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Nachrichten Wirtschaft Chinesische Autobahnen für Europa
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07:44 01.12.2011
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Peking

In einem Gastbeitrag für die „Financial Times“ attestiert Lou Jiwei, Chef des Staatsfonds China Investment Corp. (CIC), Europäern und Amerikanern, „dringend mehr Investitionen“ in Infrastruktur zu benötigen. „China möchte sich da gern engagieren“, kündigte Lou an. Man beobachte die Bereiche Energie, Transport, Wasserversorgung, Kommunikationsnetzwerke und Müllentsorgung. Konkrete Pläne verriet Lou allerdings nicht.

Die Äußerungen dürften ein Testballon sein, um herauszufinden, ob Europäer und Amerikaner chinesischen Investitionen im öffentlichen Bereich gegenüber aufgeschlossen sind. Geldgeber aus der Volksrepublik werden im Westen bisher mit gemischten Gefühlen betrachtet: So willkommen das chinesische Kapital einerseits ist, so groß ist andererseits die Angst, Peking allzu großen Einfluss zu gewähren.

„Es gibt in Europa einen großen Wettbewerb um chinesische Investitionen“, sagt Jonas Parello-Plesner, Chinaexperte des European Council on Foreign Relations. „Gleichzeitig fragt man sich aber auch, welche Interessen die Chinesen haben.“ Laut Lou sind diese rein wirtschaftlicher und keineswegs politischer Natur: „Investitionen, die rein kommerziellen Prinzipien folgen, stellen für beide Seiten die Möglichkeit einer Win-win-Lösung dar.”

410 Milliarden Dollar hat die chinesische Zentralbank der CIC seit seiner Gründung im Jahr 2007 überwiesen, mit der Aufgabe, diese möglichst gewinnbringend anzulegen. Das Geld ist ein Teil von Chinas gewaltigen Devisenreserven von derzeit 3,2 Billionen Dollar, die größtenteils in westlichen Staatsanleihen geparkt sind – eine Anlage, an deren Profitabilität man in China zunehmend zweifelt.

„Die Chinesen haben so viele Devisen, dass sie unter großem Druck stehen, diese mit Gewinn zu verwalten“, sagt Parello-Plesner. Obwohl die CIC ihr Portfolio nicht im Detail veröffentlicht, gehören zu ihren Investitionen Beteiligungen an ausländischen Firmen sowie Darlehen an chinesische Unternehmen, die damit ihre internationalen Expansionen finanzieren. Vergangenes Jahr hat Lou nach eigenen Angaben eine Rendite von 11,7 Prozent erwirtschaftet.

Derartige Vorgaben lassen darauf schließen, dass die Chinesen auch bei Investitionen in europäische Infrastruktur ehrgeizige Gewinnziele verfolgen würden. Erfahrung mit Infrastrukturprojekten im Ausland hat man in China bereits. In Afrika sowie einigen Ländern Asiens und Südamerikas ist China bereits stark am Aufbau von Infrastruktur beteiligt. Häufig sind die Projekte Teil von Rohstoffprojekten: Im Gegenzug zum Zugang zu Minen oder Ölfeldern baut China die Straßen, Bahnlinien, Häfen oder Kraftwerke, die für die Ausbeutung der Ressourcen notwendig sind. Die Arbeit erledigen meist Bautrupps aus der Volksrepublik.

In Europa dürfte man sich kaum darauf einlassen. Dass das bisher einzige chinesische Investitionsprojekt in Europa kläglich scheiterte, dürfte ebenfalls das Vertrauen schmälern. 2009 erhielt ein chinesisches Konsortium den Zuschlag für den Bau einer 50 Kilometer langen Autobahnstrecke in Polen, nachdem es die Preise der Konkurrenz um 23 Prozent unterboten hatte. Doch die Chinesen konnten ihre Versprechen nicht halten und zogen sich schließlich aus dem Projekt zurück. Ein anderes Projekt wurde kurz vor dem Beginn gestoppt: Ein bereits ausgehandelter Vertrag mit dem chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei zur Modernisierung des Londoner Handynetzes vor den Olympischen Spielen 2012 platzte im letzten Moment.

Dass die Chinesen trotzdem erneut und von höchster Stelle aus Europas Infrastruktur ins Visier nehmen, könnte neben wirtschaftlichen Erwägungen durchaus auch politische Gründe haben. Womöglich ist man in Peking zu dem Schluss gekommen, dass dem chinesisch-europäischen mit Investitionen in Straßen und Eisenbahnen mehr gedient ist als mit Käufen von europäischen Anleihen. In der Euro-Zone hofft man, dass China seine Devisenmacht einsetzt, um Anleihen des Rettungsschirms EFSF zu erwerben. Allerdings scheint die Kaufbereitschaft gering zu sein.

Bernhard Bartsch

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