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Wirtschaft „Verschlüsselung ist der Königsweg“
Nachrichten Wirtschaft „Verschlüsselung ist der Königsweg“
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11:12 08.03.2014
Dieter Kempf spricht im HAZ-Interview über Ausspähung und vernetzte Dörfer.
Dieter Kempf spricht im HAZ-Interview über Ausspähung und vernetzte Dörfer. Quelle: dpa
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Hannover

Am Montag beginnt die CeBIT. Auf welche Neuigkeiten sind Sie besonders gespannt, Herr Kempf?
Mich interessieren besonders Konzepte zum Thema „Datability“. Dieses Umgehen mit großen Datenmengen unter einem starken Aspekt an Datensicherheit ist das Dachmotto der CeBIT und wird sich wie ein roter Faden durch die Entwicklungen der nächsten Jahre ziehen. Zum Beispiel brauchen wir bei autonom fahrenden Autos, für die es schon erste Entwicklungen gibt, ein hohes Maß an Sicherheit. Ich will schließlich nicht, dass der Junge, der auf dem Supermarktparkplatz sein Spielzeugauto mit Fernsteuerung durch die Gegend fährt, plötzlich mein Auto steuert.

Thema Sicherheit. Hat die IT-Branche in Zeiten aktiven Ausspähens durch die Geheimdienste den Kampf um die Datensicherheit verloren?
So würde ich das nicht sagen. Ich glaube auch nicht, dass wir richtig daran tun, die Geheimdienste als einzige Feinde der IT-Sicherheit zu sehen. Die größten Feinde sind immer noch kriminelle Organisationen. Dass wir jetzt über die Enthüllungen von Edward Snowden die Erfahrung machen müssen, dass sich die Geheimdienste ähnlich verhalten, mag für den einen oder anderen neu sein, wirklich überraschen kann es seit dem mehr als zehn Jahre alten Echelon-Bericht der EU nicht. Dass es so großflächig war, dass es so dreist war – dass beispielsweise auch Spitzenpolitiker abgehört wurden –, war allerdings schon überraschend.

Läuft die Branche in punkto Datensicherheit nicht immer hinterher?
Sicherheit ist immer ein Hase-und-Igel-Spiel. Wir müssen stets schauen, dass wir einen Schritt schneller sind als die Cyberkriminellen. Bislang gelingt uns das in den meisten Fällen. Aber: Das Verteidigen ist im digitalen wie auch im analogen Leben immer teurer als das Angreifen. Wir gehen mit Sicherheitsfragen im digitalen Leben allerdings manchmal sorgloser um als im analogen Leben. Eine starke Verschlüsselung ist der Königsweg zu mehr Sicherheit.

Die CeBIT wird noch stärker professionalisiert, der Schüler oder Student wird wohl weniger oft auf das Messegelände kommen. Wie bewerten Sie das?
Ich halte die neue Strategie für sehr gut und sehr wichtig. Das heißt nicht, dass wir den privaten Konsumenten nicht mehr auf der CeBIT sehen wollen. Aber es bedeutet,  dass bei den Exponaten die Business-Lösungen im Vordergrund stehen werden und nicht Computerspiele. Der Aussteller hat die Möglichkeit, einen besseren Kontakt zum Kunden zu entwickeln. Dass man damit die Besucherzahlen nicht in die Höhe treibt, ist uns klar. Für uns ist aber auch gar nicht wichtig, wie oft sich das Drehkreuz am Eingang bewegt, für uns ist wichtig, dass Geschäft gemacht wird.

Die neue Bundesregierung will Milliarden in den Ausbau des Breitbandnetzes stecken, hat ein freiwilliges digitales Jahr angekündigt und weitere Maßnahmen für die digitale Wirtschaft. Fühlen Sie jetzt Ihre Interessen richtig berücksichtigt?
Der Breitbandausbau ist eines der ganz wichtigen Themen. Breitband ist die Basis-Infrastruktur der digitalen Welt. Wir sollten aber bei der Versteigerung von Funkfrequenzen nicht wieder den Fehler machen, den Unternehmen durch hohe Preise notwendige Investitionsmittel zu entziehen. Von der Politik erwarten wir, dass sie nicht nur fordert, sondern auch fördert. Wir brauchen Planungssicherheit und mehr politische Flankierung.

Was erwarten Sie vom neuen Minister Alexander Dobrindt?
Er wird das Thema Ausbauziele konsequent angehen. Wir werden für die ländlichen Regionen noch ein paar Ideen brauchen. Man muss so ehrlich sein zu sagen, dass die Forderung nach rein marktwirtschaftlicher Erschließung und Kabel bis zum Bauernhof einfach nicht zusammenpassen. Die Lösung kann aber nicht sein, den Bauernhof nicht zu vernetzen, sondern da braucht man einfach andere Modelle. Das können genossenschaftliche Eigeninitiativen sein oder Förderinitiativen. In jedem Fall kostet es Geld. Für einen flächendeckenden Glasfaserausbau werden 80 Milliarden Euro gebraucht. Der Großteil dieser Mittel kann von der Privatwirtschaft aufgebracht werden, wenn Herr Dobrindt die richtigen Investitionsanreize setzt. Gelingt ihm das nicht, wird er mit dem Bundesfinanzminister sprechen müssen.

Das ist die neue CeBIT

Die CeBIT startet in diesem Jahr schon am kommenden Montag. Bis Freitag präsentieren sich rund 3400 Aussteller aus 70 Ländern auf dem Messegelände in Hannover. Die Computermesse konzentriert sich diesmal auf das Thema „Datability“, also den verantwortungsvollen Umgang mit großen Datenmengen. Die Zahl der ausländischen Aussteller überwiegt erstmals seit 2008, stärkstes Land ist China mit 500 Unternehmen. Das diesjährige Partnerland ist Großbritannien, am Sonntagabend wird Premier David Cameron die Messe deshalb gemeinsam mit Angela Merkel eröffnen.

Es ist das erste Jahr, in dem sich die Messe ausschließlich an Fachbesucher richtet, die Veranstalter rechnen deshalb mit nur 230.000 Besuchern gegenüber 273 000 im Vorjahr.

sam

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