. „Gute Leistung soll gut vergütet werden“, sagte Tüngler. „Wenn es aber schlecht läuft, muss der Vorstand dies ebenfalls im Portemonnaie spüren. Und das sehen wir oft noch nicht.“

Deutsche Bank überrascht

Dass die Deutsche-Bank-Vorstände mit durchschnittlich knapp 5,1 Millionen Euro auf Rang 3 landeten, überraschte die Studienautoren - schließlich befinde sich das Institut „augenscheinlich nicht auf einem Erfolgskurs“. Mit 55,2 Prozent stiegen zudem die Vorstandsbezüge bei Deutschlands größtem Geldhaus zum Vorjahr so kräftig wie bei keinem anderen Konzern im Deutschen Aktienindex.

Während ein einfaches Vorstandsmitglied eines Dax-Konzerns im Schnitt auf knapp 3,1 Millionen Euro Vergütung kam, kassierten die Unternehmenschefs der Studie zufolge im Schnitt gut 5,4 Millionen Euro. Zu den Vorstandsvergütungen gibt es zahlreiche Studien. Wegen unterschiedlicher Berechnungsmethoden weichen die Ergebnisse teilweise deutlich voneinander ab.

Von RND/dpa