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Wirtschaft Betriebsrat will bei VW mehr einsparen
Nachrichten Wirtschaft Betriebsrat will bei VW mehr einsparen
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00:18 01.02.2015
Von Lars Ruzic
VW in Wolfsburg: „Wir sind in der Lage, wesentlich mehr als die geplanten 5 Milliarden Euro einzusparen.“ Quelle: dpa
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Wolfsburg

Der Betriebsrat von Volkswagen fordert vom Management mehr Stringenz und Disziplin bei der Umsetzung des hauseigenen Effizienzprogramms. „Wir sind in der Lage, wesentlich mehr als die geplanten 5 Milliarden Euro einzusparen“, sagte Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh am Donnerstag in Wolfsburg. „Und trotzdem wird keiner arbeitslos.“ Osterloh kritisierte Wildwuchs und Kleinstaaterei innerhalb des weltweit zweitgrößten Autokonzerns. „Es ist Aufgabe des Vorstands, sich darum zu kümmern.“

Zwar laufe das im vergangenen Sommer von Konzernchef Martin Winterkorn verordnete Effizienzprogramm „besser als viele denken“, betonte der Betriebsratschef. „Die Frage ist: Nehmen es alle so ernst, wie es genommen werden müsste?“ Der Betriebsrat hatte dem Management bereits Ende vergangenen Jahres einen mehr als 400 Seiten starken Ordner vorgelegt, in dem die Einsparideen der Beschäftigten zusammengefasst wurden. Dabei geht es vor allem darum, die Variantenvielfalt zu reduzieren. „Da steckt richtig viel Geld drin“, so Osterloh. So bräuchte beispielsweise der Gelände-Golf Tiguan keine zwölf unterschiedlichen Kühlergrills.

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Zu hohe Nebenkosten

Mit den Varianten ließen sich auch ausgeuferte Kosten bei Entwicklung, Beschaffung und Logistik deutlich senken. Inzwischen beschäftige VW indirekt 20 000 konzernfremde Entwickler, es hätten sich rund um Wolfsburg eine Vielzahl von Unternehmen angesiedelt, die nur mit der Vorkommissionierung von Komponenten beschäftigt seien. Teils überstiegen die Beschaffungsnebenkosten bereits den eigentlichen Teilepreis.

Der Arbeitnehmervertreter geht aber noch weiter. Auch im Gesamtkonzern müssten stärker Synergien geschöpft werden. Die bereits vor Jahren aufgelegte Baukastenstrategie „haben wir nicht dafür gemacht, dass jede Marke einen anderen Radstand wählt“, sagte Osterloh. In den zurückliegenden Jahren mit rasantem Wachstum habe sich die Zahl der Modelle im Konzern auf 310 mehr als verdoppelt. Angesichts dieser Vielfalt müsse strikter auf die Verwendung möglichst vieler Gleichteile geachtet werden.

Nutzfahrzeuge: Aus Anlass des Starts von Andreas Renschler als Lkw-Konzernvorstand im Februar befürwortete Osterloh die Schaffung einer Holding für die Nutzfahrzeugtöchter. Unter einem gemeinsamen Dach ließen sich besser Synergien schöpfen, sagte er. Dass der frühere Daimler-Manager die Holding in Frankfurt ansiedeln will, wie kolportiert wird, stößt im Konzern auf Verwunderung. „Welchen Sinn soll das haben?“, fragte Osterloh. Auch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ließ am Rande einer Veranstaltung in Stuttgart durchblicken, dass er von dem Standort nichts hält. „Dort sitzen nicht unsere Kunden“, sagte er. Die neue Holding soll die Töchter MAN und Scania umfassen – und wohl auch die hannoversche Marke VW Nutzfahrzeuge, obwohl sie wenig mit den schweren Lkw der Schwestern verbindet. Dass auch VWN unter die Holding fallen dürfte, sei für die Arbeitnehmerseite kein Problem, meinte Osterloh – „solange für sie weiterhin der Haustarifvertrag von Volkswagen gilt“.

Tarifrunde: Bei den bevorstehenden Verhandlungen über den VW-Haustarif rechnet Osterloh mit Forderungen des Konzerns nach mehr Flexibilität beim Arbeitseinsatz der Beschäftigten. Die gute Lage an den sechs Traditionsstandorten in Niedersachsen und Kassel hatte zuletzt zu vielen Sonderschichten und Überstunden geführt. Die IG Metall fordert für die gut 115 000 VW-Beschäftigten, die unter den Haustarif fallen, ebenso wie in der Metall- und Elektroindustrie 5,5 Prozent mehr Lohn. Im Gegensatz zum Flächentarif wird bei VW nicht über neue Alters- und Bildungsteilzeitregelungen verhandelt. Osterloh hofft, dass der Konzern „nicht den gleichen Fehler macht wie die Metallarbeitgeber“ und stattdessen bereits beim Start der Verhandlungen kommende Woche in Hannover ein Angebot unterbreitet. In der Fläche gibt es inzwischen eine Offerte über 2,2 Prozent mehr Lohn.

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