Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Trotz Protesten: Autozulieferer beschließt Aus für Standorte
Nachrichten Wirtschaft Trotz Protesten: Autozulieferer beschließt Aus für Standorte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:57 20.11.2019
Conti-Mitarbeiter haben am Donnerstag vor der Firmenzentrale in Hannover gegen die Umbaupläne demonstriert. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Trotz der Proteste von Hunderten Beschäftigten will die Konzernführung von Continental den Umbau des Unternehmens wie geplant durchziehen. Weil sich der Trend in Richtung auf die Elektromobilität verstärke, werde man das Geschäft mit Hydraulik-Technik für Benzin- und Dieselmotoren mittelfristig beenden, teilte der Autozulieferer am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung in Hannover mit. Damit stehen die Werke im bayerischen Roding und in Newport in den USA vor dem Aus – die Gewerkschaft IG BCE rechnet insgesamt mit 5000 Entlassungen. „Das ist nicht akzeptabel“, sagte Vorstandsmitglied Francesco Grioli.

Bereits Ende September hatte Continental angekündigt, sich bis zum Jahr 2029 verstärkt auf Elektromobilität und automatisiertes Fahren auszurichten, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Von den 244.000 Arbeitsplätzen im Konzern seien 20.000 „von Veränderungen betroffen“, hieß es damals. In Deutschland handele es sich um 7000 von 62.000 Stellen. Ziel sei es, so vielen betroffenen Mitarbeitern wie möglich an anderen Standorten neue Beschäftigungen anzubieten.

Die meisten Stellen fallen in Süddeutschland weg

Dieser Zusicherung misstraut die Belegschaft jedoch. Am Mittwoch haben Beschäftigte an verschiedenen Standorten gegen die Pläne der Konzernführung protestiert – knapp 900 allein vor der Firmenzentrale in Hannover. Die Mitarbeiter waren mit Bussen aus dem ganzen Bundesgebiet angereist. Von der Umstrukturierung sind vor allem Werke der Automotive-Sparte in Süd- und Ostdeutschland betroffen, die Komponenten für Autos herstellt. Der Reifen-Bereich steht derzeit nicht im Fokus der Sparbemühungen.

In Roding stellen aktuell 650 Mitarbeiter Kraftstoffhochdruckpumpen her, nach Angaben von Continental stehen dort 520 Stellen zur Disposition. In Limbach-Oberfrohna bei Chemnitz sind 1230 Beschäftigte auf Einspritzsysteme für Dieselmotoren spezialisiert – für 850 von ihnen sei die Zukunft unklar, hieß es gestern. Das Werk im hessischen Babenhausen fertigt Displays und Navigationsgeräte für Autocockpits, durch die Verlagerung der Produktion sind dort 2200 Jobs gefährdet.

Betriebsrat: „Das ist eine Zerreißprobe für die Conti-Kultur“

Die Gewerkschaften wollen die Pläne nicht akzeptieren. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hätten dem Aus für die Standorte nicht zugestimmt, sagte die stellvertretende IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner. Die von der Konzernführung vorgelegten Konzepte seien keine Antwort auf die Herausforderungen des Wandels in der Autoindustrie: „Das Ziel muss sein, die Beschäftigten zu qualifizieren und nicht die Rendite zu optimieren.“

Die Hoffnungen ruhen nun auf dem Ausbau des internen Arbeitsmarktes im Konzern. Man werde versuchen, möglichst viele betroffene Mitarbeiter auf frei werdende Stellen an anderen Orten zu vermitteln, teilte das Unternehmen mit. Vom Gelingen dieses Vorhabens hänge viel ab, um das Vertrauen in das Management zu bewahren, sagte Konzernbetriebsratschef Hasan Allak: „Wir stehen vor einer Zerreißprobe für die Conti-Kultur.“

Lesen Sie auch

Von Jens Heitmann

Es brodelt bei Continental: Hunderte Beschäftigte gingen heute gegen die Sparpläne des Autozulieferers auf die Straße. Der Konzern aus Hannover ist Sinnbild einer Branche, die in der Krise steckt. Ein Autoexperte spricht bereits vom „Ende eines goldenen Jahrzehnts“.

20.11.2019

Das Asien-Geschäft von Wirecard bereitet dem DAX-Konzern weiterhin Negativschlagzeilen - weil externe Wirtschaftsprüfer der Tochterfirma in Singapur einen älteren Geschäftsbericht nicht abgesegnet haben. Jetzt steht nicht nur die Kommunikationspolitik von Wirecard in der Kritik.

20.11.2019

Die meisten Roboterwagen wurden bislang auf öffentlichen Straßen in den USA getestet, weil dort eher lasche Regeln gelten. Nachdem ein Testwagen von Uber eine Fußgängerin tötete, müssen sich alle Unternehmen auf härtere Sicherheitsvorgaben einstellen.

20.11.2019